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Crashtest für Lustrinelli

Andy

Drei Spiele, ein Punkt, 4:10 Tore und nur Rang 16 in der Tabelle: Mauro Lustrinelli ist der Start mit Union Berlin ins «Abenteuer Bundesliga» nicht wunschgemäss geglückt. Und ausgerechnet jetzt steht das Auswärtsspiel bei Rekordmeister Bayern München an.

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Mauro Lustrinelli trifft heute Abend mit Union Berlin auf den FC Bayern München. © IMAGO / Matthias Koch

Die Vorzeichen sind eindeutig. Die Bayern sind ein europäisches Spitzenteam, das Jahr für Jahr von der Krönung in der Champions League träumt. Der Gewinn des Meistertitels ist da eigentlich nur Pflicht. Und so ist Union Berlin in diesem Match heute, am Abend vor der Eröffnung des Oktoberfestes, der klare Underdog. Es ist eine Rolle, die Mauro Lustrinelli gerne annimmt, wie er nun verriet: «Für mich ist es eine geile Challenge, gegen eine Mannschaft zu spielen, die die Ambition hat, die Champions League zu gewinnen. Ich will eine Union-Mannschaft sehen, die alles unternimmt, um das Tor zu verteidigen. Und ich will sehen, dass wir unseren Plan gemeinsam konsequent und effizient durchziehen. Das ist für mich das grösste Ziel für diesen Freitagabend.»

Eine gewaltige Herausforderung wird es für Lustrinelli und sein Team definitiv, eine Art Crashtest. Die Bayern haben in der Meisterschaft noch nicht wirklich überzeugt. Der Start gegen Stuttgart fiel mit dem 5:1-Sieg erfreulich aus, danach folgten aber eine Nullnummer gegen Schalke und ein 2:1-Kampfsieg gegen Elversberg. Die gefürchtete Offensivmaschine läuft noch nicht geschmiert, was eine Chance für die Berliner sein könnte. Allerdings ist Superstar Harry Kane ganz besonders heiss, da auf ihn ein Jubiläum wartet. Gegen Elversberg erzielte der Engländer in seinem 97. Bundesligaspiel den 99. Treffer – nun kann er als achter Ausländer in der Liga-Geschichte die Marke von 100 Treffern erreichen. Direkt vor ihm liegen in diesem Ranking übrigens Stéphane Chapuisat und Ailton mit je 106 Treffern.

Warten auf den ersten Sieg

Auf dem Papier trennen die Münchner und die Eisernen Welten. Erschwerend kommt hinzu, dass Union noch überhaupt nicht auf Touren gekommen ist. Die Bilanz ist nicht vielversprechend. In insgesamt 15 Aufeinandertreffen konnte Union nie gegen die Bayern gewinnen. In bisher acht Auswärtsspielen in München gab es sieben Niederlagen und ein Unentschieden – bei einem Torverhältnis von 2:18. In den letzten fünf Spielen bei Bayern erzielte Union zudem kein Tor, und so sagte Lustrinelli nun vor dem Spiel in der Allianz-Arena: «Die Bayern sind eines der besten Teams der Welt, das uns alles abverlangen wird. Wir werden 80 Prozent des Spiels ohne Ball spielen, das heisst, wir müssen viel laufen und leiden.»

Der Thuner Meistertrainer ist nach Berlin geholt worden, um mit seinem Team attraktiveren Fussball zu spielen. Der angestrebte System- und Philosophiewandel ist bislang allerdings noch kaum erkennbar. Beim wilden 3:3 gegen Frankfurt erzielte Union zwar drei Treffer. Aber in den ersten drei Spielen war die Defensive alles andere als sattelfest. Lustrinelli verglich die aktuelle Situation mit einem Kind, das Velofahren lernt: «Wir brauchen eine gewisse Resilienz. Man landet vielleicht auf dem Boden, tut sich weh und blutet. Das kann beim nächsten Mal wieder passieren. Wichtig ist aber, dass man die Hoffnung nicht verliert.» Trotz des Fehlstarts sehe er Fortschritte: «Wir schaffen es zwar noch nicht über 90 Minuten, aber ich glaube, in der zweiten Halbzeit gegen Schalke hat man gesehen, dass wir in Zukunft mit Sicherheit viel Freude haben werden, wenn wir Leichtigkeit und dynamische Energie auf den Platz bringen.» Dass ausgerechnet in München der grosse Schritt vorwärts gelingt, ist zwar wünschenswert, aber nicht zu erwarten. Das weiss auch Mauro Lustrinelli: «Viele Mannschaften sind mit verschiedenen Strategien nach München gefahren. Und am Schluss hat Bayern gezeigt: Egal, welche Strategie ihnen entgegenkommt, wenn sie im Fluss sind, wird es für jeden schwierig.»

Zu viele Gegentore

Entscheidend wird die Defensive sein. «Wir bekommen schon seit der Vorbereitung zu viele Gegentore, und es ist klar, dass es so schwierig ist, Spiele zu gewinnen. Teamspirit, Mentalität und defensive Stabilität sind das Gerüst, an dem wir aktuell intensiv arbeiten – und es gibt auch diverse Dinge, die wir schon sehr gut machen», erklärte der Tessiner nun gegenüber dem «Blick». Bei der Verarbeitung der Niederlagen halte er sich an ein Zitat von Nelson Mandela: «Entweder gewinnt man oder man lernt etwas. Wenn man verliert, geht es nur darum, wie schnell und wie gut man wieder aufsteht. Das beginnt bei mir. Ich muss Ideen und positive Energie einbringen, die den Spielern helfen.»

Sie hätten gemeinsam einen Weg eingeschlagen, den sie mit Union gehen möchten. Er glaube an diesen Weg und die Idee, doch es brauche Erfolgsmomente. Ohne Siege leide die Glaubwürdigkeit. «Die Spieler zu etwas zwingen, ist nicht nachhaltig. Sie müssen den Fussball, den wir spielen wollen, ebenfalls verinnerlichen und daran glauben, dass es funktioniert. Das ist ein Prozess. Ich bin überzeugt, dass der Ketchup-Effekt kommen wird», sagte Lustrinelli, der heute in München auf Michel Aebischer und wohl erstmals auch auf Kastriot Imeri zählen kann.

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