Rekordtransfer Rogers und Millionen-Poker um Vinicius, Diomande und Alvarez
Die ersten nationalen Meisterschaften haben nach der WM ihren Betrieb bereits wieder aufgenommen, die Klubs und Stars der europäischen Top-5-Ligen bereiten sich auf die neue Saison vor. Gleichzeitig dreht sich das Transferkarussell und wird auf dem Spielerbazar mit Millionen jongliert. Eine Übersicht über die letzten Tage.
Bis zum 31. August respektive 1. September, wenn in den europäischen Top-Ligen das Sommertransferfenster schliesst, herrscht in der Fussballwelt ein emsiges Treiben. Gerüchte bringen Spannung und Unterhaltung mit sich. Lügen und Wahrheiten werden verbreitet. Spieler und Millionen werden verschoben und sorgen je nach Grössenordnung für Staunen, Stirnrunzeln oder im Falle von schier unmoralischen Dimensionen auch für Kopfschütteln.
Was sich abgezeichnet hatte, ist mittlerweile fix: Mittelfeldspieler Morgan Rogers wechselt von Aston Villa zu Chelsea. Der 24-jährige englische Internationale, der an der WM zu sieben Einsätzen und 337 Spielminuten kam und dabei zwei Assists realisierte, hat einen Vertrag bis 2033 unterschrieben. Die Ablösesumme liegt bei umgerechnet rund 138 Millionen Euro. Damit hat er Elliot Anderson als teuersten englischen Fussballer abgelöst.
Erst vor wenigen Tagen war publik geworden, dass Anderson von Nottingham Forest zu Manchester City wechselt. Die Ablösesumme liegt gerüchtehalber bei 135 Millionen Euro. Es sind zwei Transfers absoluten Mega-Preisklasse. Höhere Summen wurden bislang nur für Neymar (2017 für 222 Millionen von Barcelona zu Paris Saint-Germain), Kylian Mbappé (2018 für 180 Millionen von Monaco zu PSG), Ousmane Dembélé (2017 für 148 Millionen von Dortmund zu Barcelona) und Alexander Isak (2025 für 145 Millionen von Newcastle zu Liverpool) bezahlt.
Der von Rogers gerade erst aufgestellte Saison-Transferrekord wackelt aber bereits wieder. Denn gemäss verschiedenen Medienberichten beschäftigt sich der englische Meister Arsenal mit Vinicius Jr. und will den Brasilianer, dessen Vertrag nur noch ein Jahr läuft, aus Madrid weglocken. Gemäss «Telegraph» verlangt Vinicius ein wöchentliches Salär von umgerechnet 470'000 Euro – und die Gunners sind offenbar dazu bereit, dies zu bezahlen. Eine andere Quelle spekuliert über ein Ablösepaket von rund 160 Millionen.
Diomande statt Olise
Sollte Vinicius Madrid tatsächlich verlassen, steht der Ersatz bereits bereit. Michael Olise dürfte es aber nicht sein, da der FC Bayern München aktuell keine Anstalten macht, den Franzosen auch im Falle eines unmoralischen Angebots abzugeben und stattdessen gewillt ist, Olises bis 2029 laufenden Vertrag zu verlängern und sein Gehalt von aktuell 14 Millionen pro Jahr auf 25 Millionen anzuheben. Stattdessen dürfte Yan Diomande von den Spaniern verpflichtet werden. Der 19-jährige Flügelflitzer von der Elfenbeinküste hat bereits mehrfach betont, RB Leipzig verlassen zu wollen. Gerüchtehalber hat Real als Ablösesumme 100 Millionen Euro offeriert, Leipzig soll aber 120 Millionen fordern.
Auch Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain war an Diomande interessiert, stieg am Sonntag aber aus dem Poker aus – und übte scharfe Kritik. «PSG hat sein Interesse an Yan Diomande sowie sämtliche Angebote heute Abend offiziell zurückgezogen. Die geforderte Ablösesumme und die Gehaltsforderungen waren völlig unverhältnismässig und verzerrend – und PSG wird seine Prinzipien eines rationalen Finanzmanagements sowie eines ausgewogenen Mannschaftsgefüges nicht aufgeben», gaben die Pariser am Sonntagabend gegenüber Sky Sport zu Protokoll.
Der Transfer von Diomande dürfte damit wohl früher oder später über die Bühne gehen. Anders sieht es dagegen bei Granit Xhaka aus. Nachdem während der WM spekuliert wurde, dass Nati-Captain Granit Xhaka von Sunderland zu Chelsea wechseln könnte, hat sich dieser Transfer wohl endgültig zerschlagen. Sunderland-Coach Régis Le Bris erklärte am Wochenende, dass Xhaka auch in Zukunft für Sunderland spielen wird. «Dieses Thema ist beendet. Er liebt Sunderland, er möchte in Sunderland bleiben. Er will die Zukunft von Sunderland gestalten. Er ist ein guter Kapitän, ein grossartiger Anführer», wurde Le Bris von «ESPN» zitiert.
Poker um Barcola und Alvarez
Damit ist klar, dass Xhaka auch künftig in der Premier League spielt – wie vielleicht auch der Franzose Bradley Barcola. Der Flügel hat sich offenbar gegen eine Verlängerung seines bis 2028 laufenden Vertrags bei Paris Saint-Germain entschieden und ist im Visier des FC Liverpool. Der Marktwert von Barcola wurde nach der WM, an der er drei Tore und einen Assist erzielt hatte, von 70 auf 90 Millionen Euro angehoben, laut dem englischen Reporter und Kommentator Ben Jacobs setzt PSG aber die Ablöseforderungen bei 170 Millionen Euro an. Der Poker ist damit eröffnet, eine Ende wohl noch lange nicht in Sicht.
Gefeilscht wird auch um den Argentinier Julian Alvarez. Der FC Barcelona ist heiss auf den Stürmer, hat 100 Millionen Euro geboten. Doch dessen aktueller Klub Atlético Madrid will ihn nicht verkaufen. An dieser Haltung, so die Atlético-Verantwortlichen, würde auch eine Ablösesumme von 200 Millionen Euro nichts ändern. Brisant ist, dass Alvarez, in dessen bis 2031 laufenden Vertrag eine astronomische Ausstiegsklausel von 500 Millionen Euro festgehalten ist, unbedingt zu Barça will. Nun heisst es, der Stürmer plane den nächsten Schritt, um seinen Wechsel zum FC Barcelona zu erzwingen. Demnach sieht die Strategie des Spielers nun vor, noch Ende Juli oder spätestens Anfang August eine weitere öffentliche Geste wie ein deutliches Statement zu veröffentlichen sowie erneut das direkte Gespräch mit der Klubführung von Atletico zu suchen. Fortsetzung folgt – man darf gespannt sein.