Das Duell der Super-Bullen
Heute Abend machen Norwegen und die Elfenbeinküste den Achtelfinalgegner von Brasilien unter sich aus. Dabei duellieren sich mit Erling Haaland und Yan Diomande auch zwei Spieler, die in der Organisation von Red Bull den Durchbruch geschafft haben.
So gesehen wird der Kampf um den Einzug in die Achtelfinals ein Duell zweier Super-Bullen. Auf der einen Seite ist Erling Haaland. Der Norweger kam einst erst als Jugendlicher nach Salzburg und entwickelte sich beim Brause-Klub innert kürzester Zeit zum Weltklassestürmer und wechselte im Januar 2020 für 20 Millionen Euro zu Dortmund, wo er sich im ganz grossen Rampenlicht präsentierte. Im Juli 2020 zog er zu Manchester City weiter, wo er zu einem der teuersten Spieler der Welt wurde und unter Pep Guardiola diverse Titel sammelte. Sein Marktwert liegt aktuell bei 200 Millionen Euro und trotz dieser horrenden Summe gibt es immer wieder Gerüchte, dass ihn vor allem Real Madrid und Barcelona nach Spanien locken möchten.
Zweimal ein Doppelpack
Der 25-jährige Norweger gehört zu den absolut besten Stürmern der Welt und zeigt auch an der WM, was er kann. Gegen Irak und Senegal erzielte er jeweils zwei Tore, ehe er gegen Frankreich eine schöpferische Pause bekam. Im Sechzehntelfinal gegen die Elfenbeinküste wird Haaland wieder mit vollem Tank stürmen – was für den Gegner wie eine Bedrohung tönen muss. Zumal die Norweger eine verschworene Einheit sind und trotz der individuellen Qualität einzelner Stars wie Haaland und Ödegaard als starkes Kollektiv auftreten.
Sinnbildlich stehen die gemeinsamen, mit den Fans synchronen Ruderbewegungen nach einem Sieg, frei nach dem Motto, dass alle im selben Boot sitzen. Norwegen wurde im Vorfeld der WM auch schon als Geheimfavorit gehandelt, in der K.o.-Phase müssen Haaland und seine Kollegen nun beweisen, dass sie diese Vorschusslorbeeren auch verdient haben.
Einen ersten Elchtest haben die Nordländer heute Abend zu bestehen. Gegner ist die Elfenbeinküste, die in der Vorrunde Deutschland an den Rand einer Niederlage gebracht hat, wobei sich dieses Resultat mittlerweile auch relativiert hat. Ein besonderes Augenmerk liegt nun sicher auf Offensivmann Yan Diomande, dessen Werdegang ein wenig an Haaland gemahnt. Dreieinhalb Jahre verbrachte der heute 19-Jährige in den USA, den Grossteil in Florida an der DME Academy, ehe er nach einem halben Jahr in Spanien bei CD Leganes für 20 Millionen Euro Ablöse zu Red Bull Leipzig wechselte.
Das war im vergangenen Sommer – und in dem Jahr seither startete Diomand in Leipzig durch. In der Bundesliga erzielte er in 33 Spielen zwölf Tore und neun Assists und zog so das Interesse zahlreicher Top-Klubs auf sich. Bayern München, Manchester United, Chelsea, Real Madrid, Liverpool und Paris Saint-Germain wurden bereits als potenzielle neue Arbeitgeber gehandelt. Mehrere Medien berichteten, dass sich der Linksaussen des Dosen-Klubs einig sei mit Paris Saint-Germain und einen Fünfjahresvertrag unterschrieben werde. Liverpool soll dagegen trotz eines dreistelligen Millionenangebots seine Absage kassiert haben.
Poker und Preistreiberei
Es sind die üblichen Geplänkel und Preistreibereien in einem heissen Transfersommer, zumal Leipzig schon verlauten liess, dass der Linksaussen nicht zum Verkauf stehe – was sich im Endeffekt auch im Preis niederschlagen wird. Diomande selber sagte nun vor dem WM-Spiel gegen Norwegen: «Ich gehe natürlich davon aus, dass ich den Verein verlassen werde. Ich habe einen Agenten. Er wird sich um den Rest kümmern.» Damit hat er die Wechseltüre weit aufgemacht und klar kommuniziert, dass er seine Zukunft nicht in Leipzig sieht.
Aktuell befindet er sich in einer komfortablen Situation. Der 19-Jährige kann sich aussuchen, wohin er wechselt – seine Qualitäten (Explosivität, Tempo, Dribbling, Abschluss) sind äusserst gefragt. Und Leipzig hat im Poker beste Karten in der Hand. Gemäss «BBC» haben die Bullen eine horrende Ablöseforderung und wollen sich den drohenden Abgang mit 150 Millionen Euro entschädigen lassen. Gut möglich, dass diese unmoralische Summe für den Teenager am Ende auch bezahlt wird. Vor allem, wenn Diomande mit der Elfenbeinküste den anderen Superbullen Haaland bezwingt und in die Achtelfinals einzieht und danach auch noch gegen Rekordweltmeister Brasilien brillieren sollte.