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Sechs Schweizer Coaches in der Fremde

Andy

Nach der WM rollt der Ball auch in den einzelnen Ländern wieder. In den kommenden Monaten stehen da auch einige Trainer mit Schweizer Pass im Rampenlicht – und auf dem Prüfstand.

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Urs Fischer befindet sich mit Mainz in Österreich in der Saisonvorbereitung. © IMAGO / DeFodi Images

Um Vladimir Petkovic war es in der Schweiz ruhig geworden, seit er 2021 die Nati verlassen hatte. Zuerst versuchte er sein Glück bei Bordeaux, blieb aber glück- und erfolglos, so dass die Liaison nach 25 Spielen (und durchschnittlich 0,92 Punkten) wieder Geschichte war. Nach rund zweijähriger Pause heuerte er schliesslich in Algerien an und führte das Nationalteam nach zwölf Jahren wieder an eine WM-Endrunde.

Nach der Euphorie beinahe die Entlassung

Damit löste der Tessiner in Algerien eine Euphorie aus und wurde noch vor der WM mit einem neuen Vertrag bis 2028 belohnt. An der WM erreichte er mit seinem Team nach einer Niederlage gegen Argentinien (0:3), einem Sieg gegen Jordanien (2:1) und einem Unentschieden gegen Österreich (3:3) die Sechzehntelfinals – und katapultierte sich damit auch wieder ins Schaufenster der Schweizer Medien, da es dort zum brisanten Duell mit seinem Nachfolger Murat Yakin kam.

Yakin behielt dank Toren von Breel Embolo und Dan Ndoye mit 2:0 die Oberhand und erreichte die Achtelfinals, Petkovic musste mit seinem Team die Heimreise antreten und stand plötzlich in der Kritik. Kurz darauf wurde in Algerien über die Entlassung von Petkovic spekuliert. Doch bis heute fehlte eine Bestätigung des Verbandes und so sieht es danach aus, als ob der 62-Jährige doch noch in Amt und Würden bleibt, wobei das Fussball-Business bekanntlich sehr schnelllebig ist und Entscheide von einem Tag auf den anderen über den Haufen geworfen werden können.

Heilsbringer Fischer

Definitiv nicht in der Kritik steht dagegen Urs Fischer. Der 62-jährige Zürcher hat im vergangenen Dezember den Bundesligisten Mainz übernommen, als dieser mit nur sechs Punkten aus 13 Spielen auf dem letzten Platz lag. Das vermeintliche Himmelfahrtskommando wurde aber zu einem Beweis der grossen Klasse: Fischer führte sein Team zum souveränen Klassenerhalt, war der Heilsbringer und beendete die Saison auf Rang 10. Nun darf man gespannt sein, wozu der Schweizer Übungsleiter und Bundesligatrainer der Saison 2022/23 mit seinem Team in der Lage ist, wenn er die gesamte Saisonvorbereitung bestreiten kann. Das erste offizielle Pflichtspiel steht am 23. August im DFB-Pokal gegen den Oberligisten Krieschow an, sechs Tage später folgt der Bundesligastart mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger Paderborn. Zwei Siege sind da eigentlich schon fast Pflicht.

Während Fischer in Mainz nun seine Spuren hinterlassen will, hat er das bei Union Berlin mit seinen grossartigen Erfolgen eindrücklich getan. Bei den Eisernen versucht sich nun Mauro Lustrinelli, der nach dem sensationellen Gewinn des Meistertitels die Herausforderung Bundesliga angenommen und bei Union unterschrieben hat. Lustrinelli hat die Aufgabe, den Spielstil des Teams zu revolutionieren und so dem Umfeld einen gehörigen Schwung zu verpassen. Union soll wieder attraktiver werden und Eigengewächse fördern.

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Thuns Meistertrainer Mauro Lustrinelli versucht sich nun bei Union Berlin.

Lustrinelli setzt auf Leidenschaft

«Ein guter Spirit, eine Siegermentalität und viel Energie. Das werden die Schwerpunkte im Training sein», erklärte der Tessiner bei seinem Amtsantritt. «Wir müssen gemeinsam als Team auftreten und die richtige Mentalität an den Tag legen. Wir werden einen anderen Fussball spielen mit hoher Intensität und Energie, offensiver ausgerichtet – mit Freude und Begeisterung.» Man wolle ein echtes Team aufbauen und mit Leidenschaft spielen. Und: «Wir wollen über unsere Spielweise eine Begeisterung in ganz Köpenick und darüber hinaus kreieren.»

Nun muss der Thuner Meistertrainer den Worten aber Taten folgen lassen. Zuletzt reichte es in den Testspielen gegen Winterthur (1:1) und Aarau (1:2) nicht zum Sieg. Die ersten Ernstkämpfe folgen dann auch für Union und den Schweizer Trainer Ende August: zuerst im Pokal gegen den Zweitligisten Braunschweig, dann in der Bundesliga daheim gegen Frankfurt.

Stamm peilt den Ligaerhalt an – Wicky unter Druck

Thomas Stamm ist bereits seit zwei Jahren bei Dynamo Dresden als Cheftrainer im Amt und hat sein Team zuerst zum Aufstieg in die 2. Bundesliga und dort zum Ligaerhalt geführt. Nun geht es für den 43-Jährigen in erster Linie darum, mit dem Traditionsklub den Ligaerhalt zu sichern, nachdem er mit dem Aufstieg schon ein Ausrufezeichen gesetzt hatte. Feiert er weitere Erfolge, wird für den talentierten Schweizer ein Engagement in einer höheren Liga eher früher als später Tatsache.

Weiter weg und auch nicht so auf dem Schweizer Radar sind Raphael Wicky und René Weiler. Wicky arbeitet seit Januar 2026 bei Kansas City, dies allerdings mit einer äusserst bescheidenen Ausbeute. In 17 Meisterschaftsspielen reichte es gerade mal zu 14 Punkten. Die Konsequenz: der letzte Platz in der Western Conference und steigender Druck auf den Trainer. Zu seiner Ehrrettung muss man aber sagen, dass sein Team mit einem Marktwert von 34,8 Millionen Euro in diesem Ranking lediglich Rang 26 unter allen Mannschaften der Major League Soccer belegt.

Beeindruckender ist da die Arbeit von René Weiler. Der Winterthurer steht seit einem Jahr bei D.C. United unter Vertrag und belegt mit seinem Team aktuell in der Eastern Conference Rang 9, punktgleich mit NY Red Bulls. Bemerkenswert ist, dass sein Team, in dem der Ostschweizer Silvan Hefti eine fixe Grösse ist, im Marktwert-Ranking der Liga mit 31 Millionen Euro lediglich den zweitletzten Platz belegt und so quasi «überperformt». Weiler gibt damit eine Visitenkarte ab, die ihn früher oder später wieder für Vereine auf einer grösseren Bühne attraktiv machen dürfte.

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