Vier Schweizer in Torlaune – Sorgen um Muheim
Der Blick auf die Schweizer in den europäischen Top-5-Ligen zeigt Erfreuliches: Mit Fabian Rieder, Johan Manzambi, Noah Okafor und Breel Embolo liessen sich gleich vier von ihnen am Wochenende als Torschützen feiern.
Nach 30 Runden ist es vollbracht: Der FC Bayern München hat sich vorzeitig den 35. Meistertitel in der Klubgeschichte gesichert. Die Entscheidung fiel dabei am Sonntag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, bei dem Luca Jaquez in der zweiten Hälfte ins Spiel kam. Die Bayern, bei denen Coach Vincent Kompany nach dem Sieg gegen Real Madrid in der Champions League auf einigen Positionen rotierte, siegten mit 4:2.
Nachdem sie 0:1 in Rückstand geraten waren, reagierten die Münchner mit drei Toren innert sechs Minuten und unterstrichen, weshalb ihnen in dieser Saison gar das Triple zuzutrauen ist. Im DFB-Pokal treffen die Bayern am Mittwoch im Halbfinal auswärts auf Bayer Leverkusen, in der Königsklasse wartet im Halbfinal Titelverteidiger Paris Saint-Germain. Wettbewerbsübergreifend haben die Super-Bayern in dieser Saison von 47 Spielen nur zwei verloren und viermal unentschieden gespielt und kommen auf ein Torverhältnis von 161:49. Es ist eine überragende Bilanz.
Während die Bayern auf der Erfolgswelle surfen, kann der VfB trotz der Niederlage weiterhin von der Champions League träumen, allerdings dürfen sich die Schwaben nicht mehr viele Patzer mehr erlauben. Für Borussia Dortmund und Gregor Kobel hatte die 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim fast keine Folgen, die Dortmunder sind als Tabellenzweite so gut wie gesetzt. Dahinter folgt der Dosen-Klub RB Leipzig, der gegen Frankfurt (mit Innenverteidiger Aurèle Amenda) 3:1 gewann. Auch das Polster nach hinten ist für die Stuttgarter alles andere als beruhigend: Hoffenheim liegt vier Runden vor Schluss zwei Punkte zurück, Bayer Leverkusen vier Zähler.
Der doppelte Rieder und wieder Manzambi
Leverkusen, der Ex-Klub von Nati-Captain Granit Xhaka, bei dem Ersatzgoalie Jonas Omlin nicht im Kader stand, unterlag dem FC Augsburg mit 1:2 – und die grosse Figur des Spiels war Fabian Rieder, der vom Fachmagazin Kicker auch ins Team der Runde berufen wurde. Nach einer Viertelstunde sorgte der Schweizer für den Ausgleich, tief in der Nachspielzeit bewies er Nervenstärke, verwandelte einen Penalty zum 2:1 und wurde zum gefeierten Matchwinner. «Ich bin sehr stolz auf die ganze Mannschaft. Wir haben eine super Teamleistung gezeigt und uns diesen Sieg hart erarbeitet, auch wenn am Ende natürlich auch etwas Glück dabei war. Das war ein grosser Schritt in Richtung Klassenerhalt», sagte Fabian Rieder nach seinen Saisontoren Nummer 5 und 6, dank denen er nun bester Torschütze seines Klubs ist. In der Tabelle liegen die Augsburger, bei denen Verteidiger Cédric Zesiger durchspielte, zehn Punkte vor St. Pauli und dem Barrageplatz – da sollte eigentlich nichts mehr anbrennen.
Immer grösser wird die Not dagegen für den 1. FC Heidenheim. Der Arbeitgeber von Leonidas Stergiou verlor gegen Freiburg 1:2, wobei der Schweizer Verteidiger nur Ersatz war. Vier Runden vor Saisonende beträgt der Rückstand auf den Barrageplatz sieben Punkte – die Chancen auf den Ligaerhalt sind entsprechend minimal. Ganz anders sieht es bei den Freiburgern aus. Nach dem Sieg am Donnerstag gegen Celta Vigo und dem Einzug in den Halbfinal der Europa League steht die Bilanz des letzten Monats bei sieben Spielen, sechs Siegen und nur einer Niederlage – stark! Ein entscheidender Faktor dabei ist Johan Manzambi, der auch gegen Heidenheim traf und nun wettbewerbsübergreifend in dieser Saison bei sechs Toren und sieben Assists steht. Innenverteidiger Bruno Ogbus war zwar beim Tor der Heidenheimer etwas zögerlich, zeigte aber sonst einmal mehr eine sehr gute Leistung. Das macht natürlich Lust auf ein grandioses Saisonfinale, in dem die Breisgauer noch zwei Titelchancen haben: In der Europa League treffen sie im Halbfinal auf den portugiesischen Klub Braga, im DFB-Pokal kämpfen sie am Donnerstag gegen den VfB Stuttgart um den Finaleinzug.
Die restlichen in der Bundesliga engagierten Schweizer zittern dagegen mal mehr, mal weniger um den Ligaerhalt. Werder Bremen gelang im Nord-Derby gegen den Hamburger SV ein wichtiger 3:1-Sieg, wobei Isaac Schmidt in diesem wilden und emotionalen Spiel mit insgesamt vier roten Karten nur Ersatz war. Dank den drei Punkten zog Werder mit dem HSV gleich, bei dem sich Miro Muheim eine Knieverletzung zuzog, die nun am Montag genauer untersucht wird. Einen Punkt vor den beiden «Nordlichtern» liegen Mönchengladbach und Köln. Die Kölner kamen gegen den FC St. Pauli beim 1:1 nur zu einem Punkt, wobei Innenverteidiger Joël Schmied nach längerer Verletzungspause immerhin mal wieder auf der Ersatzbank sass. Und die Gladbacher spielten gegen Mainz ebenfalls 1:1, wobei sich dieses Unentschieden für das Team von Nico Elvedi wohl wie eine Niederlage anfühlte, nachdem die Mainzer, bei denen Silvan Widmer erst eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt wurde, erst tief in der Nachspielzeit durch einen Penalty ausglichen.
Für Urs Fischer und seine Mainzer war es aber ein wichtiges Lebenszeichen nach der bitteren 0:4-Niederlage am Donnerstag in der Conference League gegen Strassburg, nach der der Coach noch von einer unterirdischen Leistung gesprochen hatte. Gegen Gladbach habe sein Team eine deutliche Reaktion und Charakter gezeigt und nie aufgegeben, sagte Fischer, aber: «So lange der Ligaerhalt noch nicht gesichert ist, ist man auch nicht beruhigt. Wir sind noch nicht durch.» Zehn Punkte Reserve auf den direkten Abstiegsplatz und acht Punkte auf die Barrage vier Spiele vor Schluss – das sind in der Tat beste Perspektiven.
Okafor startet durch
In England waren die Augen der Fussballfans natürlich auf den Spitzenkampf gerichtet, in dem Manchester City gegen Arsenal gewann und den Titelkampf nochmals spannend machte. Ein wildes Spektakel gab es dann im Spiel zwischen Aston Villa und Sunderland, das die Gastgeber gegen Nati-Captain Granit Xhaka und seine Kollegen mit 4:3 gewannen. Villa ist weiterhin auch Champions League-Kurs, aber auch Sunderland darf mit einem Platz im europäischen Business liebäugeln.
Weiterhin in prächtiger Verfassung präsentiert sich Noah Okafor, der nach einer schwierigen Zeit zu alter Stärke zurückgefunden hat. Beim 3:0-Sieg von Leeds United gegen Schlusslicht Wolverhampton erzielte er das zwischenzeitliche 2:0, nachdem er schon das Führungstor seines Teams vorbereitet hatte. Okafor startet damit richtig durch, hat in den letzten beiden Spielen drei Tore und einen Assist erzielt und steht in dieser Saison in der Premier League bei sieben Treffern und einer Vorlage – das macht gerade auch im Hinblick auf die WM Freude!
Die restlichen Schweizer in der Premier League kamen nicht zum Einsatz. Zeki Amdouni und Fabian Schär fehlen Burnley respektive Newcastle verletzungsbedingt schon seit längerer Zeit. Aber bei Amdouni, der seit einiger Zeit wieder mit dem Team trainiert, ist das Comeback absehbar, wie sein Trainer Scott Parker sagt: «Es sind nicht mehr viele Spiele übrig, deshalb werden wir sehen, wie sich die Situation entwickelt.» Dan Ndoye stand bei Nottingham beim 4:1-Sieg gegen Burnley aus noch unbekannten Gründen kurzfristig nicht im Kader, immerhin verschaffte sich sein Team mit dem 4:1-Sieg im Abstiegskampf etwas Luft.
In Spanien ruhte am Wochenende die Meisterschaft, stattdessen fand am Samstag der Final in der Copa del Rey statt, den San Sebastian im Penaltyschiessen gegen Champions League-Halbfinalist Atlético für sich entschied. In La Liga geht es am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag weiter. Filip Ugrinic und Eray Cömert treffen mit Valencia auf Mallorca und haben die Chance, sich im Abstiegskampf etwas Luft zu verschaffen. Djibril Sow und Ruben Vargas bekommen es mit Levante zu tun und sind im Hinblick auf den Ligaerhalt schon fast zum Siegen verdammt. Und Ricardo Rodriguez spielt mit Betis gegen Girona und kann sich auf einem europäischen Platz festbeissen.
Embolo mit achtem Saisontor – Inter vor Titelgewinn
In Frankreich hat Leader PSG mit der Niederlage gegen Lyon dem Verfolger Lens nochmals etwas Hoffnung gemacht, bleibt aber im Titelrennen der klare Favorit, während Breel Embolo immer mehr mit einem Champions League-Platz liebäugeln darf. Rennes gewann gegen Strassburg 3:0, wobei Nati-Stürmer Embolo das zwischenzeitliche 2:0 erzielte – es war sein achtes Saisontor in der Ligue 1. Rennes belegt Platz 3, hat nur einen Punkt Rückstand auf die Top 3, aber auch nur drei Zähler Reserve auf Monaco auf Rang 7. Die Kicker aus dem Fürstentum kamen daheim gegen Auxerre nicht über ein 2:2 hinaus. Captain Denis Zakaria spielte bei Monaco wie Verteidiger Bryan Okoh bei Auxerre durch, Goalie Philipp Köhn war bei den Monegassen nur Ersatz. Yvon Mvogo gewann mit Lorient gegen Marseille 2:0 und hielt seinen Kasten zum fünften Mal in dieser Saison sauber, Offensivspieler Felix Mambimbi fehlte beim 1:1 von Le Havre gegen Angers aufgrund einer Knieverletzung.
In Italien hat Inter Mailand nach dem 3:0-Sieg gegen Cagliari, bei dem Manuel Akanji durchspielte und Yann Sommer auf der Ersatzbank sass, bereits eine Hand an der Meistertrophäe. Fünf Runden vor Schluss beträgt der Vorsprung auf Stadtrivale Milan und Titelverteidiger Napoli jeweils zwölf Punkte – der Scudetto ist damit so gut wie in trockenen Tüchern. Milan erledigte dabei die Pflicht und gewann gegen Hellas Verona mit 1:0, wobei Zachary Athekame nach 63 Minuten ausgewechselt wurde und Ardon Jashari einmal mehr nur auf der Bank schmorte. Napoli vergab dagegen die wohl letzte Titelchance mit einer 0:2-Niederlage gegen Lazio.
Unabwendbar wird derweil der Wiederabstieg von Aufsteiger Pisa, der mit Michel Aebischer, aber ohne Filip Stojilkovic (Ersatz) und den Langzeitverletzten Daniel Denoon gegen Genua (ohne den verletzten Ersatzgoalie Benjamin Siegrist) 1:2 tauchte und in der Tabelle fünf Runden vor Schluss zehn Punkte hinter dem rettenden 17. Platz liegt. Der FC Bologna verlor mit Remo Freuler (spielte durch) und Simon Sohm (nach einer Stunde ausgewechselt) gegen Juventus Turin 0:2 und belegt im Niemandsland der Tabelle Platz 8, drei Zähler vor Aufsteiger Sassuolo, der ohne Ulisses Garcia (Ersatz) gegen Como 2:1 gewann. Sascha Britschgi gewann mit Parma gegen Udinese 1:0 und kam eine Viertelstunde vor Schluss ins Spiel.