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Zwei Meinungen: Hat diese Nati-Generation die letzte Gold-Chance verpasst?

Andy-YnS

Es war ein gefühltes Drama, als die Schweizer Eishockey-Nati in der Overtime gegen Finnland den dritten WM-Final in Folge verlor. Hat diese vermeintlich Goldene Generation nun die letzte Chance zur Krönung verpasst und bleibt silbern? Unsere Redaktoren Younes Hdk und Andy Maschek sind geteilter Meinung.

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Und wieder Nichts: Die Enttäuschung steht den erfahrenen Nati-Spielern wie Roman Josi, Timo Meier und Christoph Bertschy ins Gesicht geschrieben © Keystone / Andreas Becker

Younes Hdk sagt: Ja

Und erneut ist es Silber. Nach der besten Schweizer WM aller Zeiten, nach neun grösstenteils dominanten Siegen, dem Triumph über Angstgegner Schweden, einem 6:0 im Halbfinal, Heimvorteil sowie ein paar zusätzlichen Stunden Erholungszeit vor dem grossen Finale hat es trotzdem wieder nicht gereicht. Trotz 48:8 Toren, muss die Schweiz weiter auf ihren ersten grossen Titel in einer Mannschaftssportart warten. Weil man auch im dritten WM-Endspiel in Folge keinen Treffer erzielen konnte.

Immerhin: Mit dem dritten Finale in drei Jahren hat sich die Schweiz in der IIHF-Weltrangliste den ersten Platz gesichert. Aber mit der Rangliste des Weltverbandes verhält es sich nicht anders als mit dem Ranking des grossen Bruders FIFA auf der anderen Seite des Zürichsees: Ohne grossen Titel ist es lediglich ein Muster mit beschränktem Wert. Und das ist schade. Denn die Entwicklung, die das Schweizer Eishockey in den letzten 12 bis 15 Jahren - und speziell unter der Führung einer ausserordentlich talentierten Generation um Roman Josi, Nino Niederreiter, Timo Meier, Nico Hischier, Kevin Fiala und JJ Moser -  gemacht hat, ist bemerkenswert und eines Titels würdig. Nur leider ist die goldene Schweizer Spielergeneration auf bestem Weg dazu, als «silberne Generation» in Erinnerung zu bleiben.

Natürlich hat sie in der Theorie noch die Möglichkeit, bislang Verpasstes in der Zukunft nachzuholen, vielleicht schon im kommenden Jahr in Deutschland. Schliesslich ist es in der Tat so, dass die Nati in diesem WM-Endspiel so nahe am Sieg war, wie noch nie. Aber gleichzeitig muss man auch ehrlich sein und sich fragen: Wenn es jetzt oder auch an Olympia (ebenfalls vs. Finnland) nicht klappt, wann dann? Noch näher kann man an einem grossen, noch vor Jahren unerreichbar erscheinenden Ziel gar nicht schnuppern, ohne schlussendlich am einen oder anderen Ort zu reüssieren.

Denn natürlich wird der Kern dieser Nationalmannschaft nicht jünger. Nicht ein Nico Hischier (27), Timo Meier (29), Pius Suter (30) oder Denis Malgin (30), und schon gar nicht ein Roman Josi (der heute seinen 36. Geburtstag feiert), Nino Niederreiter (33), Sven Andrighetto (33) oder Leonardo Genoni (38). Was mich aber fast noch pessimistischer stimmt: Die mentale Kraft und Robustheit, die in einem Team stecken müssen, das Jahr für Jahr ganz kurz vor dem grossen Ziel auf Feld eins zurückgeworfen wird, muss nahezu unerschöpflich sein. Denn klar heilt die Zeit Wunden. In Kombination mit dem fortschreitenden Alter, den alljährlich wiederkehrenden vertragsrechtlichen Fragen (in 2027 gemäss aktuellen Stand bei Hischier, Suter, Niederreiter und Lian Bichsel) und der Unsicherheit bezüglich der Verfügbarkeit der NHL-Fraktion (ein Hischier, Meier, Siegenthaler, Moser und Bichsel spielen bei Teams im «Stanley Cup Window») glaube ich jedoch nicht, dass eine Gelegenheit wie die gestrige so schnell noch einmal wiederkommen wird.  Zumindest heute, einen Tag nach dem dritten auf bitterste Art und Weise verlorenen WM-Finale in Serie.

 

 Andy Maschek sagt: Nein

Wohl kaum jemand hätte der Schweizer Nati den WM-Titel missgönnt. Das von Captain Roman Josi angeführte Team befand sich auf der «Mission Gold», wollte an der Heim-WM den ultimativen Triumph feiern, auf den man gemeinsam jahrelang hingearbeitet und hingelebt hatte. Der Traum ist geplatzt. Aber, davon bin ich überzeugt, nur vorübergehend. «Wir müssen wieder aufstehen, aber es wird extrem schwer», sagte Stürmer Timo Meier nach der Niederlage gegen die Finnen. Der Appenzeller NHL-Stürmer ist übrigens der letzte Schweizer Hockey-Profi, dem in einem WM-Final ein Tor gelungen ist. Das war 2018 in Kopenhagen, als die Schweizer das finale Duell um den WM-Titel im Penaltyschiessen verloren.

Meier ist nun wie Nico Hischier einer der Spieler, die bei mir für die Meinung sorgen, dass diese Generation weiterhin an die «Mission Gold» glauben kann. Natürlich, im Team befinden sich einige Akteure, die sich im Abendrot ihrer Karrieren befinden. Captain Roman Josi ist 36 Jahre alt, die Goalies Leonardo Genoni und Reto Berra 38 respektive 39 Jahre. Und auch andere Vizeweltmeister befinden sich jenseits der Dreissiger: Sven Andrighetto, Nino Niederreiter und Christian Marti (alle 33), Dean Kukan und Christoph Bertschy (beide 32), Sandro Aeschlimann, Lukas Frick und Sven Jung (alle 31) sowie Pius Suter (30).

Das kann man als Alarmzeichen ansehen – oder ganz nüchtern und pragmatisch. Es ist nicht zu erwarten, dass viele dieser Spieler nun aus der Nati zurücktreten. Am wahrscheinlichsten ist es bei Reto Berra, während bei Genoni und Josi die Hoffnung gross ist, dass sie mindestens ein weiteres Jahr anhängen und nochmals den Titel ins Visier nehmen, zumal die WM dann in Deutschland stattfindet und die Schweizer Fans garantiert erneut für Stimmung sorgen werden.

Nicht zu vergessen ist, dass mit Kevin Fiala, Jonas Siegenthaler, Andrea Glauser, Michael Fora und Sandro Schmid etablierte Spieler fehlten und die Verbannung von NHL-Verteidiger Lian Bichsel bald der Vergangenheit angehört. Die Substanz im Team bleibt damit hoch, zudem werden die jungen Spieler wie Simon Knak, Nicolas Baechler, Attilio Biasca oder Théo Rochette weiter reifen und besser werden, während andere Spieler nachdrängen. So sagte der SCB-Finne Waltterti Merelä nach dem Sieg über die Schweiz: «Sie haben diesen Kern der Mannschaft. Sie werden nicht locker lassen. Ihre Zeit wird sicher kommen»,

Die Perspektiven sind alles andere als schlecht. Natürlich müssen auch andere Faktoren mitspielen und passen, angefangen bei der Verfügbarkeit der NHL-Stars. Doch einige von ihnen dürften auch in Zukunft früher oder später die Möglichkeit zur WM-Teilnahme haben – und sie dann wahrnehmen. Denn die Nati, das haben die letzten Jahre inklusive der Heim-WM als Krönung gezeigt, ist eine Einheit und beliebt. Bei den Fans und bei den Spielern. Und das wird auch so bleiben.

 

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