Am Ende schliesst sich der Kreis auf skurrile Art und Weise. Der Trainer, der für einen der zwei grössten Erfolge der Vereinsgeschichte gesorgt hat, hat in Wolfsburg letztlich auch die Abwicklung des Bundesliga-Betriebes vorgenommen. Aus und vorbei - trotz HecKING-Aura.
Nach 29 Jahren Dauer-Aufenthalt gehören die ewig Ungeliebten seit gestern 23.06 Uhr offiziell nicht mehr zum Establishment der deutschen Fussball-Elite. Statt sich in der 30. Saison im Oberhaus grundsätzlich neu zu definieren und wieder Grund ins marode System am Mittellandkanal zu bringen, muss die Volkswagen-Tochter den Wiederaufbau im Unterhaus vollziehen.
Der Abstieg der Wölfe ist die logische Konsequenz eines jahrelangen Niedergangs. Ein Gemisch aus Fehlentscheidungen, atmosphärischem Standort-Nachteil und Selbstüberschätzung hat dazu geführt, dass der Kader seit Jahren immer schlechter wird und die vielen verschiedenen Trainer zunehmend desillusioniert und manchmal verzweifelt wirkten.
Trainer-Trio scheitert am VfL-Kader
In der aktuellen Saison sind der hochveranlagte Holländer Paul Simonis, die Identifikationsfigur Daniel Bauer sowie Veteran und Pokalsieger Dieter Hecking daran gescheitert, einen schlecht ausbalancierten Kader zur Eigenverantwortung zu erziehen und die Ansammlung von Einzelkönnern zu einem Ensemble zu komponieren, dass zumindest in der Lage ist, den Fussball-GAU abzuwenden.
Simonis wirkte erleichtert, als er gehen musste, Bauer bewertete die Atmosphäre und die Kultur innerhalb des Klubs kurz vor seinem Rausschmiss als "nicht bundesligatauglich". Hecking ist es zumindest gelungen, Stabilität und Seriosität ins System zu implantieren. Der Sieg am Millerntor am letzten Spieltag der regulären Saison, der dem VfL die Relegation gesichert hatte, war in seiner Entstehung so souverän, dass viele Beobachter positive Prognosen für die Playoffs gegen Paderborn wagten. Zu Unrecht - das ist seit gestern klar!
Niederlage symptomatisch für die Saison
Die Art und Weise, wie die entscheidende Niederlage in Paderborn zustande kam, war auf gewisse Weise symptomatisch. Eine völlig überkandidelte Doppel-Gelb-Eselei des eigentlich bieder-soliden Dänen Joakim Maehle hat den in Führung liegenden Favoriten in eine 110-minütige Abwehrschlacht genötigt, die am Ende für müde Beine und ein poröses Gefüge gesorgt hat.
Die Mannschaft taumelnd in der Ring-Ecke - gestern in Paderborn. Der Verein hängt im gnadenlosen Verdrängungs-Wettbewerb auf höchster nationaler Ebene derweil bereits seit Jahren in den Seilen. Etat und Erwartungen auf internationalem Niveau, die sportliche Wahrheit krabbelt aber schon länger äusserst knapp über dem Existenz-Minimum herum.
VfL-Ära beendet
Der VfL Wolfsburg war nach dem FC Bayern, Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen der Verein, der aktuell am längsten ohne lästige Unterbrechungen in der Bundesliga dabei war. Die Ära ist beendet. Das Engagement von Dieter Hecking höchstwahrscheinlich auch. Auf die Unterstützung von Volkswagen wird der Klub hingegen weiter bauen dürfen - wenn auch in angepasster Form.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzen den VfL automatisch auf die Pole Position der Aufstiegsfavoriten. Gelingt es den künftigen Verantwortlichen, den finanziellen Vorteil mit klugen sport-strategischen Entscheidungen zu synchronisieren, stehen die Chancen auf ein schnelles Bundesliga-Comeback natürlich ausgezeichnet. Auf dem chaotischen Führungs-Niveau der abgelaufenen Saison dürften die Wolfsburger im Kampf um die ersten drei Tabellenplätze der 2. Liga hingegen vollkommen chancenlos sein.