Aufgefallen: Cup-und SL-Special
Ein historisches Wochenende im Schweizer Fussball? Vielleicht nicht ganz, aber zumindest ein Aussergewöhnliches. Denn sowohl im Cup als auch im Championat wurde gleichzeitig gespielt, trumpften Underdogs gross auf und sahen ausgerechnet die beiden Zweisterne-Klubs ziemlich alt aus. Unser Rückblick auf das jüngste Schweizer Fussballwochenende, inklusive Grün-Weisser Finaleuphorie.
Kryptonit
Eine Saison lang spielt der FC Stade Lausanne-Ouchy in der Spielzeit 2023/2024 in der Super League. Nach sieben Siegen in 38 Spielen stiegen die Waadtländer ein Jahr später direkt wieder ab und kam seither nicht mehr in die Nähe, sich noch einmal in der höchsten Schweizer Spielklasse messen zu dürfen. Als Superligist werden die „kleinen“ Lausannois auch in der kommenden Kampagne nicht grüssen, aber vielleicht als Cuspieger? Denn nach dem verdienten 2:0 über GC steht SLO zum ersten Mal in der bald 26-jährigen Vereinsgeschichte im Endspiel um die Sandoz-Trophäe, welches am Pfingstsonntag in Bern stattfinden wird. Das Erstaunliche dabei: Dass die Mannschaft von Trainer Dalibor Stevanovic auf dem Weg ins Finale gleich drei Superligisten aus dem Wettbewerb schmiss. Erst Winterthur im Achtelfinale (1:0), dann Luzern im Viertelfinal (2:1) und schliesslich am Samstagabend die Zürcher Grasshoppers, die dem herrlichen Schlenzer von Landry Nomell (52.) und dem direkt verwandelten Eckball von Vasco Tritten (90.) nur ganz wenig entgegenzusetzen hatten. Ein brutaler Rückschlag für den Rekordmeister und seine gut 4‘000 in die Pontaise mitgereisten Fans, denen im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf wohl bereits Böses schwant. Wer nämlich gegen den aktuellen Tabellenvierten der Challenge League so gut wie keine Lösung findet, wird sich auch in einer allfälligen Barrage gegen Aarau oder Vaduz ziemlich warm anziehen müssen.
Aller guten Dinge…
Dritte Cupfinalqualifikation für den FC St. Gallen in diesem Jahrzehnt. Denn wie schon 2021 (gegen Servette) und 2022 (gegen Yverdon), schwangen die Ostschweizer auch im dritten Halbfinale in den letzten fünf Jahren oben hinaus. Gegen Yverdon-Sport genügten dem FCSG dabei 45 überlegene Minuten und zwei Tore durch Lukas Görtler (6.) und Alessandro Vogt (88.), um einigermassen problemlos ins Endspiel einzuziehen, obwohl speziell nach der Pause auch der Gastgeber durchaus zu Chancen kam. Doch mit Ausnahme von Fabio Saiz‘ Lattenknaller in der 58. Minute kam Yverdon dem Ausgleich nie wirklich so nahe, dass man auf Seite des Gastes aus der Super League ernsthaft um den Finaleinzug bangen musste. Dort treffen die Grün-Weissen am Pfingstsonntag in Stade Lausanne-Ouchy auf einen weiteren Challengeligisten und gehen folgerichtig als Favorit in die 101. Finalpartie um den Schweizer Cup. Alles andere als ein Sieg und damit der erste Titel seit 26 Jahren wäre für den FCSG und seine grosse Anhängerschaft ein wohl noch grössere Enttäuschung, als die beiden jüngsten Finalniederlagen.
Stabübergabe
So viel ist schon mal klar: Auch wenn die Pokalübergabe womöglich noch ein bis zwei Wochen entfernt ist - das Thuner 3:1 am Samstagabend gegen den FC Basel war bereits so etwas wie die offizielle Wachablösung vom alten (Basel) zum neuen Schweizer Meister (Thun). Fünf Runden vor dem Saisonende führen die Berner Oberländer die SL-Tabelle nämlich mit 14 Punkten Vorsprung an und können im Heimspiel gegen Lugano am nächsten Wochenende zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den Titel holen. Wer noch daran zweifelt? Niemand. Nicht nach den Toren von Christopher Ibayi (28.), Michael Heule (53.) und Elmin Rastoder (64.), bei denen die FCB-Hintermannschaft teilweise derart überfordert wirkte, dass es vielleicht besser ist, wenn sich die Bebbi im kommenden Jahr nicht europäisch werden messen können. Und genau danach sieht es nach der neunten Saisonniederlage des Noch-Meisters aus, steigen die Basler (33/53) doch mit einer Hypothek von vier Punkten auf das drittplatzierte Lugano in die finale Saisonphase. Was noch Hoffnung macht? Eventuell der FC St. Gallen, der mit einem Cupsieg auch noch dem viertplatzierten Superligisten die Türe nach Europa öffnen könnte sowie möglicherweise Julien Duranville. Immer vorausgesetzt, dass der junge Belgier sich auch in den kommenden Wochen noch das eine oder andere Mal dazu überwinden kann, so entschlossen anzutreten, wie bei seinem Basler Ehrentreffer in der 56. Minute.