Aufgefallen: Der 38. Spieltag in der Brack Super League
38 Spieltage ist es her, seit 12 Super-League-Teams voller Hoffnungen in die Saison 2025/2026 starteten. Knapp zehn Monate später ist die Geschichte einer Spielzeit erzählt, die deutlich mehr Verlierer als Gewinner hervorgebracht hat. Auch am letzten Spieltag, der noch einmal ein paar aussergewöhnliche Ereignisse mit sich brachte.
Punktlandung
Viel blieb dem FC Winterthur in dieser letzten Super-League-Woche wahrlich nicht erspart. Erst am Dienstag der ultra-bittere Abstieg nach vierjähriger Ligazugehörigkeit durch ein dramatisches 2:3 gegen GC. Dann am Samstag die Vollendung eines unrühmlichen Rekords, der dem FCW möglicherweise auf Jahre hinaus niemand mehr streitig machen wird. Mit dem 0:3 gegen den FC Luzern (Tore durch Oscar Kabwit in der 39. und 68. Minute, sowie durch Pius Dorn in der 54. Minute) mussten die Eulachstäder in dieser Spielzeit nämlich tatsächlich 100 Gegentore über sich ergehen lassen – als erster Klub in der SL-Geschichte. Im Duell mit dem FCL sprach am Ende aber nicht nur diese Statistik eine deutliche Sprache. Auch die 23:53 Punkte (in 38 Spielen) und 0:9 Torschüsse zum Abschied lassen erahnen, dass Winterthur und Luzern im kommenden Jahr zu Recht in unterschiedlichen Spielklassen unterwegs sein werden.
Nullrunde
Können Sie sich noch an Gaoussou Diakité erinnern? Die Salzburg-Leihgabe aus Mali, eine der auffälligsten Figuren der ersten sechs Super-League-Monate (sechs Tore, sechs Assists) - und dann? Verschwand der 20-Jährige wie seine Teamkollegen vom FC Lausanne-Sports Woche für Woche mehr von der Bildfläche. Jüngster Tiefpunkt: Das 1:3 gegen eine bessere U21 des Grasshopper Club Zürich, der sich zur Dernière im Stade de la Tuilière als jüngstes SL-Team der Geschichte (im Durchschnitt 20 Jahre und elf Monate) einen unerwarteten Auswärtserfolg notieren lassen konnte. Immerhin: Diakité liess es sich zum Abschied nicht nehmen, sein erstes Tor seit Januar zu erzielen, was an der vierten Waadtländer Niederlage in Folge freilich nichts änderte. Ohne Fans (das Spiel fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt) jubelten am Ende dank Toren von Dominik Papic (14.), Demis Fiechter (39.) und Christian Kouam (90.) nur die Gäste, allerdings auch dies eher verhalten. Denn für die Hoppers geht es aktuell nur noch um Eines: Sich diese Woche in der Barrage gegen den FC Aarau doch noch den Ligaerhalt zu sichern. Ob man dafür allerdings das eigentliche Meisterschaftsspiel der U21 „opfern“ musste und so den Aufstiegskampf in der 1. Liga Classic verfälschte, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Karma scheinen die Zürcher auf alle Fälle weniger zu fürchten als die bevorstehende Aufgabe gegen die Aargauer.
Noch einmal
Noch einmal trat der FC Zürich an diesem Wochenende gegen Servette Genf zu einem Heimspiel an. Noch einmal (und zum insgesamt 367. Mal) stand dabei Captain Yanick Brecher im FCZ-Kasten und musste dabei konstatieren: Eine Saison wie die Spielzeit 2025/2026 möchte wohl jeder, der es in irgendeiner Weise mit den Zürchern hält, so schnell nicht mehr erleben. Rang 10 mit 38 Punkten war es zum Abschluss einer Spielzeit, in der der Stadtklub mit fortlaufender Dauer immer schwächer wurde. Schliesslich konnte Brecher bei seinem letzten Einsatz die 13. Niederlage in diesem Jahr nicht verhindern, welche durch Gegentreffer von Jérémy Guillemenot (23.) und Junior Kadile (88.) zu Stande kam. Apropos Kadile: Der junge Franzose steht vielleicht wie kein zweiter für die späte Auferstehung der Grenats in dieser Saison, die die Genfer zum Schluss mit 53 Punkten abschlossen. Hätten sie dabei immer so erfolgreich wie in den letzten Wochen agiert (sechs Siege aus den letzten acht Spielen) und dabei stets auf Kadile (6 Tore und 10 Assists seit Februar) zählen können, wäre für den letztjährigen Vizemeister womöglich mehr als nur Rang 8 drin gelegen. Entsprechend muss man am Lac Léman hoffen, dass das Gastspiel des 23-jährigen Linksaussen kein Einmaliges bleiben wird. Die vertragliche Option, um dies sicherzustellen, haben die Genfer Verantwortlichen.
Schön war’s
Volles Haus, Erster gegen Zweiter und das für einmal in einem Duell, welches gänzlich ohne Druck ausgetragen werden konnte. Die Rede ist natürlich von der Kybunpark-Dernière zwischen Vizemeister St. Gallen und Meister Thun, welche angesichts der aussergewöhnlichen Ausgangslage wohl auch dann für gute Laune gesorgt hätte, wenn sich die 22 Akteure 90 Minuten lang nur den Ball hin und her geschoben hätten. Taten sie aber nicht und kamen so in einem zumindest teilweise unterhaltsamen Spiel durchaus auch regelmässig zu Torchancen. Zwei davon vermochten St. Gallens Bündner Corsin Konietzke (65.) und Thuns St. Galler Michael Heule (73.) sogar zu Toren zu verwerten und sorgten damit für die Art von Meisterschaftsende, mit dem sowohl das Publikum als auch die beiden Teams mit Sicherheit leben konnten. Ganz zu Ende ist die Fussballsaison 25/26 jedoch zumindest für die Ostschweizer noch nicht. Für den FCSG geht es nämlich am kommenden Sonntag im Cupfinal gegen Stade Lausanne-Ouchy darum, die erfolgreichste Super-League-Kampagne seit dem Meistertitel 2000 noch mit dem ersten Titel seit eben jenem Triumph zu vergolden.
Zum bitteren Ende
Vielleicht will man sich das in Basel ja doch noch einmal überlegen. Diese Sache mit Stephan Lichtsteiner, FCB-Cheftrainer seit Ende Januar und in dieser Zeit so erfolglos (1,25 Pkt./SL-Spiel), dass in der ewigen Trainerliste der Bebbi eigentlich nur noch Timo Schultz (eben mit Osnabrück in die 2. Bundesliga aufgestiegen) unter ihm rangiert. Denn Besserung war auch an diesem finalen SL-Wochenende nicht in Sicht. Im Gegenteil. Gegen den noch um Rang 3 spielenden FC Lugano unterlag der FCB gleich mit 0:4 (Torschützen zweimal Kevin Behrens, Renato Steffen und Georgios Koutsias) und lieferte so quasi mit dem Schlussbouqet der Saison 25/26 den nächsten Tiefpunkt. Auf alle Fälle schafften es die Basler doch tatsächlich, im bedeutungslosen letzten Saisonspiel noch einmal ganz viele Argumente dafür vorzubringen, um am Festhalten an Lichtsteiner trotz Vertrag bis 2029 ernsthaft zu zweifeln. Auf der anderen Seite durften sich die Tessiner freuen: Im letzten Spiel im «alten» Cornaredo sicherten sich die Luganesi Rang 3 (67 Pkt.) und dürfen die neue Arena als Belohnung dann im Juli mit Spielen auf europäischem Parkett einweihen.
Spätzünder
Mit sieben Punkten aus drei Spielen begann die zweite Ära Seoane im vergangenen November. Nun ging die Spielzeit 25/26 nach dem 3:3 zwischen YB und Sion mit einer identischen Serie zu Ende. Das Problem: In den rund sechs Monaten dazwischen kam von den Berner Young Boys viel zu wenig, als das am Ende mehr als der enttäuschende 6. Rang (55 Punkte) resultierte. Auf der anderen Seite spielte der FC Sion (63 Punkte) die beste Saison seit Jahren und beendet diese nach einer Serie von zehn Spielen ohne Niederlage verdientermassen auf dem 4. Rang. Was jetzt noch fehlt? Einzig ein St. Galler Cupsieg (vs. Stade Lausanne-Ouchy), der den Wallisern den Weg in den europäischen Wettbewerb definitiv ebnen würde. Gestern verpassten sie diesen Schritt u.a. auch aufgrund eines 3:3 gegen die Berner (Tore durch Pech, Essende und Virginius; für Sion trafen Rrudhani, Boteli und Chipperfield), die somit vielleicht doch noch einen Grund fanden, mit einem Lächeln auf die neue Spielzeit zu blicken. Denn Wintereinkauf Samuel Essende scheint im Saisonfinale nach langen Startschwierigkeiten (elf Spiele ohne Tor) doch noch seinen Torinstinkt wiederentdeckt zu haben. Gegen Thun und Sion traf der Kongolese innert drei Tagen vier Mal.