Aufgefallen: Der 36. Spieltag in der Brack Super League
Gestern in einer Woche, wissen wir Bescheid. Wer begleitet den FC Thun auf dem Weg nach Europa? Wer mutiert im Cupfinale zum grossen St. Gallen-Fan und wer wird in der kommenden SL-Spielzeit durch den FC Vaduz oder den FC Aarau ersetzt? Bis dahin gilt für rund die Hälfte der Liga: Mund abputzen, wieder aufstehen und irgendwie diese letzten Meter erfolgreich bestreiten. Unser Rückblick auf das vorletzte Super-League-Wochenende.
Geht doch
Endlich! Nach einer Rückrunde des Grauens - mit ganzen elf Zählern aus 17 Spielen - hat sich der FC Zürich (36/38) am Samstag doch noch den definitiven Ligaerhalt gesichert. Alles was es dazu brauchte: Ein Derby gegen Stadtrivale GC, in dem die Hoppers wieder einmal all das zeigten, was sie zu einem so aussichtsreichen Abstiegskandidaten macht. Denn kaum hatte Leih-Hopper Emmanuel Tsimba mit dem überraschenden 0:1 (35.) zum ersten Mal in dieser Partie auf sich aufmerksam gemacht, folgte auch schon dessen zweiter Streich. Kurz vor der Pause schlug er FCZ-Captain Lindrit Kamberi nämlich im Mittelfeld den Ellbogen gegen die Brust, was nach VAR-Intervention prompt mit einem Platzverweis bestraft wurde. Es war dies bereits die 12. rote Karte gegen GC in der laufenden Saison, und obwohl der Rekordmeister im Spiel in Unterzahl mittlerweile geübt sein müsste, dauerte es nach Wiederanpfiff ganze 15 Minuten, ehe der FCZ die Partie zu seinen Gunsten drehte. Erst durch Alexander Hacks Ausgleich in der 49. Minute, dann durch Ilan Sauters herrlichen Knaller in den Netzhimmel nach gut einer Stunde. Dass die Grasshoppers in der 66. Minuten auch noch die grosse Chance verpassten, per Elfmeter den Ausgleich zu erzielen, passte ins Bild, dass die Hoppers (36/27) auch beim Debüt von Neo-Coach Peter Zeidler abgaben. Zur „Belohnung“ wartet nun am Dienstag ein ultra-heisses Duell mit dem FC Winterthur auf den GCZ. Die Eulachstädter müssen diesen Abstiegs-Showdown zwar zwingend gewinnen, haben aber plötzlich wieder Momentum im Rücken.
Aufpassen
Winti-Wirbelwind Théo Golliard wusste es schon länger: „Aufpassen“ posaunte der gebürtige Fribourger Mitte März nämlich in die TV-Mikrophone, als sein FCW in Luzern soeben den bislang einzigen Winterthur Auswärtserfolg in dieser Spielzeit bewerkstelligt hatte. Und siehe da – schlappe 57 Tage später erhalten seine Eulachstädter morgen Dienstag doch tatsächlich noch einmal die Chance, dem Direktabstieg quasi auf den letzten Drücker noch von der Schippe zu springen. Alles was dazu brauchte: Einen 2:1-Heimerfolg (Tore durch Nishan Burkart und Andrin Hunziker) gegen Lausanne (Torschütze Omar Janneh) und damit den ersten Vollerfolg seit jenem vielleicht doch noch wegweisenden Coup beim FCL. Gewinnt der FCW (36/23) auch seine nächsten beiden Spiele bei GC (36/27) und gegen – genau – den FCL (36/47), stehen die Chancen plötzlich ziemlich gut, dass dem Underdog ähnlich wie im Vorjahr auf den letzten Drücker doch noch der Klassenerhalt gelingt. Denn auch wenn die Hoppers spätestens jetzt wissen, das sie aufpassen müssen – in der aktuellen Verfassung spricht eigentlich nur noch die momentane Tabellenlage für sie.
Spiegelbild
Eine Partie ohne grosse Bedeutung? Mehr oder weniger. Ein abwechslungsreiches Hin-und-Her? Vor allem in Halbzeit zwei. Und ein Spiel, dass so wunderbar widerspiegelte, weshalb der FC Luzern (36/47) und der Servette FC (36/47) zwar eigentlich ganz gut, aber schlussendlich halt doch zu wenig solide sind? Mit Sicherheit. Und so trennten sich die beiden stärksten, in die Relegation Group verbannten Super-League-Klubs am Samstagabend mit einem unterhaltsamen 3:3 voneinander, dass trotzdem schon bald niemanden mehr wirklich interessieren wird. Mit Genfer Gästen, die eindrücklich unter Beweis stellten, dass sie selbst im Hoch, mit souveräner 2:0-Führung (11., Miroslav Stevanovic, 39., Thomas Lopes) und nach einem späten 3:2 (79., Lilian Njoh) jederzeit in der Lage sind, einen Vorteil notfalls im Handumdrehen zu verspielen. Und mit Zentralschweizer Gastgebern, die zum x-ten Mal in dieser Spielzeit grosse Moral zeigten und erst einmal (Levin Winkler, 67.), dann zweimal (Adrian Bajrami, 73.) zurückkamen, nur um das Momentum kurze Zeit später wieder aus der Hand zu geben. Schliesslich rettete Oscar Kabwit den Leuchtenstädtern (81.) einen Punkt, der vor allem eines bedeutete: Beiden Teams winkt in den verbleibenden beiden Partien noch die Gelegenheit, die Meisterschaft dank einer längeren Phase der Ungeschlagenheit (maximal sechs Spiele bei Luzern, acht bei Servette) doch noch mit etwas Positivem zu beenden.
VAR-sinn
Knapp 70 Minuten lang lief zwischen dem FC Lugano und dem FC St. Gallen alles in geordneten Bahnen ab. Fast genau so lange hatten die Bianconeri dabei Vieles im Griff und nahmen nach Hadj Mahmounds 1:0 (53.) zwischenzeitlich sogar direkten Kurs in Richtung Europa. Keine 30 Minuten später jedoch, standen die Tessiner plötzlich mit leeren Händen da. Denn zwischen der 69. und 74. Minute benötigten die Ostschweizer nur gerade fünf Zeigerumdrehungen, um das zweitletzte Spiel im alten Cornaredo auf ihre Seite zu ziehen. Aufgrund der Tore durch Mihailo Stevanovic und Lukas Görtler, sicher aber auch aufgrund eines umstrittenen Handelfmeters, der Görtlers siegbringendem Penalty voranging. In jener Szene musste man sich wieder einmal fragen, was genau sich die Regelhüter des IFAB und auch der VAR eigentlich dabei überlegen, wenn ein abgefälschter Schuss aus einem Meter mit einem Penalty geahndet wird, obwohl der Ball neben das Tor geflogen wäre. Immerhin zeigte sich das Schiri-VAR-Gespann Dudic/Fähndrich dann auch auf der anderen Seite nicht auf der Höhe, als dem FC Lugano tief in der Nachspielzeit ebenfalls ein fragwürdiger Elfmeter zugestanden wurde. Der Unterschied: Ezgjan Alioski scheiterte mit seinen Versuch aus elf Metern an St. Gallen-Keeper Zigi, der Grün-Weiss somit mit grosser Wahrscheinlichkeit nach Europa parierte. Zwei Spieltage vor dem Saisonende beträgt der Vorsprung des FCSG (36/66) auf den viertplatzierten FC Sion fünf Punkte, während sich den gestern unterlegenen Luganesi (36/63) am kommenden Donnerstag erneut eine Gelegenheit bietet, sich für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. Voraussetzung dafür: Ein Sieg im Direktduell bei den aufstrebenden Wallisern.
Im Flow
Was oder wer kann diesen FC Sion auf dem Weg nach Europa noch stoppen? Eigentlich nur der FC Stade Lausanne-Ouchy. Denn nach dem souveränen 2:0 Heimerfolg (22. Winsely Boteli, 23. Ilyas Chouaref) gegen Meister Thun fehlt den Wallisern noch genau ein Punkt, um die erste Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb seit acht Jahren unter Dach und Fach zu bringen – es sei denn, den Waadtländern gelingt im Cupfinal vom Pfingstsonntag der ultimative Coup. Bis dahin haben die Sittener (Rang 4 mit 61 Punkten) aber durchaus noch die Gelegenheit, selbst dieser Eventualität sämtliches Bedrohungspotential zu nehmen. Dann nämlich, wenn sie sich mit zwei abschliessenden Siegen gegen den FC Lugano (Rang 3 mit 63 Punkten) und YB (51 Punkte) nicht nur den vierten, sondern sogar mindestens den dritten Tabellenplatz sichern. Was dafür spricht? Fünf Siege in Folge, 14:0 Tore und die beste Abwehr der Lage, welche offensiv durch die individuelle Qualität eines Chouaref, Boteli oder Rilind Nivokazi aktuell nahezu perfekt ergänzt wird. Was dagegen spricht? Im Moment rein gar nichts.
Wie YB
Vielleicht waren die Berner Young Boys dem FC Basel einfach endlich wieder Mal einen Schritt voraus. Schliesslich war bereits seit einer Woche klar, dass mit YB (Rang 6, 51 Punkte) mindestens einer der beiden Schweizer Giganten in der kommenden Spielzeit nicht europäisch vertreten sein würde. Seit gestern Sonntag wissen wir so gut wie sicher: Mit dem FCB wird auch der zweite SL-Riese diesem Schicksal nicht entrinnen können. Nicht nach dem 0:3 von Bern (Tore durch Dominik Pech, Darian Males und Christian Fassnacht), nicht nach der neunten Niederlage im 17. Spiel unter Stephan Lichsteiner und nicht nach einer abermals lamentablen Leistung in einem Spiel der fast letzten Chance. Eigentlich versprühten die Bebbi über 90 Minuten nur zweimal so etwas wie echte Torgefahr (Keller parierte vs. Koloto jeweils glänzend) und standen so im vierten Giganten-Duell dieser Saison zum ersten Mal mit leeren Händen da. Sehr wahrscheinlich die eine Nullnummer zu viel, denn dass der FC Sion in der aktuellen Verfassung keinen Punkt mehr holt, während Basel gleichzeitig St. Gallen und Lugano schlägt, ist in der aktuellen Situation sehr unwahrscheinlich.