Crash-Test gegen die Finnen
Gastgeber Schweiz oder Finnland? Heute Abend geht es in der Swiss Life Arena um den Sieg in der Vorrundengruppe A. Es ist das Duell von Spielern, die sich bestens kennen, von zwei Teams, die bislang überzeugt haben – und für die Schweiz eine echte Belastungsprobe.
Die Schweizer und die Finnen stehen an dieser WM nach sechs Spielen als einzige Teams noch ohne Verlustpunkt da und sind längst für die Viertelfinals qualifiziert. Ungeschlagen sind zudem auch die Kanadier, die aber gegen Norwegen in die Overtime mussten und einen Punkt abgaben. Dieses Trio gehört natürlich zu den Favoriten auf den WM-Titel, wobei speziell die Schweiz geglänzt und an dieser WM nach sechs Spielen am meisten Tore erzielt (35) und am wenigsten Treffer (5) kassiert hat.
Das Spiel gegen die Finnen kann das Team von Jan Cadieux unbeschwert in Angriff nehmen, zumal noch Schweden, die Slowakei, Norwegen und Tschechien als Viertelfinalgegner in Frage kommen und viele Eventualitäten mitspielen. Doch bei der Nati liegt der Fokus sowieso nicht auf der Zukunft, sondern auf dem Hier und Jetzt. «Als Mannschaft bleiben wir im Moment. Wir haben uns fest vorgenommen, nicht vorauszuschauen, sondern Tag für Tag zu nehmen. Ich weiss, das ist eine Floskel, aber schlussendlich muss das so sein in so einem Turnier. Unser Ziel ist es auch, unsere beste Version zu sein», sagt Stürmer Timo Meier, der mit drei Toren und sechs Assists hinter den ZSC-Assen Sven Andrighetto (4/9) und Denis Malgin (3/7) der drittbeste Schweizer Skorer ist.
Euphorie in Energie umwandeln
Meier ist massgeblich daran beteiligt, dass die Schweizer Offensivmaschinerie wie geschmiert läuft. Und er ist mit den bisherigen Leistungen zufrieden. «Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass härtere Spiele kommen. Der ganze Weg wird hart», erklärte Meier gegenüber der Aargauer Zeitung. «Aber die Partien, die wir schon siegreich gestalten konnten, die musst du auch erst einmal so gewinnen. Finnland vor dem Viertelfinal noch zu haben, ist perfekt. Wir wissen, dass wir als Mannschaft einander vertrauen. Die Euphorie, die von aussen entsteht, die nutzen wir als Energie auf dem Eis.»
Ein weiterer Sieg gegen Finnland würde nun einerseits die Euphorie noch weiter steigern und andererseits für ein gutes Gefühl im Hinblick auf den Viertelfinal am Donnerstag sorgen. Und es wäre die Revanche für den bitteren Olympia-Viertelfinal im Februar, als die Schweizer lange mit 2:0 führten und in der Overtime mit 2:3 ausschieden, während die Finnen am Ende über die Bronzemedaille jubeln konnten. Klar ist, dass die Finnen nun ein willkommener Crash-Test auf dem Weg zum angestrebten und ersehnten WM-Titel sind.
Ein Duell auf Augenhöhe
Die Schweizer sind bis jetzt offensiv das effizienteste Team des Turniers, haben das beste Powerplay und mit 95,19 Prozent abgewehrter Schüsse die besten Goalie-Leistungen. Doch auch die Finnen sind stark, belegen in der Tor-Effizienz Rang 4, haben das zweibeste Powerplay und das beste Unterzahlspiel und mit Justus Annunen und Joonas Korpisalo zwei starke Torhüter. Es ist also ein Duell auf Augenhöhe.
Zudem kennen sich die beiden Teams bestens: Im Kader der Finnen stehen insgesamt 13 Spieler aus Nordamerika, wobei Aleksander Barkov, der mit Florida zweimal den Stanley Cup gewann, der bekannteste ist. Nati-Coach Jan Cadieux kann im Gegenzug auf sechs Hochkaräter aus der NHL zählen. Bei den Finnen sind zudem acht Spieler dabei, die ihr Geld in der National League verdienen. Darunter Jesse Puljujärvi, der aktuelle Topskorer der Finnen, Servette-Stürmer und Erstrundendraft der Edmonton Oilers und Nummer 4 overall von 2016. In jenem Jahr wurden übrigens auch zwei aktuelle Stürmer der Schweizer Nati ausgewählt: Damien Riat (Washington, Nummer 117) und Calvin Thürkauf (Columbus, Nummer 185).
«Die Finnen kommen immer mit einer guten Mannschaft an eine WM. Sie sind defensiv sehr kompakt und es wird sicher schwieriger, zu Abschlüssen zu kommen, als bisher. Aber das Rezept bleibt immer das gleiche: schnell spielen, schnell und schnörkellos in die Zone kommen, Puck vor das Tor bringen, auf Abpraller gefasst sein», sieht Verteidiger Janis Moser als Rezept für den Showdown im Kampf um den Gruppensieg, während der bei Servette unter Vertrag stehende Finnland-Back Vili Saarijärvi über die Schweiz sagt: «Wir müssen uns ihrer Stärken bewusst sein und ihnen Zeit und Raum nehmen. Wir dürfen den Puck nicht an ungünstigen Stellen verlieren, daher müssen wir unsere Spielzüge in der Offensivzone sehr klug zu Ende spielen. In der neutralen Zone dürfen wir den Puck nicht verlieren, um ihnen keine leichten Angriffe zu ermöglichen, und in der Verteidigungszone müssen wir hart spielen.»