Aufgefallen: Der Saisonstart in der Brack Super League
Jung sollen sie sein. Das Tor sollen sie treffen. Und das Erfolgserlebnis natürlich via Flick-Flack zelebrieren. So lautet ein mögliches Résumé des Auftakts in die neue Super-League-Saison. Ein Anderes: Bei den neuen und alten Grössen in Basel, Bern, St. Gallen und Thun wird man sich gerne an das erste Fussball-Wochenende der neuen Spielzeit erinnern.
Impact
Insgesamt sechs Neulinge kamen für den FC Basel beim 1:0-Auswärtssieg am Samstag in Genf zum Einsatz. Voll zu überzeugen wusste keiner und doch wäre die Partie bei Servette wohl anders ausgegangen, hätte das halbe Dutzend FCB-Rookies nicht einen teilweise matchentscheidenden ersten Fussabdruck hinterlassen. Da war zum Beispiel Ludwig Malachowski (21), der sich nicht nur bei der Vorbereitung von Shaqiris Grosschance in der 16. Minute durch ein rasche Spielerfassung und Übersicht auszeichnete. Oder Innenverteidiger Akpe Victory (21), der mit seiner Rettungsgrätsche kurz vor der Pause das mögliche 0:1 durch Cognat verhinderte. In Halbzeit zwei verpasste Flügel Asane Sow (20) nach starker Einzelaktion erst noch die Basler Führung, die dann kurze Zeit später nach einer Co-Kombination zweier weiterer Neulinge doch noch Zustande kam. Linksverteidiger Coleen Louis (21) kam im gegnerischen Strafraum zu Fall (76.), Routinier Zan Celar verwandelte den fälligen Strafstoss zum entscheidenden 0:1 (78.). Einzig der nach 69 Spielminuten eingewechselte Flügel Kazeem Olaigbe (23) konnte bei seinem Debüt keinen Akzent mehr setzen, womit es ihm gleich erging, wie den fünf Neuen auf Genfer Seite (Torhüter Besson, DM Naressi, Flügel Lambourde, Nachwuchshoffnung Nunez und Verteidiger Maceiras). Aber eigentlich traf dieses Fazit ohnehin auf die gesamte Genfer Offensivabteilung zu.
Premiere
Auf der einen Seite Ibrahim Bah Mendes. 20-jähriger Linksaussen beim FC Lausanne-Sport und am Samstagabend zum zweiten Mal Teil des Waadtländer Super-League-Outfits. Nach dem 1-Minuten-Debüt im vergangenen Jahr dieses Mal mit 59 Einsatzminuten und prompt mit dem Tor zum etwas zufälligen 1:0 (33.). Auf der anderen Seite Samuele Bengondo. 20-jähriger Mittelstürmer des Grasshopper Club Zürich und am Samstagabend zum zweiten Mal Teil des Zürcher Super-League-Outfits. Nach dem 2-Minuten-Debüt im vergangenen Jahr dieses Mal mit 25 Einsatzminuten und prompt mit dem Tor zum etwas zufälligen 1:1-Ausgleich der Gäste (81.). Der Rest? Ein über weite Strecken müder Auftakt in die neue SL-Saison mit einem Lausanne-Sport, dass in der zweiten Hälfte viel zu wenig konsequent ein zweites Tor suchte und den Grasshoppers so die Möglichkeit bot, doch noch mit einem zählbaren Ergebnis zurück in die Deutschschweiz zu fahren. Das taten die Hoppers schlussendlich auch, für beide Seiten gilt mit Blick in die Zukunft jedoch: Das kann und muss noch deutlich besser werden.
Trotzköpfe
Natürlich hatten sie sie auch gehört. Die Stimmen, die Titelverteidiger Thun in dieser Saison alles zutrauen – ausser einer erneuten Top-Platzierung. Und dann lagen die Berner Oberländer in Minute zwei des ersten Saisonspiels gegen den FC Luzern auch bereits hinten (Stefan Knezevic). Na und? Drei Standard-Tore später (8. Nico Maier, 51. Marc Gutbub, 84. Nicolas Bürgy) feierte Neo-Coach Gian-Luca Privitelli im zweiten Pflichtspiel seiner Amtszeit den ersten Vollerfolg. Und das vier Tage nach dem 1:1 in der CL-Qualifikation gegen Dinamo Zagreb und trotz acht Veränderungen in der Startelf, welche mutmasslich mit Blick auf das Rückspiel in der kroatischen Hauptstadt vollzogen wurden. Zeigen sich die Thuner dort am Dienstag ähnlich effizient und resistent, muss der CL-Traum für sie noch nicht ausgeträumt sein. Dass der letztjährige Taktgeber und Meister-Scharfschütze Leo Bertone am Samstagabend das gegnerische Trikot trug, war jedenfalls deutlich weniger augenfällig, als womöglich von beiden Seiten antizipiert. Wohl auch deshalb endete das SL-Trainerdebüt auf Luzerner Seite (Udo Portmann) mit einer Niederlage.
Problem gelöst
Schon am ersten Spieltag der neuen Saison unter Druck? Ja, wenn man YB heisst, die vergangene Spielzeit nur auf Rang 6 beendete und zum Saisonstart mit dem FC Sion einen veritablen Angstgegner (nur ein Sieg aus den letzten acht Direktduellen) zu Gast hat. Und dann? Liefern die Berner eine Partie, die zumindest in Ansätzen dazu taugt, die eigenen Titelaspirationen zu untermauern. Mit einem guten Start und verdienter 2:0-Führung nach 40 Minuten (Torschützen Levin Blum und Alvyn Sanches), ehe Gelb-Schwarz mit dem Walliser Anschlusstreffer (Jan Kronig, 45. +1) kurzzeitig in alte Fahrwasser abdriftete. Winsley Boteli nutzte dies in der 56. Minute zum Ausgleich und manch einer im Wankdorf fragte sich, wer YB denn jetzt noch zu drei Punkten verhelfen könne. Die Antwort: Samuel Essende, im vergangenen Frühjahr meist glückloser Torjäger in Berner Diensten und gestern dank zwei Toren in der Schlussphase (66. und 73.) Matchwinner für Gelb-Schwarz. Denn die Walliser waren nur zweieinhalb Tage nach der CL-Qualifikationspartie gegen BATE Borisov in Aserbaidschan zu keiner Reaktion mehr.
Unsouverän
An Startspiele gegen Aufsteiger hat der FC Lugano nicht die besten Erinnerungen. Ziemlich genau ein Jahr ist es nämlich her, dass die Bianconeri zum Auftakt der Spielzeit 25/26 dem FC Thun mit 1:2 unterlagen. Es war dies der Auftakt ins Berner Oberländer Meistermärchen – und ein erster Tiefpunkt in einem vollkommen missglückten Tessiner Saisonstart. Kein Wunder, wollten die Bianconeri die Saison- und SL-Premiere in der neuen AIL Arena deutlich erfolgreicher bestreiten, was zumindest resultatmässig auch gelang. Aber der knappe und durchaus auch glückliche 2:1-Erfolg gegen den FC Vaduz weckte zuweilen böse Erinnerungen an die Vorsaison, die im Tessin eigentlich erst im September so richtig begann. Dieses Mal blieben dank den Toren der beiden Innenverteidiger Papadopoulos (29.) und Mai (37.) zumindest die ersten drei Punkte am Fusse des San Salvatore, auch wenn die Liechtensteiner schlussendlich nur knapp am ersten Erfolgserlebnis vorbeischrammten. Zu Zehnt (Keeper Schaffran sah nach einer Notbremse die rote Karte) gelang es den Vaduzern jedoch nicht mehr, dem Anschlusstreffer von YB-Leihgabe Lutfi Dalipi (71.) auch noch den Ausgleich folgen zu lassen. Für etwas mehr Hoffnung und Selbstvertrauen dürfte der Saisonauftakt beim Aufsteiger aber gesorgt haben.
Gut getimed
Eine Stunde war im neubenannten Berit Sitterstadion zu St. Gallen gespielt und guter Rat teuer. Der Gast aus Zürich führte nämlich seit wenigen Minuten mit 0:1 (50., Umeh Emmanuel) und den Ostschweizern war langsam anzumerken, dass sie noch am Donnerstagabend 90 intensive Minuten gegen Benfica Lissabon absolviert hatten. Was also tun? FCSG-Trainer Enrico Maassen hatte die richtige Antwort in der Form eines Dreifachwechsels parat. Mit Andrin Hunziker, Diego Besio und Enoch Owusu (für Baldé, Vandermersch und Stevanovic) setzte er zur Stundenmarke auf zusätzliche Offensivkraft – und wurde prompt belohnt. Zwar nicht umgehend, dafür aber doppelt, da Hunziker und Captain Lukas Görtler nach ersten Fehlversuchen in der 70. und 74. Spielminute doch noch für die Wende sorgten. Der FCZ, der beim Debüt des letzten St. Galler Meistertrainers Marcel Koller über weite Strecken positiv überraschte, war nicht mehr in der Lage zu reagieren. Und so reist St. Gallen Mitte Woche mit maximalen Rückenwind nach Lissabon. Ob das genügen wird, um im Rückspiel bei Benfica ein 2:1 zu verteidigen, wird man am Donnerstagabend erfahren.