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Mit Hoffnung in die Crunch Time

Andy

Noch acht Rennwochenenden bis zum Saisonende und alles deutet auf Kimi Antonelli als Weltmeister hin. Oder bringt ihn sein Mercedes-Teamkollege George Russell in der Crunch Time doch noch in Bedrängnis?

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George Russell hat sich mit seinem Sieg in Aserbeidschan im WM-Kampf zurückgemeldet. © KEYSTONE/AP Photo/Pavel Bednyakov

Langsam aber sicher geht es im Kampf um den WM-Titel und die Nachfolge von Lando Norris ans Eingemachte. Topfavorit auf die Krönung ist Kimi Antonelli. Acht GP-Siege hat der 20-Jährige in dieser Saison bereits eingefahren, dazu kommt ein Sprint-Triumph. Damit liegt er in der WM klar in Front und auf der Pole-Position für den Titel: Antonelli steht nach 15 von 23 Rennen bei 302 Punkten, sein Mercedes-Teamkollege George Russell bei 236. 66 Punkte Vorsprung – da braucht es doch eine gehörige Portion Fantasie, um sich einen anderen Weltmeister als Antonelli vorzustellen. Zumal die restlichen Piloten 103 Punkte (Lewis Hamilton) und mehr zurückliegen.

Am Wochenende gastiert der GP-Zirkus nun in Sepang (Malaysia), wo der im April aufgrund des Krieges im Nahen Osten abgesagte GP von Bahrain ausgetragen wird. Für Russell geht es darum, nach seinem Sieg in Aserbaidschan nachzulegen und den Druck auf Antonelli zu erhöhen. Nach seinem dritten Saisonsieg sagte der Brite: «Der Druck auf mich ist viel geringer als auf ihn. Er hat eine unglaublich fehlerfreie Saison hingelegt. Doch in Baku kam wahrscheinlich sein erster Fehler in der gesamten Saison, als es um etwas ging.»

Schadensbegrenzung und Morgenröte

Antonelli crashte in der Qualifikation und musste das Rennen von Startplatz 16 aus in Angriff nehmen. Da zeigte er eine bemerkenswerte Aufholjagd und landete am Ende auf Rang 5, war aber dennoch nicht zufrieden. «Es war das schlimmste Wochenende bisher in dieser Saison. Ich hatte nicht das Selbstbewusstsein, heute alles zu geben und bin daher die ganze Zeit nur etwa auf 80 Prozent gefahren», sagte er nach dem Rennen. Und: «Heute war also Schadensbegrenzung. Vor allem mit der Pace, die ich hatte. Ich bin nicht glücklich, wie ich heute gefahren bin, aber ich konnte von den Problemen und Fehlern anderer profitieren und nach vorne kommen.» Er sei nicht er selbst gewesen, werde in Malaysia aber alles geben, um die «ursprüngliche Ordnung herzustellen und auf meinem normalen Level zu sein», so Antonelli.

Aber auch für seinen Rivalen George Russell zeigt sich wieder etwas Morgenröte, nachdem er in dieser Saison zuvor von seinem Teamkollegen dominiert worden war. Er habe sehr hart daran gearbeitet, besser mit seinem Rennwagen zu harmonieren, «und diese Arbeit beginnt nun Früchte zu tragen». Vom WM-Titel spricht er aber nicht konkret, sondern sagt: «Derzeit habe ich diesen grossen Rückstand. Aber das kann sich schnell ändern. Deshalb jage ich dem nicht hinterher. Ich versuche einfach, jedes Rennen zu gewinnen, und was sich dann daraus entwickelt, werden wir sehen.»

Noch acht Rennwochenenden stehen an – und da müsste Russell seinen Teamkollegen wohl immer hinter sich lassen. Entsprechend geht der Brite verbal noch nicht voll aufs Gas: «Ich habe mich schon seit einigen Rennen nicht mehr wirklich als Teil dieses Titelkampfs gesehen. Meine Leistung war einfach nicht stark genug.» Doch auch bei Russell stirbt die Hoffnung natürlich zuletzt. Solange der Titelgewinn theoretisch noch möglich ist, wird er darauf lauern, seine Chancen zu nutzen.

Was macht Mercedes?

Zudem sorgt Russells Aufholjagd bei Mercedes in Sachen Taktik und Stallorder für Denksport. Er glaube nicht, dass Russells Sieg in Baku viel verändere, erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nun. Die Mercedes-Philosophie, dass das Team an erster Stelle stehe, bleibe bestehen. «Da George viele Punkte geholt hat, hat er den Rückstand auf Kimi natürlich verkürzt. Das bedeutet, dass wir die Entscheidungen auf der Strecke und das Management der Autos genau evaluieren müssen. Denn wir müssen sicherstellen, dass beide dieselben Chancen haben – auch was strategische Entscheidungen angeht.» Auch wenn man es nie komplett richtig oder perfekt machen könne, gebe es diese zusätzliche Überlegung: «Je näher wir dem Saisonende kommen und je grösser der Vorsprung auf unsere direkten Konkurrenten aus den anderen Teams wird, desto wichtiger wird es zu prüfen, ob wir unsere Denkweise während des Rennens anpassen müssen», so Wolff.

So weit, so gut: Doch wenn nun in Malaysia Antonelli auf die Siegesstrasse zurückkehren und Russell schwächeln sollte, ist die zurückgekehrte Spannung schnell wieder vorbei. Denn klar ist: Russell ist unter Druck, muss liefern und darf sich keine Fehler erlauben. Oder bekommt am Ende vielleicht doch Kimi Antonelli das Nervenflattern?

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