skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Analysen Fussball

Hier wird gezittert: Fünf Schlüssel zum Abstiegskracher GC vs. Winti

Patrick

Es ist angerichtet. Wenn der Grasshopper Club Zürich (27 Punkte) heute Abend den FC Winterthur (23 Punkte) zum Duell 11 gegen 12 empfängt, entscheidet sich möglicherweise der vermeintlich längst entschiedene, schwächste Abstiegskampf der SL-Geschichte. Wobei mangelnde Qualität zum Glück nicht zwingend weniger Spannung bedeutet, wie man am Beispiel der beiden Zürcher Kantonsrivalen eindrücklich sieht. Wer heute Abend das Rennen macht? Hier sind fünf Schlüsselbereiche, die den Ausgang dieses Duells massiv beeinflussen werden.

Keystone_Wer gerät heute ins Stolpern_ Für Luca Zuffi und Michael Frey geht es im Direktduell von heute abend um alles
Wer gerät heute ins Stolpern: Für Luca Zuffi (l., Winterthur) und Michael Frey (GC) geht es im Direktduell von heute Abend um Alles © Keystone / Walter Bieri

Die mentale Verfassung

Auf der einen Seite der Grasshopper Club Zürich. Noch immer Schweizer Fussballrekordmeister, mittlerweile aber bereits zum dritten Mal in Folge in grösstmöglicher Abstiegs- und Barragegefahr. Auch das ein Rekord, aber einer, auf den ein Quintett aus Captain Amir Abrashi, Dirk Abels, Justin Hammel, Tim Meyer und Samuel Marques gerne verzichtet hätte, tragen die Fünf doch mindestens seit der Spielzeit 23/24 das Zürcher Blau-Weiss. So schlimm wie in diesem Jahr, stand es um die Hoppers jedoch noch nie, biegen sie doch als klar formschwächstes Teams auf die Zielgerade dieser Super-League-Saison ein. Wettbewerbsübergreifend vier Niederlagen in Folge, massive Drohungen und Proteste der eigenen Fans (auch wenn sich diese in erster Linie an die Klubführung richten) sowie die schwächste Rückrunde der Liga (10 Punkte) machen die Situation beim GCZ gerade für alle Beteiligten sehr ungemütlich. Es wäre ein Wunder, wären die GC-Köpfe heute Abend frei und die Beine leicht.

Genau hier liegt natürlich auch die grosse Chance des FC Winterthur. Anders als die Stadtzürcher, sind die Eulachstädter aktuell so etwas wie im Hoch, erleben mit neun Zählern aus den letzten neun Spielen sogar die (auf tiefem Niveau) punktemässig beste Phase der gesamten Saison. Für Winti ist die heutige Partie im Letzi so etwas wie ein „best case scenario“, war man nach dem 0:1 im letzten Direktduell am 33. Spieltag doch bereits so gut wie abgestiegen. Zuletzt hatte die Mannschaft von Trainer Patrick Rahmen eigentlich nichts mehr zu verlieren, was auch heute Abend eine entscheidende Rolle spielen könnte. Gelingt es dem FCW auch im Letzi die Realität quasi auszublenden, könnte das im vierten Saisonduell dieser beiden Teams zum ersten Mal mit drei Winterthurer Punkten belohnt werden. Alles andere wäre für den Tabellenletzten allerdings auch definitiv zu wenig. Aber daran sollte rund um die Schützenwiese möglichst niemand denken.

 

Winterthurs Verteidigung gegen GCs Offensive

Zumindest in einer Kategorie sind die beiden Abstiegskandidaten bereits vor dem heutigen Direktduell gleichauf. Unter geschossenen Toren zeigt die Tabelle nämlich an: GC 42, Winterthur 42. Selbstredend sitzen die beiden Zürcher Klubs mit dieser Bilanz ganz unten im SL-Keller und doch verschweigt uns dieser oberflächliche Blick eine wichtige Erkenntnis der letzten Wochen (und im Falle von GC sogar Monaten): Die offensive Formkurve der beiden Kontrahenten verläuft absolut diametral. Bereits sieben Mal konnte der Winti-Angriff seit Beginn der Relegation Group nämlich reüssieren, während GC in der selben Zeitspanne auf zwei Treffer kommt. Viel entscheidender jedoch ist die Tatsache, dass der FCW mit Andrin Hunziker (11 Saisontore) und Nishan Burkart (vier Treffer und eine Vorlage in den letzten sechs Spielen) aktuell über ein Sturm-Duo verfügt, dass diesen Namen auch verdient. Bei GC, wo der beste Skorer Luke Plange (10 Saisontore) und Derby-Torschütze Emmanuel Tsimba verletzt und gesperrt fehlen, stehen heute Abend mit dem Duo Frey/Lee maximal drei Saisontore und überhaupt kein Speed auf dem Platz.

Und trotzdem wäre es verfrüht, die Felle in diesem Vergleich vorschnell an den FC Winterthur zu verteilen. Denn natürlich hat auch der Tabellenletzte auf dem Platz ein ziemlich gewaltiges Problem – die eigene Defensive. Diese ist in dieser Spielzeit löchriger als ein Schweizer Käse und hat bislang bereits 94 Gegentore zulassen müssen (2,61 pro Spiel). Fast noch gravierender ist jedoch die Tatsache, dass es Winti in 36 Anläufen noch nicht ein einziges Mal gelungen ist, zu Null zu spielen. Ob die Winterthurer dieses Serie ausgerechnet heute beenden können? Trifft der Hopper-Angriff um Alleinunterhalter Jonathan Asp-Jensen (der zuletzt auch in Winterthur das wichtige 0:1 erzielte) nicht, würde das die Aussichten der Eulachstädter noch einmal deutlich verbessern.

 

Keystone_Philippe Schmidli_ Hoffnungsträger _ PZ soll bei GC heute Abend das abolute Worste Case Szenario verhindern
Hoffnungsträger Nr. 3: Peter Zeidler soll bei den Grasshoppers den absoluten "worst case" verhindern (Keystone / Philippe Schmidli)

Die Sache mit der Disziplin

Disziplin? Ist für den Erfolg einer Fussballmannschaft von grundlegender Bedeutung. Egal ob im täglichen Training, beim Befolgen taktischer Anweisungen oder beim Verhalten im Teamgefüge – ohne Disziplin hat es selbst das talentierteste Team schwer, das eigene Potential auszuschöpfen. Und dann gibt es da natürlich noch den grundlegendsten Fall von Disziplin im Fussball, nämlich den vom Befolgen der Spiel- und Foulregeln, mit denen sich die Grasshoppers in dieser Spielzeit so unglaublich schwer tun. Bereits zwölf Mal wurde ein Hopper in der laufenden Kampagne des Feldes verwiesen, zuletzt je einmal mit desaströsem Impakt im Rahmen der beiden Niederlagen gegen Servette und den FCZ. Auch wenn ein Platzverweis nicht zwingend mit einer Niederlage gleichgesetzt werden muss – im Spiel von heute Abend darf man durchaus davon ausgehen, dass wer auch immer in Unterzahl agieren sollte, daran schwer zu beissen haben wird. Zuletzt waren die Hoppers zu zehnt jeweils zu überhaupt keiner Reaktion mehr fähig, was die Anhänger von Blau-Wiess fast genau so beunruhigen sollte, wie folgende Statistik: Gegner Winterthur gehört in dieser Saison bislang zu diszipliniertesten Teams der Liga (erst vier Platzverweise).

 

Folge dem Plan

Mit Verlaub – welchem Plan? Gehörte der GCZ bis Ende Februar noch zu den berechenbarsten Teams der Liga (bevorzugtes System: 3-4-3-flach), wechseln die Zürcher ihre Spielanlage seitdem fast im Wochenrhythmus. Von der lange Zeit kritisierten Dreier- auf eine Vierabwehr, von einem auf zwei Stürmer und auch wieder zurück. Dazu kommen häufige Personal- und Positionswechsel und so ist es kein Wunder, dass GC im Verlauf der Saison anstatt besser, noch schlechter geworden ist. Zuletzt brachte der Tabellen-11. unter Trainer Nr. 2 Gerold Messner noch weniger PS auf den Boden, als unter Vorgänger Gerald Scheiblehner, weshalb mit Peter Zeidler seit zehn Tagen ein dritter Hauptübungsleiter sein Glück versuchen darf. Gebracht hat das zumindest beim ersten Auftritt am Wochenende noch nichts.

Beim FCW ist die Situation insofern etwas besser, als mit Patrick Rahmen erst der zweite Übungsleiter an der Seitenlinie steht, und dies nun immerhin auch seit bereits 27 Spielen. Experimentiert wird aber auch in Winterthur regelmässig, in erster Linie im Bestreben, die desolate Defensivreihe endlich in den Griff zu bekommen. Bislang mit bescheidenem Erfolg. Zuletzt wechselte Rahmen von einer Dreier- wieder auf eine Viererabwehr mit dem Effekt, dass Winti aus Partien gegen den FCZ und Lausanne-Sport vier wichtige Zähler holte. Aus diesem Grund dürften die Eulachstädter auch heute Abend mit einer Viererkette ihr Glück versuch – obwohl es auch gegen den Stadtklub und die Waadtländer drei weitere Gegentore setzte.

 

Keystone _Gaetan Bally_Soll auch heute Abend mit beiden Hànden zugrieifen_sK_Rückhalt des
Soll auch heute Abend mit beiden Händen zugreifen: FCW-Rückhalt Stefanos Kapino (Keystone / Gaetan Bally)

Die Torhüter

Eines vorweg: An den beiden Torhütern Justin Hammel (25) und Stefanos Kapino (32) liegt es mit Sicherheit nicht, das sich die beiden Kantonsrivalen vor dem heutigen Abstiegsduell ganz tief im Tabellenkeller befinden. Und doch kommt ihnen heute Abend eine möglicherweise entscheidende Rolle zu: Beide können für ihre ansonsten meist überforderten Vorderleute mit starken Paraden (bislang 156 von Kapino, 106 von Hammel) oder einem gehalten Elfmeter (5 von 11 bei Kapino; 2 von 9 bei Hammel) enorm dazu beitragen, den «worst case» Direktabstieg zu verhindern. Natürlich gilt das auch für den gegenteiligen Fall, den gefürchteten «Goalie-Fehler», der gerade in der aktuellen Situation für beide Teams verheerende Folgen habe könnte. Zuletzt patzte Kapino beim Auftakt in die Relegation Group böse, als er Servette-Stürmer Stevanovic den Ball zum 0:1 direkt selbst anschoss. Auf der anderen Seite liess der eigentlich Abstiegskampf erprobte Hammel die gewohnte Souveränität gelegentlich vermissen, Griff im Spiel gegen den FCL beim 1:1 durch Kevin Spadanuda daneben und holte sich auch beim FCZ-Ausgleich am vergangenen Wochenende keine guten Noten ab. Ist der nächste Fehler der entscheidende? Hoffen wir, dass den beiden Keepern diese ganz bittere Erfahrung erspart bleibt.

 

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss