Das letzte Kapitel blieb aus
Es war ein Stich ins Herz, als der Stürmer Konsta Helenius mit dem 28. Schuss aufs Schweizer Tor den entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg für die Finnen und zum Gewinn des WM-Titels erzielte und bei den Schweizern für den Sudden Death sorgte.
Es war 23.06 Uhr, als in der Zürcher Swiss Life Arena, die während der WM ein Tollhaus mit atemberaubender und ohrenbetäubender Atmosphäre gewesen war, plötzlich Ruhe einkehrte. Von einer Sekunde auf die andere. Gespenstisch schon fast. Das Unfassbare war geschehen. Die Finnen erzielten das Tor zum WM-Titel und liessen den grossen Schweizer Traum abrupt platzen. Selten hatte der Ausdruck «plötzlicher Tod» im Eishockey besser gepasst.
Konsta Helenius war der Schütze, der das Team von Headcoach Jan Cadieux von der Erfolgswelle auf den harten Boden der Realität zurückgeholt hatte. Ein finnischer Stürmer, der 20 Tage zuvor seinen 20. Geburtstag gefeiert hat und in dessen Curriculum Vitae bislang gerade mal 13 NHL-Spiele mit drei Toren und drei Assists für die Buffalo Sabres standen. Es war das wichtigste Tor des Erstrundendrafts von 2024 (Nummer 14 insgesamt), der während des Spiels von Verteidiger Dominik Egli, mit einer Körpergrösse von 1,74 m und seinen 81 Kilogramm wahrlich kein Hüne oder Brocken, mit einem kernigen Check über die Bande befördert worden war. Damals erntete er von den Fans noch Häme und Spott. Mit seinem Tor sorgte er in der Verlängerung dann für blankes Entsetzen.
Eine torlose Ewigkeit
Es war die Antwort von Helenius. Und die war äusserst schmerzhaft. Zum dritten Mal in Folge stand die Nati an der WM im Final. Zum dritten Mal in Folge platzte der Gold-Traum. Und zum dritten Mal in Folge gelang der Schweiz im WM-Final kein Tor. 192 Minuten und 44 Sekunden ohne Treffer hinderten die Nati am Gipfelsturm.
Natürlich, der Frust sass tief. Die Tränen flossen nach dieser bitteren Niederlage. «Ich kann mir nicht erklären, wieso es nicht klappen will», erklärte Captain Roman Josi. Sie hätten bis zum Schluss daran geglaubt, dass sie jetzt zu Hause endlich diesen Titel holen. Nun sei einfach eine grosse Leere vorhanden.
Ähnlich sah es Nino Niederreiter: «Es ist bitter. Jeder einzelne Spieler wollte sicher das Tor schiessen.» Der Wille sei da gewesen, sie hätten alles versucht, am Ende habe vielleicht einfach ein wenig die Coolness gefehlt. «Die Mission Gold lebt weiter, man gibt nicht auf, bis man sie hat. Die Jahre sind auch gezählt, vor allem für mich. Es ist bitter, zum fünften Mal zu verlieren», so Niederreiter, der den Schweizer Silberteams 2013, 2018, 2024, 2025 und 2026 angehörte.
Einmal mehr hat sich in diesem Final gezeigt, dass zuoberst an der Spitze auch im Eishockey die Luft dünn wird. Es muss alles passen, um am Tag X bereit zu sein. Und das war an diesem Sonntagabend bei den Schweizern nicht der Fall. Die in den ersten neun Spielen gesehene Leichtigkeit war verschwunden. Stattdessen war eine Verunsicherung spürbar. Selbst eine 5-gegen-3-Überzahl konnte die Torflaute nicht beenden und für die breite Brust sorgen, die es gebraucht hätte. Es schien, dass die grosse Erwartungshaltung der Fans und der Spieler selbst zu schwer wog. Das Selbstverständnis, im richtigen Moment das Richtige zu tun, wurde durch Nervosität abgelöst.
Dreimal in Serie Vizeweltmeister – es ist ein bemerkenswerter Erfolg für diese Nati. Und das widerspiegelt sich auch in der Weltrangliste, in der die Eisgenossen nun an der Spitze thronen. Aber es ist nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme und eine Anerkennung, die aber die Enttäuschung über den geplatzten Goldtraum kaum lindern kann. Das Märchen war eigentlich schon geschrieben. Doch das letzte Kapitel blieb aus. «Wir wollten Gold und sind nicht zufrieden mit Silber. Aber ich bin stolz auf diese Spieler und werde ihnen das auch sagen», erklärte Nationalcoach Jan Cadieux nach der bitteren Niederlage.