Aufgefallen: Der 7. Spieltag in der Brack Super League
In Basel stehen die Dinge heute Morgen nicht zum Besten. In Genf noch viel weniger und in Bern könnte schon sehr bald ein ähnlicher Stimmungswandel anstehen. Aber eigentlich ist ohnehin alles Lutfi. Unser Rückblick auf das jüngste Fussballwochenende in der Super League.
Vielleicht doch etwas schlimm
Natürlich: Etwas Pech war auch dabei, beim 3:3 zwischen eigentlich überlegenen Bernern und trotzdem kecken Luzernern. Zum Beispiel, weil Gelb-Schwarz den Ball dreimal ans Gehäuse zimmerte oder – nicht zum ersten Mal – diverse Hochkaräter liegen liess. Und weil sich insbesondere Doppeltorschütze Samuel Essende (erzielte seine Saisontore 6 und 7) auch als grösster Chancentod erwies. Vor allem aber gaben die Young Boys beim zweiten 3:3 innert Wochenfrist erneut unnötig zwei Punkte ab, weil sie defensiv abermals nicht zu überzeugen wussten. Nicht beim Doppelschlag des zweimal sträflich freistehenden Andrejs Ciganiks direkt nach der Pause (47. und 49.), und nicht bei der zu ungestümen Abwehraktion Dominik Pechs nach 65 Minuten, welche Matteo Di Giusto mit dem 2:3 vom Punkt bestrafte (65.). Immerhin konnten die Berner im Anschluss den Worst Case verhindern und durch Kaly Sène (88.) noch einmal ausgleichen. Im Fernduell mit Tabellenführer Lugano vergaben die Berner aber abermals eine Chance, Boden gut zu machen. Vor dem Direktduell am kommenden Samstagabend liegen die Young Boys deshalb bereits sechs Verlustpunkte hinter den Tessinern.
Alles Lutfi
29 Partien bestritt Lutfi Dalipi in der vergangenen Spielzeit. 20 mit der U21 von YB in der Promotion League (18 Skorerpunkte) und neun in der Rückrunde bei Challengeligist Wil (drei Skorerpunkte). Und nun? Lässt die 20-jährige YB-Leihgabe in Diensten von Aufsteiger Vaduz Woche für Woche die Super League alt aussehen. Sieben Skorerpunkte in sechs Partien waren es vor dem samstäglichen Duell mit Lausanne, nun sind es drei Tore und sieben Vorlagen nach einem abermals überragenden Auftritt. Dabei erzielte der Linksfuss das 1:0 in der 19. Minute selbst und leistete zu den Toren zwei (53., Milos Cocic) und drei (Juan Cabrera, unter gütiger Mithilfe von Lausanne-Keeper Mastil) jeweils die Vorarbeit. Und die Lausannois? Hatten ausser Levy Nenes SL-Torpremiere zum zwischenzeitlichen 1:1 (23.) wenig zu bestellen und warten nun seit mittlerweile vier Partien auf einen zweiten Vollerfolg. Von der leisen Euphorie, die im Waadtland nach dem 1:0 bei Basel am zweiten Spieltag aufzukommen schien, ist in der Olympiastadt nach dem 1:3 bei Vaduz nicht mehr viel zu spüren.
Same story, different ending
13-mal versuchte der Grasshopper Club Zürich zuletzt den FC Zürich im Derby zu bezwingen. Zehnmal ging dieser Vergleich trotzdem zugunsten des FCZ aus. Und am Samstag? Trug die Partie diverse Merkmale einer erneuten Hopper-Derbypleite. Denn nach 96 Minuten, etlichen vergebenen GC-Chancen (14 Abschlüsse bis zur Pause!) und zwei effizient erzielten Zürich-Toren (54., Kevin Spadanuda; 80., Umeh Emmanuel) stand der Rekordmeister wieder einmal am Derby-Abgrund. Mit 1:2 hinten (Samuel Krasniqi hatte zwischenzeitlich ausgeglichen) und einem verschossenen Elfmeter (65., Giotto Morandi) im Gepäck, blieb der Mannschaft von Peter Zeidler noch eine Aktion, um die nächste Derbypleite zu verhindern. Doch für einmal machte sich diese tatsächlich bezahlt. Samuel Krasniqi flankte, die FCZ-Abwehr pennte und GC-Abwehrhüne Bujar Pllana traf mit der letzten Aktion des Spiels zum ebenso verdienten wie glücklichen 2:2-Ausgleich. Danach war Schluss im Letzigrund und die beiden Kontrahenten verabschiedeten sich immerhin mit einem Punkt in die Nacht, welcher der Konkurrenz aus Genf, Lausanne und Thun an diesem Wochenende verwehrt blieb.
Tabellenletzter
Vor knapp 16 Monaten war der Servette FC noch Vizemeister und Cupsieger. Letztes Frühjahr waren die Grenats immerhin noch jenes Team, welches eine enttäuschende Saison mit einem vielversprechenden Endspurt (acht Spiele, 20 Punkte, 22:7 Tore) abschloss. Und jetzt? Finden sich die Servettiens nach sieben Spieltagen auf dem zwölften und letzten Tabellenplatz in der Super League wieder (vier Punkte). Warum läuft es in der Calvin-Stadt auch diesen Sommer überhaupt nicht nach Wunsch? Vielleicht, weil es sich die Genfer etwas zu einfach machen, wenn sie produktive Stürmer wie Junior Kadile und Florian Ayé mal eben so durch eine nächste Welle an Angreifern (Labourde, Mutwanda, Fofana) ersetzen. Weil sie bewährte Führungsspieler wie Joël Mall aussortieren oder erfolgreich arbeitende Trainer vorschnell durch dekorierte Coaches wie Jocelyn Gourvennec ersetzen, die in der Super League aber irgendwie nie richtig ankommen. Und so genügten dem zuletzt viermal in Serie unterlegenen FC St. Gallen zwei Einzelaktionen von Aliou Baldé (6.) und Nevio Scherrer (50.), um die Genfer im sechsten Saisonauftritt zum vierten Mal auf die Verliererstrasse zu schicken. Weil sie abermals zu wenig Resilienz zeigten und sich darüber hinaus auch noch den einen oder anderen defensiven Bock leisteten. Ob das in den kommenden Wochen noch besser wird? Wenn, dann voraussichtlich ohne Captain Timothé Cognat, der sich kurz vor der Pause womöglich schwer verletzte. Gleiches blüht auf der Gegenseite übrigens Lukas Görtler. Auch der Führungsspieler der Ostschweizer schied nach 63 Minuten mit einer Schulterverletzung vorzeitig aus.
No Boteli, no problem
Natürlich stand er auf dem Platz, und zwar volle 67 Minuten lang. Doch für einmal war es nicht der 20-jährige Shooting-Star (wettbewerbsübergreifend 10 Saisontore), der für die Walliser die Kohlen aus dem Feuer holte. Denn die defensiv gut eingestellte Thuner Hintermannschaft hatte Winsley Boteli gut im Griff. Das Problem: Der defensive Fokus auf Boteli war das Einzige, was dem Meister wirklich von der Hand ging an einem Nachmittag, in dem es der Spielverlauf eigentlich gut mit den Berner Oberländern meinte. So ging Thun überraschend mit der ersten Chance durch Jan Bamert in Führung (10.), profitierte in der Folge von einer frühen gelb-roten Karte gegen Fodé Sylla (41.) und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da. Auch weil sich die Walliser trotz der erwähnten Nackenschläge nie entmutigen liessen, durch Noé Sow ausglichen (21.) und schliesslich in Unterzahl durch den omnipräsenten Donat Rrudhani die Partie drehten (53.). Doch auch das hätte nach Fabio Fehrs eher überraschendem 2:2 (71.) noch nicht zum Sieg gereicht, wenn nicht Josias Lukembila tief in der Nachspielzeit (90. +4) noch einen draufgesetzt und den zweiten Walliser Treffer in Unterzahl erzielt hätte. Verdientermassen für die Sittener, die als Lohn für ihre Willensstärke neu «verlustpunktgleich» mit YB von Tabellenrang 2 grüssen.
Gone in 60 Seconds
Elf Verlustpunkte nach sieben Runden: Zu behaupten, der FC Basel habe im Meisterschaftsrennen mit dem FC Lugano noch ein ernsthaftes Wort mitzureden, hat mit Realismus nicht mehr viel gemeinsam. Und das nach weniger als einem Fünftel der Saison 2026/2027. Der Schlüsselmoment im sonntäglichen Direktduell? Die Sekunden zwischen der 59. und 61. Minute, als die Bianconeri den überraschend stark aus der Pause gekommenen Bebbi innert zwei Minuten den Zahn zogen. Erst durch Yanis Cimignani (59.), der herrlich via Volley zum 1:1 traf (Metinho hatte den FCB in der 47. Minute in Führung gebracht). Dann durch den ehemaligen Basler Junior Uran Bislimi, der keine zwei Zeigerumdrehungen später von einem Fehlpass von FCB-Keeper Mirko Salvi profitierte und zum 1:2 einschob. Den endgültigen Schlusspunkt setzten schliesslich zwei Tessiner (Emil Philström und Ahmed Kendouci), welche im Moment des entscheidenden 1:3 noch keine 60 Sekunden auf dem Platz gestanden hatten (81.). Der Rest? War nicht mehr wirklich von Bedeutung, da das Team von Trainer Stephan Lichtsteiner zu keiner Reaktion mehr fähig war. Diese kommt nun möglicherweise in den kommenden Tagen und könnte für den angeschlagenen Hauptübungsleiter nichts Gutes verheissen.