Ohne Skrupel oder Kompass: Wie die FIFA den Fussball seiner Seele beraubt
Es gibt Entscheidungen im modernen Sport, die fassungslos machen. Und es gibt Entscheidungen, die jeglicher Beschreibung spotten, weil sie das Fundament dessen, was eine Sportart oder einen Wettbewerb ausmachen, derart offensichtlich mit Füssen treten. Im Falle der jüngsten FIFA-Posse um die nur noch auf Bewährung ausgesprochene rote Karte gegen den US-Stürmer Folarin Balogun sind sogar beide Umschreibungen noch zu harmlos.
American Nightmare
Denn der aktuelle Vorgang rund um das WM-Achtelfinale zwischen den USA und Belgien ist so dreist und respektlos gegenüber der Geschichte eines Sports, seiner Stars sowie den Abermillionen von Fans und Aktiven, dass er schon fast die eigene Vorstellungskraft sprengt. Passiert das, was an der WM derzeit abgeht, eigentlich gerade wirklich?
Wie kann man als Sportorganisation von „Weltformat“ Namens FIFA, die sich immer wieder gerne mit warmen Worten wie „For the Good of the Game“ brüstet, auch nur mit einer Promille an Ernsthaftigkeit in Betracht ziehen, die Integrität des eigenen Spiels so zu verleugnen? Auf dieses gemischte Doppel mit einer gastgebenden USA, die eine nicht minder erbärmliche Figur abgibt, hätte die Welt gerne verzichtet.
Schlussendlich ist es aber einfach an der Zeit, den hässlichen Tatsachen in Sachen FIFA und USA ins Auge zu blicken. Beide sind den Sphären, in denen es wirklich noch darum ging, Gutes zu tun, längst entflohen. Heutzutage hat sich FIFA-Präsident Gianni Infantino selbstverständlich um Wichtigeres zu kümmern, als mit seiner Organisation Werte durchzusetzen, die in Fussballvereinen noch immer täglich an Millionen von Junior:innen weitergegeben werden: Einsatz, Teamwork, Fairplay und der Respekt vor den Entscheidungen auf dem Platz als finale Instanz. Schliesslich geht es gerade darum, den mächtigsten Mann der Welt bei Laune zu halten. „For the Game. For the World“ quasi.
Kanns der Fussball-Gott richten?
Und somit ist die Welt heute um eine weitere Illusion ärmer. Nämlich die, dass zumindest im Sport noch gilt, was vor den Augen der Weltöffentlichkeit geschieht oder entschieden wird. Ob eventuell der Arm des Fussball-Gotts dem Gebaren in den Hinterzimmern Nordamerikas noch einmal Einhalt gebieten kann? Es bleibt in diesen Tagen eigentlich nur die Hoffnung, dieses unrühmliche Kapitel WM-Geschichte möge durch eine Art „göttliche Fügung“ oder die belgische Nationalmannschaft möglichst grausam beendet werden, ehe in der Nachspielzeit auch noch Fans und Sponsoren in Gefahr laufen, die komplett falsche Antwort auf eine eigentlich simple Frage zu geben. Dabei wäre genau das der Hebel, den die FIFA und ihr Präsident wohl am ehesten verstehen würde.