Vom Verbannten zum Hoffnungsträger
Der Countdown läuft, die Fussball-WM rückt immer näher, Ende Mai muss Murat Yakin der Fifa sein 26-Mann-Kader bekanntgeben. In diesem dürfte ziemlich sicher auch Noah Okafor stehen, der nach seiner zwischenzeitlichen Verbannung aus der Nati richtig durchstartet.
Dass Noah Okafor über immenses Talent verfügt, ist seit Jahren klar. 2017 debütierte er für den FC Basel in der Super League, ein paar Tage vor seinem 18. Geburtstag. Später wechselte er für elf Millionen Euro zu RB Salzburg und zog danach weiter zu Milan – die Ablösesumme lag bei kolportierten 15,5 Millionen. Danach geriet seine Karriere ins Stocken, auch als er zwischenzeitlich für Napoli stürmte.
Statt durch sportliche Leistungen zu glänzen, dominierten plötzlich negative Schlagzeilen, auch wegen seines Auftretens, das teilweise als Protz bezeichnet wurde. Dazu kam die EM 2024, während der er bei Nati-Coach Murat Yakin aufgrund seiner Einstellung, seiner Trainingsleistungen und seiner Unlust in Ungnade fiel. Und schliesslich verdribbelte er sich auch verbal, als er mit seinem Frust an die Öffentlichkeit ging und gegenüber englischen Medien wegen der Nati und den Verantwortlichen tobte: «Sie rufen mich nicht einmal an oder fragen mich. Für mich ergibt das keinen Sinn.»
Rückkehr nach 16 Monaten
Die Folge war für ihn schmerzhaft und lehrreich. Er spielte bei Yakin keine Rolle mehr, erhielt keine Aufgebote. Es sah danach aus, dass er die WM 2026 aus der Ferne verfolgen muss. Bis schliesslich ein klärendes Gespräch mit den Nati-Verantwortlichen stattfand und sich der Stürmer, der mittlerweile bei Leeds United unter Vertrag steht, ganz offensichtlich einsichtig zeigte. Nach 16-monatiger Verbannung kehrte Okafor im März für die Länderspiele gegen Deutschland und Norwegen zurück und zeigte sich offenbar verwandelt. Er überzeugte mit verbesserter Einstellung, Engagement und einer Entschuldigung für sein früheres Verhalten, und so sagte Nationalcoach Murat Yakin: «Er hat eine sehr positive Entwicklung genommen.»
Danach wurde berichtet, dass Okafor während des Zusammenzugs super trainiert und viel Positivität versprüht habe. Er sei zu allen Mannschaftsterminen überpünktlich erschienen und habe während des freien Tages in Basel in Eigenregie Extraschichten im Mannschaftshotel absolviert. Es war offenbar die Wende zum Guten – und dies zum für beide Seiten richtigen Zeitpunkt.
Die Gala gegen ManU
In seinem ersten Jahr bei Leeds United hat der 25-Jährige richtig Schwung aufgenommen und liess sich auch durch zwischenzeitliche Blessuren nicht stoppen. Aktuell steht er bei 25 Einsätzen in der Premier League, wobei er 16 Mal in der Startelf stand. Mit sechs Treffern ist er der zweitbeste Torschütze seines Teams, zudem stimmt die Formkurve. Am vergangenen Montag erzielte er beim 2:1-Sieg von Leeds auswärts gegen Manchester United beide Tore und war der X-Faktor für die drei Punkte, die im Abstiegskampf so wichtig sind. Er wurde zum Man of the Match gewählt und in den Medien nach der persönlichen Gala als Held des Tages gefeiert. Da hiess es dann: «Zwei Chancen, zwei Tore. Sein Abschluss war absolut tödlich, er nutzte seine Möglichkeiten mit der Ruhe eines erfahrenen Spielers. Sein Doppelpack in der ersten Halbzeit entschied das Spiel. Eine klassische Top-Leistung, die den Fans lange in Erinnerung bleiben wird.» Okafor selber gab sich derweil bodenständig und erklärte, dass der Fokus auf dem Team und dem Ligaerhalt liege: «Wir haben noch sechs Spiele. Wir müssen bis zum Schluss kämpfen. Die Stimmung im Team ist unglaublich! Ich denke, wir müssen einfach so weitermachen.»
Es sind Worte und Leistungen, die auch die Schweizer Fussballfans und Nationaltrainer Yakin freuen, zumal in der Schweizer Offensive nicht alles rund läuft. Breel Embolo ist bei Rennes nicht absoluter Stammspieler, aber er überzeugt immer wieder als Torschütze, gerade in der Nati. Dan Ndoye ist bei Nottingham seit längerer Zeit nur noch Teilzeitarbeiter und wartet in der Premier League seit dem ersten Spiel am 17. August, als er gegen Brentford traf, auf sein zweites Saisontor. Und Zeki Amdouni hat nach seinem Kreuzbandriss sein Comeback noch immer nicht gegeben und muss danach schnell in Schwung kommen, um für die WM ein Thema zu sein. Aktuell scheint es, als renne ihm da die Zeit davon.
Damit ist auch klar: Der wiedererstarkte und geläuterte Noah Okafor hat sich nach seiner Verbannung aus der Nati zu einem offensiven Hoffnungsträger entwickelt, zumal er kürzlich auf dem YouTube-Channel «Die drei Okafors», den er mit seinen Brüdern Isaiah und Elijah betreibt, gesagt hat: «Mein Ziel ist es, mein Land im Sommer zu vertreten und dem Team zu helfen. Es ist für jeden Spieler das Schönste, an einer WM teilzunehmen und für das eigene Land zu spielen.» Aktuell sieht es definitiv danach aus, dass Noah Okafor mit der Nati an die WM reisen darf.