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Seoane und Lichtsteiner unter Druck

Andy

Sie ist in den Medien der Evergreen vor jeder Fussballsaison: Die Flugparade, in der spekuliert und prognostiziert wird, welcher Coach als erster wieder auf Jobsuche gehen muss. In diesem Jahr liegt in der Super League Peter Zeidler weit vorne, aber auch Stephan Lichtsteiner und Gerardo Seoane werden heiss gehandelt, wenn es um den Schleudersitz geht.

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Gerardo Seoane (links) und Stephan Lichtsteiner müssen bei den Young Boys respektive beim FC Basel ab dem ersten Spiel der Saison liefern. © KEYSTONE/Christian Beutler

In der letzten Saison gab es in der Super League neun Trainerentlassungen. Angefangen bei Thomas Häberli, der bei Servette schon am 4. August seinen Platz räumen musste. Nach zwei Meisterschaftsspielen und zwei Auftritten auf europäischem Parkett notabene. Und aufgehört bei Gernot Messner, der beim ebenso plan- wie erfolglosen Rekordmeister GC während der Saison für sieben Spiele U21-Trainer wurde, dann nach der Entlassung von Gerald Scheiblehner für sechs Spiele Interimstrainer und schliesslich wiederum von Peter Zeidler abgelöst wurde.

Hire and Fire gehört im Profifussball dazu. Erwartungsdruck und ausbleibende Resultate werden auch in der Saison 2026/27 dazu führen, dass zahlreiche Klubs auf frischen Wind an der Seitenlinie setzen. Kandidaten für eine Entlassung gibt es einige. Da ist Peter Zeidler, der in der Endphase der vergangenen Saison bei GC als Nothelfer installiert wurde und die Hoppers in der Barrage zum Ligaerhalt führte. Verpflichtet wurde er damals von Alain Sutter. Doch der Sportchef ist ebenso weg wie die damaligen Klubbesitzer.

Das Mindset drehen

Es ist eine delikate Ausgangslage, zumal das Kader der Zürcher ganz sicher nicht höchsten Ansprüchen genügt und tendenziell schwächer ist als jenes der letzten Saison, dem der Klassenerhalt erst in extremis gelang. Der Trainer muss sich mit einem jungen Team begnügen, in dem Captain Amir Abrashi zwar erfahren ist, aber auch nicht schneller und weniger verletzungsanfällig wird. Die Zürcher starten auswärts gegen Zeidlers Ex-Klub Lausanne in die Meisterschaft – und müssen schauen, dass sie so schnell wie möglich Punkte einfahren, damit nicht schon früh Unruhe und Nervosität einkehrt und die neuen Besitzer ihren eigenen Trainer nach Niederhasli holen. Und so sagt Zeidler vor der Saison defensiv, dass man auch als Rekordmeister und grosser Klub «das Mindset drehen» müsse. Erfolg sei nicht die Normalität, sondern: «Dass man bescheiden rangeht und über positive Momente die Saison macht.»

Beim Rekordmeister muss der Ligaerhalt oberste Priorität haben. An ganz anderen Resultaten werden die Young Boys und der FC Basel gemessen. Die Berner lösten 2018 den FC Basel als Serienmeister ab und gewannen ihrerseits innert sieben Jahren sechsmal den Titel. 2025 war die Reihe dann wieder am FCB, der zwischenzeitlich tief gefallen war. Die Saison 2025/26 absolvierten die beiden einstigen Titanen schliesslich im sportlichen Kriechgang, belegten die Plätze 5 (FCB) und 6 (YB), während sensationell der kleine FC Thun den grossen Coup landete und Meister wurde.

Schlechter Start von Lichtsteiner...

Nun muss eine Reaktion her. Und gefordert sind in erster Linie die beiden Trainer. In Basel ist Stephan Lichtsteiner in der Verantwortung. Er hat im Januar Ludovic Magnin abgelöst, seither aber in 19 Partien im Schnitt nur gerade 1,05 Punkte pro Spiel gewonnen. Es ist der schlechteste Punkteschnitt aller FCB-Trainer seit dem Wiederaufstieg 1994. Im FCB gilt der ehemalige Nati-Captain zwar als grosses Trainertalent, doch das Verpassen sämtlicher Ziele im Frühjahr und die vielen kommunikativen Mängel führten dazu, dass Lichtsteiner von den meisten Basler Fans sehr kritisch gesehen wird.

Acht externe Neuzugänge hat der FCB in diesem Transferfenster bis anhin präsentiert – und Lichtsteiner ist mit dem Kader zufrieden: «Diese Mannschaft ist bereit, die Ziele zu erreichen, die wir uns stecken.» Der FCB will und muss wieder auf die europäischen Plätze vorstossen. «Unser Saisonziel ist das Erreichen der europäischen Plätze, von da an kann man dann auch träumen», so Lichtsteiner. Ein guter Start in die Saison sei dafür von grosser Wichtigkeit. Das gilt für das Team, aber auch ganz speziell für den Trainer. Denn wenn der Start nicht gelingt, könnte er schon sehr schnell wieder auf Jobsuche sein.

…und auch Seoane bewirkte noch nichts

Gefordert ist auch Gerardo Seoane. Der Luzerner arbeitete schon zwischen 2018 und 2021 bei den Young Boys, gewann drei Meistertitel und einmal den Cup, ehe er sein Auslandsabenteuer startete, das ihn zu Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach führte, wo er aber jeweils entlassen wurde. Nun ist er zurück in Bern. Ende Oktober 2025 folgte er auf den entlassenen Giorgio Contini, hatte in den 32 Spielen seither aber noch den tieferen Punkteschnitt (1,25) als sein Vorgänger (1,76). Seit seiner Rückkehr hat er wenig bis nichts bewirkt. Das erste Ziel ist es, die Defensive zu stabilisieren, wobei Seoane dafür mit Cédric Zesiger und Isaac Schmidt auch zwei namhafte und teure neue Spieler erhielt. Klar ist, dass seine früheren Erfolge heute nicht mehr zählen und der Trainer an den Resultaten gemessen wird. Die Berner sind dazu verdammt, wie der FC Basel an der Spitze und um den Titel mitzuspielen. Andernfalls wackelt Gerardo Seoanes Stuhl wie jener von Stephan Lichtsteiner schneller als gedacht.

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