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Ausgerechnet beim "Barragemeister": Steigt der FC Aarau heute auf?

Patrick

GC vs. Aarau – ein Affiche, die meine Gedanken als Erstes zurück in meine Kindheit schweifen lässt. Damals, im November 1982, als der Aargauer Underdog beim Liga-Dominator zu Gast war, mit 0:7 unterging und ich eines der ersten Fussballspiele meines Lebens erlebte. Tempi passati. Wenn der FCA heute Abend nach Zürich zurückkehrt, ist ein solcher Ausgang nahezu ausgeschlossen. Ja, den Rüebliländern winkt sogar die grosse Chance, mit einem Sieg in die Super League zurückzukehren.

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Einer der vielen Aarauer Standarts, die am Montag nichts einbrachten. Klappt es für die Verteidiger Acquah und Müller (in weiss) heute, könnte das den Aufstieg bedeuten © Keystone / Urs Flueeler

Die Chance nach der verpassten Chance

Steigen die „Unaufsteigbaren“ und ihr Anhang tatsächlich in Zürich auf? In jener Stadt also, in der sie im Mai 1988 für Schlagzeilen sorgten, in dem sie ihre Autos kurzerhand auf der stadionnahen Autobahn stehen liessen, um das damalige Meisterschaftsfinale zwischen ihrem FCA und GC nicht zu verpassen? Es wäre ein verrücktes Ende einer verrückten Saison, die für die Mannschaft von Trainer Brunello Iacopetta eigentlich bereist vor knapp einer Woche hätte zu Ende gehen müssen. Doch dann „veraarauerten“ die Aarauer mit einem 2:2 gegen Yverdon abermals den unmittelbar bevorstehenden Aufstieg und müssen nun zur Strafe nachsitzen. Und das taten sie am Montag, nur 72 Stunden nach dem Nackenschlag gegen die Waadtländer, überraschend gut. Beim 0:0 im Brügglifeld waren sie über weite Strecken der Partie sogar die etwas bessere Mannschaft, was gegenüber dem Vorjahr einer deutlichen Steigerung gleichkam. Damals hatten die Aarauer ihre Aufstiegshoffnungen nach einem 0:4 im Barrage-Hinspiel gegen den selben Gegner bereits begraben müssen. Dieses Mal ist die Ausgangslage vor der zweiten Partie aus Aargauer Sicht deutlich besser.

 

Kein Heimnachteil

Eines ist sicher: Anders als bei den jüngsten, missglückten Aufstiegsversuchen kommen die Aarauer dieses Mal in den Genuss, den letzten Schritt in Richtung Beletage nicht zu Hause machen zu müssen. Denn genau diese Ausgangslage schien den FCA zuletzt eher zu lähmen, als zu beflügeln. Wie letzte Woche gegen Yverdon (nach 2:0-Führung) scheiterte der ehemalige FC Wunder in den Jahren zuvor nämlich bereits gegen Vaduz und Xamax Neuchâtel und dies, bei durchwegs guter bis sehr guter Ausgangslage. Da kann es nicht schaden, für die finale Episode der aktuellen Kampagne für einmal reisen zu müssen, zumal der Aarauer Anhang die kurze Fahrt ins nahe Zürich in vielleicht noch grösseren Mengen antreten dürfte, als das in Aarau (Kapazität 8‘000) überhaupt möglich gewesen wäre. Am Druck zu Hause quasi gewinnen zu müssen wird die Mission „Aufstieg“ dieses Mal also ebenso wenig scheitern, wie an mangelndem Support.

 

Keystone_Claudio Thoma_Soll noch einmal für den Unterscheid sorgen_ JAJ_offensiver Alleinunterahlter bei GC
Soll noch einmal für den Unterschied sorgen: Jonathan Asp Jensen (l.), der Alleinunterhalter in der GC-Offensive (Keystone / Claudio Thoma)

GC: Verwundbar und Verunsichert

Eine Sache ist in der Barrage Jahr für Jahr gleich. Wenn sich der Zweitplatzierte der Challenge League daran macht, den verpassten Direktaufstieg gegen den zweitschwächsten Superligisten nachzuholen, dann tut er das in der Regel gegen einen verwundbaren und verunsicherten Gegner. Dieses Jahr ist da keine Ausnahme, ganz egal, wie knapp die Aargauer den Direktaufstieg vor Wochenfrist verpasst haben. Denn auf der Gegenseite wartet mit den Grasshoppers ein Gegner, der bereits im dritten Jahr in Folge um den Ligaerhalt bangen muss. Selbstvertrauen kann da gar nicht rauhen Mengen vorhanden sein, umso mehr die Hoppers vor wenigen Wochen bereits erfahren mussten, wie wenig sie derzeit (wenn überhaupt) von einem besseren Challengeligisten unterscheidet. Die 0:2-Pleite im Cuphalbfinal bei Stade Lausanne-Ouchy setzte darüber hinaus auch einen Prozess in Gang, in dessen Verlauf die Wut der frustrierten Fanbasis zum ersten Mal auch für die Spieler spür- und sichtbar wurde. Zwar hat sich die Situation in den vergangenen Spielen wieder normalisiert und unter Peter Zeidler ist ein ganz leichter Aufwärtstrend spürbar (keine Niederlage in den letzen drei Spielen), wie sehr die Vorkommnisse in Lausanne Spieler und Anhang jedoch weiterhin beschäftigen, wird man ultimativ erst dann sehen, wenn sich die Schlinge um den GC-Hals im Rückspiel noch etwas mehr zuziehen sollte. 

 

Tore müssen her

Klar ist: Nach dem 0:0 im Hinspiel, muss es im Rückspiel mit dem Toreschiessen klappen. Das ist einfacher gesagt als getan, wenn man sich dabei die 90+ Minuten vom Montag in Erinnerung ruft, in denen sich beiden Teams enorm schwer taten, klare Torchancen herauszuspielen. Wenn es gefährlich wurde, dann meist in der Nähe des Zürcher Tores, dem sich die Aarauer vor allem mit zahlreichen stehenden Bällen annähern konnten. Zwingende Torchancen entstand daraus zwar nicht, aber es ist zumindest vorstellbar, dass der FCA im Rückspiel auf diese Art und Weise zu einem (oder zwei) erfolgreichen Abschlüssen kommen könnte. Weil die Aargauer mit dem ehemaligen GC-Junior Valon Fazliu (14 Tore / 12 Vorlagen) über einen durchaus begabten Freistoss- und Flankenspezialisten verfügen und, weil der Aufstiegsanwärter mit Elias Filet (21 Tore), Daniel Afriyie (12 Tore) und Shkelqim Vladi (11 Tore) über ein Sturmtrio verfügt, dass in dieser Spielzeit sehr regelmässig getroffen hat. Genau das können die Hoppers nicht von sich behaupten, die ohne den verletzen Topskorer Luke Plange (10 Saisontore) auf ein Angriffstrio (Michael Frey, Youngjun Lee, Emmanuel Tsimba) setzen müssen, dass in dieser Saison bislang genau acht Mal jubeln konnte. Kein Wunder, hatte man auch im Barrage-Hinspiel am Montag nie das Gefühl, dass die Grashoppers so wirklich genau wissen, wie sie ein Tor erzielen können. Ändert sich das auch heute Abend nicht, kann ihnen eigentlich nur noch eine Einzelaktion von Jonathan Asp-Jensen oder ein Zufallsprodukt dabei helfen, den Abstieg auch im dritten aufeinanderfolgenden Jahr in Extremis zu verhindern.

 

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