skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Analysen Eishockey

Zwei Siege bis Endstation Sehnsucht

Andy

Die Fans verlassen singend das Stadion. Einen Steinwurf vom Stadion entfernt rast ein Zug vorbei und unterstützt mit lange anhaltendem Alarmzeichen die feiernden Zuschauer. Die Euphorie wächst und wächst: Die Eishockey-WM zieht alle in ihren Bann.

713618625_highres
Die Entscheidung im Viertelfinal gegen Schweden: Calvin Thürkauf (links) erzielt nach brillanter Vorarbeit von Nico Hischier das 3:1. © KEYSTONE/Claudio Thoma

Die Stimmung kommt in Zürich dem Siedepunkt immer näher, und das ist nicht nur wegen des sommerlichen Wetters und der hohen Temperaturen so. Die Eishockey-WM, deren späte Austragung sonst regelmässig kritisiert oder spöttisch kommentiert wird, lässt praktisch niemanden kalt. Die Stimmung in und um die Swiss Life Arena ist elektrisierend. Herr und Frau Schweizer fiebern mit Josi, Hischier, Genoni und Co. mit.

Noch zwei Siege fehlen nach dem Sieg gegen Angstgegner Schweden, um die «Mission Gold» erfolgreich abzuschliessen. Zwei Siege bis zur Endstation Sehnsucht. Bis zur Erfüllung des WM-Traumes, der nach den Silbermedaillen in den letzten beiden Jahren endlich Realität werden soll.

Das Publikum trägt das Team von Nationaltrainer Jan Cadieux. Die Swiss Life Arena ist bei den Schweizer Spielen ein rot-weisses Tollhaus mit einem ohrenbetäubenden Geräuschpegel. Die Stimmung ist ebenso ausgelassen wie friedlich. Man feiert gemeinsam dem ganz grossen Coup entgegen.

Der Besuch von Maestro Federer

Welchen Stellenwert die Nati aktuell hat, widerspiegelt sich auch in der Tatsache, dass Roger Federer am Donnerstag im Stadion war, die Nati in der Garderobe besuchte und die Starting Six, die Startaufstellung beim ersten Bully, präsentierte. «Ich gratuliere schon einmal», sagte der Maestro zum Team. «Ich weiss, wir haben noch nicht alles gewonnen, aber jetzt geht es los. Darum, lasst mich das ‹Starting-Lineup› machen, mit einem Gewinner-Mindset.» Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. «Ich habe ihn das erste Mal live gesehen. Das war absolut krank und geil. Danach hätte ich durch eine Wand rennen können», sagte ZSC-Verteidiger Christian Marti später.

Und so war die Nati bereit für die Schweden. Trotzte den Widerwärtigkeiten. Spielte hart und ging dem Gegner unter die Haut. Bestand den Elch-Test. Und zog nach dem 3:1, dem achten Sieg im achten Spiel dieser WM, in den Halbfinal ein, wo am Samstagnachmittag Norwegen wartet. «Wir gehen füreinander, wir stehen füreinander auf, wir blocken Schüsse füreinander. Dazu kommen noch unsere Fans – es macht nur Spass», sagte Stürmer Denis Malgin, der Schütze des 2:1. Das Team wolle unabhängig vom Gegner sein Spiel durchziehen: «Wir wissen, dass wir jede Mannschaft schlagen können. Das ist ausschlaggebend.»

Charakter und Mindset

Ähnlich sieht es Trainer Jan Cadieux: «Wir waren bereit, auch harte Momente einzustecken. Diese Mannschaft hat Charakter und ein unglaubliches Mindset. Wir sind bereit für diese Momente und haben das gezeigt!» Es sei unglaublich, wenn man die Bilder der Fans sehe. «Darum liebe ich Eishockey, weil wir diese Emotionen teilen und erleben können. Ich hoffe, dass das eine nächste Generation inspiriert. Der Plan bleibt gleich: Egal gegen wen wir spielen, wir passen unser Spiel nicht an.»

Der nächste Gegner ist nun am Samstagnachmittag Norwegen. Zum dritten Mal in Folge steht die Schweiz im WM-Halbfinal. Zum dritten Mal in Folge will die Nati in den Final einziehen. Und dann erstmals überhaupt den WM-Titel gewinnen. Doch zuerst muss wie erwähnt die Hürde Norwegen überwunden werden. Und die Nordländer dürfen, auch wenn die meisten ihrer Spieler in der Schweiz unbekannt sind, nicht unterschätzt werden.

Norwegen hat bislang eine bemerkenswerte WM gespielt und beendet das Turnier erstmals seit 2012 (Rang 8) in den Top Ten. Es gab Siege gegen Schweden (3:2), Tschechien (4:1), Dänemark (4:3 nach Overtime), Slowenien (4:0) und Italien (4:0) sowie im Viertelfinal gegen Lettland (2:0), einzig die Duelle gegen Kanada (5:6 nach Verlängerung) und zum WM-Auftakt gegen die Slowakei (1:2) gingen verloren. Entsprechend will Captain Roman Josi nichts von einer Formsache oder Pflichtaufgabe wissen: «Man muss sich nur anschauen, was Norwegen an dieser WM für Resultate abgeliefert hat – auch gegen grosse Nationen. Wenn man wie sie in einem WM-Halbfinal steht, hat man vieles richtig gemacht. Norwegen wird ein sehr starker Gegner sein.» Die Einstellung werde stimmen, die Gefahr, den Gegner zu unterschätzen, bestehe nicht: «Es ist ein WM-Halbfinal und somit ein Riesenspiel für uns. Wir werden uns optimal auf das Spiel vorbereiten und alles geben.»

Das Fundament für den Triumph ist gelegt. Nun gilt es, gegen Underdog Norwegen den nächsten, nicht ganz ungefährlichen Schritt zu machen. Eine Niederlage wäre eine riesige Enttäuschung. Doch die Nati hat in diesen Tagen in Zürich gezeigt, dass sie in jeder Situation die passende Antwort bereit hat und dass sie sich auf ihrem Sturm auf den Eishockey-Gipfel nicht stoppen lassen will.

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss