Cedric Itten und das Hoffen auf den Ketchup-Effekt
Im Sommer wechselte Cedric Itten ablösefrei von Fortuna Düsseldorf zu Werder Bremen, wo ein halbes Jahr zuvor sein früherer Trainer Daniel Thioune übernommen hatte. Mit im Gepäck hatte der Schweizer Nati-Stürmer 15 Tore in der 2. Bundesliga. Die Hoffnung auf viele Spielminuten und Tore hat sich für ihn aber bislang nicht erfüllt.
Thioune war im Oktober 2025 bei der Fortuna gefeuert worden. Doch der persönliche Draht zu Itten blieb bestehen. «Auch als ich nicht mehr Trainer war in Düsseldorf, habe ich mich mit ihm ausgetauscht, bin mal mit ihm essen gegangen - das pflege ich grundsätzlich mit Spielern, die mir auf meinem Weg begegnet sind», sagte Thioune vor der neuen Saison. Es sei «vielleicht auch ganz zuträglich, dass wir kein so schlechtes Verhältnis haben, dass er sich dann für uns entschieden hat», so der heutige Werder-Trainer.
Er schwärmte damals vom Schweizer. «Er ist ein Top-Charakter, so viel kann ich sagen. Und das Profil ist spannend, das weiss ich.» Grundsätzlich habe der Basler schon gezeigt, dass er in der ersten Liga spielen könne, so Thioune mit Blick auf Ittens Engagements in Fürth, bei den Glasgow Rangers, den Young Boys, dem FC St. Gallen und dem FC Basel. «Jetzt war es der Schritt zurück, um wieder zwei nach vorne zu gehen und das ist ihm sehr gut gelungen.»
Eine statistische Brille
Die Perspektiven waren entsprechend gut, als Itten nach der WM in sein neues Abenteuer startete. Doch die Realität sieht nun anders aus. In den ersten sieben Runden der Bundesligasaison kam der Mittelstürmer nur auf fünf Teileinsätze und 179 Spielminuten. In der Anfangsformation stand er nie, zweimal schmorte er 90 Minuten auf der Bank. Immerhin kam er im DFB-Pokal am Dienstag zu seinem Startelf-Debüt, doch bei der 2:3-Niederlage gegen Dortmund blieb er blass und ohne jegliche Fortune. Seine persönliche Statistik ist nach wie vor eine Brille – 0 Tore, 0 Assists – und so liefert er aktuell keine Argumente für mehr Einsatzzeit.
Dies auch angesichts der Tatsache, dass sich sein Widersacher im Sturm in Traumform präsentiert. Der Deutsche Niclas Füllkrug kehrte auf diese Saison hin nach Bremen zurück – und schlug voll ein. In der Liga steht er nach sieben Spielen bei acht Toren. Im Pokal wurde er gegen Dortmund nach 59 Minuten für Itten eingewechselt – und erzielte innert neun Minuten ein Doppelpack. Es war ein weiteres, fettes Ausrufezeichen und die Bestätigung, dass das Team ihn braucht.
Füllkrug steht damit Itten vor der Sonne, und es gibt keine Anzeichen, dass der Schweizer diesen Schatten schon bald verlassen könnte. Itten wiederum ist gefordert, jede sich bietende Chance zu nutzen und auf sich aufmerksam zu machen, wenn ihm der Coach Auslauf gewährt. Das ist ihm aber nicht wirklich gelungen. Weder in den 59 Minuten gegen Dortmund noch zuvor in den Spielen gegen Mainz und Paderborn, als er zu neun respektive 27 Spielminuten kam. Entsprechend fiel gerade nach dem Spiel gegen Paderborn das Urteil von Trainer Thioune aus: «Niclas ist der Grund, warum er nicht so viel spielt, wie er es sich vorstellt. Das System ist jetzt gerade fix. An Niclas führt aktuell kein Weg vorbei.» In den Augenblicken, in denen Itten zum Einsatz komme, müsse er sich aber auch zeigen. «Er ist ein Stürmer und es wäre deutlich besser gewesen, wenn er ein Tor erzielt oder zumindest ein paar Abschlüsse gehabt hätte. Ich hätte mir ein bisschen mehr Präsenz in der Box gewünscht», so Thioune.
Kritik und Lob
Es waren harte Worte des Trainers, der sie ein paar Tage später aber auch relativierte und sagte: «Ich bin völlig falsch verstanden worden, aber vielleicht habe ich mich sehr schlecht ausgedrückt. Fälschlicherweise ist ein Bild entstanden, dass dieser Spieler A nicht die Qualität besitzt und B nicht auf den Platz gehört – und das ist überhaupt nicht der Fall. Der Junge macht einen richtig guten Job!» Er glaube weiterhin an Itten: «Er gibt uns ausserhalb des Feldes unheimlich viel und hat auch auf dem Platz eine gute Qualität.»
Niclas Füllkrug ist bei Werder im Moment gesetzt, an dieser Hierarchie kann auch Cedric Itten nichts ändern. Doch gerade auch der Deutsche ist ein Beispiel dafür, wie schnell es im Fussball gehen kann. In der letzten Saison war er in der Vorrunde bei West Ham weit von einem Stammplatz entfernt. In der zweiten Saisonhälfte wurde er in die Serie A an die AC Milan ausgeliehen, kam in 20 Spielen zu 647 Einsatzminuten und einem Tor. Bei Werder hat nun der Ketchup-Effekt eingesetzt – wieso sollte dies nicht auch schon bald bei Cedric Itten der Fall sein?