"Morning Boost": Fünf Erkenntnisse nach dem 2:0 vs. Algerien
88 Jahre sind genug: Mit dem ersten Sieg in der K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft seit 1938 qualifizierte sich die Schweizer Nationalmannschaft heute Morgen für die WM-Achtelfinals. Dank einer soliden, solidarischen Mannschaftsleistung und trotz einigen wenigen Ausreissern nach unten. Unsere Erkenntnisse nach dem 2:0 gegen die „Wüstenfüchse“ von ex-Nati-Trainer Vladimir Petkovic.
Game Changer
Eine der grossen Schweizer Konstanten an dieser WM? Die immer wiederkehrenden, entscheidenden Aktionen von (noch) Freiburg-Juwel Johan Manzambi. Auch gegen Algerien war es der Mann aus Genf, der die Schweizer Weichen nach einer schwierigen Startphase früh in Richtung Sieg stellte. Denn spätestens mit Manzambis starker Vorarbeit zu Breel Embolos 1:0 (10.) wechselt das Momentum ein erstes Mal auf Schweizer Seite - und blieb gleich dort. Nach fünf Spielen steht der 20-Jährige somit bei fünf Skorerpunkten (3 Tore, 2 Assists), wobei Zahlen alleine die Bedeutung Manzambis nur unvollständig widerspiegeln. Enorm wichtig ist der Offensivmann für die Nati insbesondere deshalb, weil seine Aktionen auch dann zu Toren führen können, wenn das Spiel gerade nicht für die Schweiz läuft.
DACHmeister
Natürlich. Wir sprechen schreiben hier über eine Weltmeisterschaft, wo es schlussendlich darum geht, die aktuell beste Fussball-Nation der Welt zu küren. Und trotzdem darf die Schweiz auch ein bisschen stolz darauf sein, sich mit dem Erreichen der Achtelfinals auch den inoffiziellen Titel der DACH-Region gesichert zu haben. Und das an der bereits dritten WM in Folge. Daran unglaublich: Mittlerweile ist es zehn Jahre (oder fünf Endrunden) her, dass Deutschland an einem grossen Turnier besser abschnitt, als unsere Nati. Von Österreich (WM 1998) ganz zu schweigen. Und ja, auch in Italien kann man sich insgeheim nur wünschen, sich mit der Konstanz der Schweiz für Endrunden qualifizieren zu können. Bleibt im nachbarschaftlichen Vergleich noch Frankreich. Will die Nationalmannschaft diese WM auch noch vor „Les Bleus“ abschliessen, muss mindestens noch ein Sieg folgen.
Déjà-vu
Die Westkanadische Metropole Vancouver hat Potential. Das Potential, um für die Schweiz zum fussballerisch geschichtsträchtigen Ort zu werden. Dann nämlich, wenn sich die Nati im BC Place mit dem dritten Sieg im dritten Spiel nächsten Dienstag für den WM-Viertelfinal qualifiziert. Zum ersten Mal seit 1954. Doch bereits jetzt ist klar, dass die Hauptstadt von British Columbia für die Schweiz ein gutes Pflaster darstellt, insbesondere was die Startphase der zweiten Halbzeit anbelangt. Zweimal ist die Nati bislang im BC Place angetreten, zwei Mal hat sie ihrem Gegner in der 46. Minute mit einem schnellen Treffer (durch Ruben Vargas vs. CAN und heute Dan Ndoye) arg zugesetzt. Dass Algeriens Hintermannschaft dabei kräftig mithalf, braucht die Schweiz nicht zu kümmern. Sie war erneut bereit, als es nach Wiederanpfiff draufankam.
Harmlos
Natürlich gibt es an dieser WM auch Kennzahlen, die der Schweiz weniger Freude bereiten, als die 46. Die 23 und die 58 zum Beispiel, die die Anzahl Eckbälle (23) und Standards repräsentieren, welche die Nati bislang ergebnislos verstreichen liess. Und dabei ist es nicht nur die Tatsache, dass die Schweiz bislang aus stehenden Bällen kein Kapital schlagen konnten, die beunruhigt. Sondern vor allem auch die Art und Weise, wie diese potentiellen Unterschiedsmomente quasi verprasst werden. Nämlich ohne echte Torgefahr und ohne erkennbare Idee, wie diese kreiert werden könnte. Wobei es am Mangel an Ideen eher weniger liegen dürfte, als an derer erfolgreicher Implementation. Möglicherweise bringen die kommenden Tage ja noch Abhilfe oder zumindest die Möglichkeit, sich noch einmal an den Beginn dieser gesamten WM-Kampagne zurückzuerinnern. Damals, als die Schweiz gegen den Kosovo und gegen Slowenien auch deshalb einen optimalen Start in die Qualifikation erlebte, weil sie beide Partien frühzeitig und mit insgesamt drei Eckball-Toren in die gewünschten Bahnen lenkte.
Alleinunterhalter
71 Minuten waren gespielt, als Fabian Rieder heute früh Dan Ndoye ersetze. In den verbleibenden knapp 25 Spielminuten hatte der Berner dann gleich mehrere Gelegenheiten, um der Partie nicht nur seinen Stempel aufzudrücken, sondern sie direkt auch zu entscheiden. Natürlich in der 81. Minute und der verpassten Torchance der bisherigen WM, aber auch bereits in der 75. Minute sowie bei zwei nicht optimal ausgespielten Kontersituationen in dieser Phase. Und so konnte man im Pulk der mit den Fans jubelnden Schweizer Spieler nach Spielschluss auch einen Akteur entdecken, dem nicht so wirklich nach Feiern zu Mute war. Zu unglücklich (um nicht zu sagen ungenügend) hatte der Augsburg-Legionär in den Minuten zuvor agiert, der dann auch prompt von Goalie Gregor Kobel etwas aufgemuntert wurde. Sollte Rieder an dieser für ihn bislang so enttäuschenden WM noch die Kurve kriegen, darf man dafür durchaus auch dem Keeper ein kleines Kränzchen widmen.