Stergiou zittert, Embolo trifft – Britschgi fliegt
In der Bundesliga kommt es am kommenden Samstag zu einem historischen Abstiegsfinale, in das mit Leonidas Stergiou ein Schweizer involviert ist. In Frankreich trifft Breel Embolo und hält die Champions League-Träume von Rennes am Leben. Und Sascha Britschi ist bei Parma die tragische Figur. Der Überblick über die europäischen Top-5-Ligen.
Mit Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli gehen erstmals in der Geschichte der Bundesliga die drei Tabellenletzten punktgleich in den letzten Spieltag und sorgen so für den ultimativ spannenden Überlebenskampf. Der Grund dafür: In der zweitletzten Runde verlor Wolfsburg daheim gegen die Bayern mit 0:1 und blieb auf seinen 26 Punkten sitzen. Dasselbe passierte den Kiez-Kickern aus St. Pauli, die gegen RB Leipzig 1:2 tauchten. Es war die Chance von Heidenheim – und das Team von Leonidas Stergiou nutzte sie. Die Heidenheimer, bei denen Stergiou eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt wurde, siegten auswärts gegen den 1. FC Köln (bis zur 71. Minute mit Joël Schmied) mit 3:1 – und dürfen weiterhin vom Ligaerhalt träumen.
Die Ausgangslage vor der letzten Runde ist historisch spannend: Wolfsburg hat ein minim besseres Torverhältnis (-26) als Heidenheim und St. Pauli (beide -29) und belegt den Barrageplatz 16. Am kommenden Samstag müssen die Wolfsburger nach St. Pauli, während Heidenheim den FSV Mainz von Urs Fischer und Silvan Widmer empfängt. Für Heidenheim ist es der Lohn für ein starkes Finish. Noch vor nicht allzu langer Zeit galt Heidenheim als sicherer Absteiger, lag zwischenzeitlich zehn Punkte hinter dem 16. Platz. Sogar Trainer Frank Schmidt schätzte die Chancen auf den Ligaerhalt auf «ein oder 0,1 Prozent» ein. Doch in den letzten sieben Spielen gab es nur noch eine Niederlage (gegen Freiburg) und stattdessen zwölf Punkte. Für den Hitchcock-Samstag gilt nun für alle drei Teams: verlieren verboten, jeder Treffer zählt – denn bei Punktgleichheit entscheidet die Tordifferenz, wer absteigt und wer die Barrage bestreiten darf.
An der Tabellenspitze ist in der Bundesliga fast alles klar: Die Bayern sind längst Meister, dahinter stehen Dortmund und Leipzig als Champions League-Teilnehmer fest. Die Borussia gewann mit Gregor Kobel gegen die Eintracht Frankfurt mit Aurèle Amenda 3:2. Bei den Frankfurtern steht Trainer Albert Riera heftig in der Kritik, nachdem er in 13 Bundesligaspielen nur 16 Punkte gewonnen hat und sein Team Gefahr läuft, einen europäischen Platz zu verpassen. Besser sieht es da für den VfB Stuttgart aus, der Bayer Leverkusen mit 3:1 besiegte und sich auf Champions League-Kurs befindet Bei den Stuttgartern wurde Luca Jaquez in der 78. Minute eingewechselt, Jonas Omlin fehlte bei Bayer im Kader.
Von Europa träumen dürfen auch der SC Freiburg, der gegen den Hamburger SV 2:3 verlor, und der FC Augsburg nach dem 3:1-Sieg gegen Mönchengladbach. Johan Manzambi (bis zur 58. Minute) und Bruno Ogbus (bis zur 68. Minute) zeigten bei Freiburg eine solide Leistung, ohne den entscheidenden Akzent zu setzen, während Miro Muheim beim HSV verletzt fehlte. Bei Augsburg überzeugten Fabian Rieder und Cédric Zesiger und durften durchspielen, Nico Elvedi war bei den Gladbachern aufgrund einer Gelbsperre zum Zuschauen verdammt.
Isaac Schmidt sass bei der 0:1-Niederlage von Werder Bremen gegen Hoffenheim zuerst nur auf der Bank, wurde aber bereits nach zwölf Minuten eingewechselt. Der Grund: Sein Teamkollege Yukinari Sugawara wurde nach fünf Minuten mit Rot unter die Dusche geschickt (es war der früheste Platzverweis der Bremer in der Bundesliga), was taktische Anpassungen erforderte. Der bereits gerettete FSV Mainz verlor gegen Union Berlin mit 1:3, wobei Trainer Urs Fischer seinem Captain Silvan Widmer, der kurz vor einer Vertragsverlängerung stehen soll, eine schöpferische Pause auf der Ersatzbank gönnte. Unions Marie-Louise Eta gelang damit im vierten Anlauf ihr erster Bundesliga-Dreier – als erste Bundesliga-Trainerin der Geschichte.
Überragender Xhaka
In der Premier League liefern sich Arsenal und Manchester City ein Fernduell um den Titel, dahinter wird Manchester United nach der Nullnummer gegen Sunderland wohl das Rennen um Rang 3 machen. Bei Sunderland war Granit Xhaka der Mann des Spiels. Der Captain war wie gewohnt der Leader seines Teams und überzeugte mit den meisten Ballkontakten (97), den meisten Pässen in der gegnerischen Hälfte (23), den meisten Ballgewinnen (11), den meisten gewonnenen Zweikämpfen (5) und den meisten Tacklings (3). Zudem verursachte er kein einziges Foul. Stark!
Zeki Amdouni kam bei Burnley zu seinem zweiten Teileinsatz nach seinem Kreuzbandriss, durfte beim 2:2 gegen Aston Villa die letzten zehn Minuten mittun, blieb aber ohne Erfolgserlebnis. Dan Ndoye und Fabian Schär fehlten beim 1:1 im Direktduell ihrer Arbeitgeber Nottingham respektive Newcastle verletzt. Noah Okafor spielt erst heute Abend mit Leeds gegen Tottenham, hat aber den Ligaerhalt bereits gesichert.
In Spanien feierte der FC Sevilla gegen Espanyol Barcelona einen wichtigen 2:1-Sieg und verschaffte sich im Kampf gegen den Abstieg wichtige Luft. Drei Runden vor Schluss liegen Ruben Vargas und Djibril Sow mit ihrem Team nun auf Rang 13, haben aber nach wie vor nur drei Punkte Reserve auf den ersten Abstiegsplatz. Zwei Punkte vor Sevilla liegt der FC Valencia, der mit Eray Cömert (spielte durch) und Filip Ugrinic (in der 70. Minute eingewechselt) auswärts gegen Bilbao 1:0 gewann. Sogar auf Champions League-Kurs befindet sich Betis Sevilla. Nach dem 2:2 gegen San Sebastian, bei dem Sevillas Ricardo Rodriguez nach 70 Minuten ausgewechselt wurde, belegt Betis drei Spiele vor Schluss Rang 5, vier Zähler vor Vigo.
Neunter Treffer von Embolo
Wie Rodriguez in Spanien kann in Frankreich Nati-Stürmer Breel Embolo von der Königsklasse träumen. Er gewann mit Rennes daheim gegen den FC Paris mit 2:1 und erzielte in der 75. Minute den entscheidenden Treffer. Für Embolo war es das neunte Saisontor in der Ligue 1, damit ist er teamintern hinter Estéban Lepaul (19 Tore) die Nummer 2. Vor dem letzten Spieltag belegen Rennes und Embolo Rang 5 und haben nur zwei Punkte Rückstand auf Lille auf dem dritten Platz. In der letzten Runde muss Rennes aber auswärts gegen Tabellennachbar Marseille ran – eine schwierige Aufgabe.
Aus dem Kampf um die vordersten Plätzen verabschiedet hat sich die AS Monaco, die ohne Ersatzgoalie Philipp Köhn, aber mit Captain Denis Zakaria gegen Lille 0:1 verlor. Zakaria war dabei die unglückliche Figur, sorgte mit einem Eigentor für die Entscheidung. Yvon Mvogo gewann mit Lorient auswärts gegen Schlusslicht Metz mit 4:0 und hielt sein Tor zum sechsten Mal in dieser Saison sauber. Felix Mambimbi war bei der 0:1-Niederlage von Le Havre nur Ersatz, während Bryan Okoh beim 2:1-Sieg von Auxerre gegen Nizza nach 13 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste. Immerhin hat Auxerre mit diesem Sieg Nizza überholt und auf Platz 16 verdrängt, der gleichbedeutend mit dem Gang in die Relegation ist.
Inter Mailand gewann sein erstes Spiel als Meister souverän und bezwang auswärts Lazio Rom mit 3:0. Goalie Yann Sommer und Innenverteidiger Manuel Akanji durften wie einige andere Stammkräfte pausieren und wurden im Hinblick auf den Final in der Coppa Italia am kommenden Mittwoch geschont – in dem der Gegner erneut Lazio heisst. Weniger gut läuft es dem Stadtrivalen AC Milan, der daheim gegen Atalanta 2:3 verlor und um einen Platz in den Top 4 zittern muss. Zachary Athekame wurde bei Milan nach einer Stunde eingewechselt, Ardon Jashari schmorte einmal mehr 90 Minuten auf der Ersatzbank. Es ist definitiv eine unbefriedigende Situation für den talentierten Mittelfeldspieler.
Aufsteiger Pisa mit dem Schweizer Trio Michel Aebischer, Filip Stojilkovic und Daniel Denoon steht bereits als Absteiger fest und befindet sich auf Abschiedstournee – gegen Cremonese, einen anderen Aufsteiger, der sich nun im Abstiegsgefahr befindet, setzte es ohne Aebischer (Ersatz) und Denoon (verletzt), aber mit Stojilkovic (bis zur 65. Minute) eine klare 0:3-Niederlage ab. Da ist die Luft draussen. Ulisses Garcia wurde bei der 1:2-Niederlage von Sassuolo gegen den FC Turin eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt, Benjamin Siegrist fehlte beim 0:0 von Genua verletzt, und Remo Freuler und Simon Sohm treffen mit Bologna erst heute Abend auf Napoli, während Sascha Britschgi bei der 2:3-Niederlage von Parma gegen die AS Roma die tragische Figur war.
Der Luzerner wurde in der 74. Minute beim Stand von 1:1 eingewechselt und sah nur zwei Minuten später Gelb. In der 99. Minute leistete er sich beim Stand von 2:2 im eigenen Strafraum ein Foul und flog nach VAR-Konsultation vom Platz, während Donyell Malen den fälligen Penalty verwandelte. Die Roma bleibt dank dieses Sieges im Kampf um einen Platz in der Champions League, für Parma hat die Niederlage im breiten Mittelfeld wenigstens keine gravierenden Folgen.