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Andrin Hunziker: Sticht St. Gallens Trumpf auch gegen Benfica?

Andy

Nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel gegen Benfica Lissabon darf der FC St. Gallen in der Europa League-Qualifikation von der Sensation träumen. Ausschlaggebend könnte Mittelstürmer Andrin Hunziker sein, der zu seinem dritten Einsatz für die Espen kommt.

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Andrin Hunziker geht nun in St. Gallen auf Torjagd. © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Es ist nicht vermessen, von einem traumhaften Einstand zu reden. Am letzten Donnerstag kam Andrin Hunziker bei den St. Gallern zu seinem Debüt. Im Hinspiel gegen Benfica wurde der 23-Jährige nach 72 Minuten beim Stand von 1:1 für Christian Witzig eingewechselt. Acht Minuten später erzielte Tom Daal für den FCSG den Siegtreffer, der nun für grosse Träume sorgt. Und drei Tage später erzielte Hunziker im Meisterschaftsspiel gegen den FC Zürich den 2:1-Siegtreffer. In der 60. Minute war er eingewechselt worden, nicht einmal eine Viertelstunde später sorgte er für die Entscheidung.

Schauen wir aber zurück aufs europäische Parkett. Klar, die Schweizer sind und bleiben gegen die Portugiesen die Underdogs. Aber ausgeschlossen ist ein Weiterkommen nicht. Auch wenn der Marktwert Benficas mit 410,55 Millionen Euro fast 13 Mal höher ist als jener der Ostschweizer (31,85 Millionen). Fussball ist und bleibt unberechenbar. Geld alleine garantiert noch keinen Erfolg. Und nach dem Sieg im Hinspiel reicht dem Team von Enrico Maassen ein Unentschieden, um gegen den portugiesischen Rekordmeister die Sensation zu bewerkstelligen.

Ein wichtiger Faktor, vielleicht gar der Trumpf, könnte da Andrin Hunziker sein. Erst vor zwölf Tagen wurde sein Wechsel nach St. Gallen offiziell. Das Basler Eigengewächs hat bei den Espen einen Vertrag bis 2030 unterschrieben, nachdem er in der vergangenen Saison an Winterthur ausgeliehen gewesen war und in 36 Meisterschaftsspielen elf Tore erzielt hatte. Dass Hunziker nun für St. Gallen und nicht für Stammklub Basel stürmt, wird – natürlich – nicht überall verstanden.

Verbales Duell mit dem FCB

Nach seinem Treffer gegen den FC Zürich war dieser Wechsel ein grosses Thema, zumal FCB-Präsident David Degen im klubeigenen Podcast gesagt hatte, der FC Basel hätte ihn gerne behalten, ihm den Platz als Stürmer Nummer 1 aber nicht garantieren können. Hunziker reagierte und konterte cool und knapp und sagte bei «Blue»: «Das wüsste ich wohl, wenn sie mich gerne zurückgeholt hätten.» Er bezeichnete die Angelegenheit als «Ansichtssache» und sagte, dass sich die Führung nicht ernsthaft um einen Verbleib bemüht hätte. «Die Überzeugung hat in allen Belangen gefehlt. Ich hatte noch ein Jahr Vertrag, aber da ist nichts gekommen.»

Hunziker ist der Abschied aus Basel nicht leichtgefallen. «Doch St. Gallen kam mit einer Überzeugung. Der Klub ist so gut aufgebaut und das Team hält zusammen, sodass ich nicht lange überlegen musste.» Er habe sich sofort wertgeschätzt gefühlt, sagt der Stürmer, für den die Ostschweizer gerüchtehalber gut eine Million Franken nach Basel überwiesen haben sollen.

Physis und Dynamik

Das verbale Duell ist damit zumindest vorläufig beendet. Nun geht es einzig und allein darum, mit dem FCSG auf dem Platz Schlagzeilen zu produzieren. Und dabei hat der Basler die Aufgabe, den nach Hoffenheim weitergezogenen Alessandro Vogt zu ersetzen und Tore zu erzielen. St. Gallens Sportchef Roger Stilz wollte zuletzt gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» nicht von einem Eins-zu-eins-Ersatz für Vogt reden. «Aber im Profil sind wir klar geblieben. Hunziker ist ein physischer Stürmer, dynamisch und mit Qualitäten in der Box, ähnlich wie Alessandro.» Der neue Angreifer habe schon einiges erlebt und sei reflektiert. «Wir sind überzeugt, dass er charakterlich in unsere Mannschaft passt. Andrin ist einer, der anschieben will.»

FCB-Legende Marco Streller hatte schon vor ein paar Monaten vom Stürmer geschwärmt, der damals noch in Winterthur spielte und ihm auch den Sprung zum FCB zugetraut. «Andrin hat physisch zugelegt, schiesst Tore, hält die Bälle gut, hat sich als Super League-Stürmer etabliert. Ich traue ihm den Schritt zurück zum FCB zu. Er hat ein saugrosses Potenzial», erklärte der langjährige Nati-Stürmer gegenüber dem «Blick».

Das Potenzial ist zweifellos vorhanden. Hunziker weiss, wo das gegnerische Tor steht. Und wenn er am Donnerstag gegen Benfica trifft und in seinem dritten Spiel auf der europäischen Bühne nach den 18 Minuten im Hinspiel gegen Benfica und den zwölf Minuten für den FCB vor drei Jahren in der Conference League-Qualifikation gegen Tobol Kostanay, für die Entscheidung sorgen sollte, würde man sich beim FCB, der das europäische Business verpasst hat, wohl fragen, ob man in der «Causa Hunziker» alles richtig gemacht hat.

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