Yakin gegen Petkovic – ein spezieller Frühstücks-Hit
Am Freitagmorgen um 5 Uhr kämpfen die Schweiz und Algerien in Vancouver um einen Platz in den WM-Achtelfinals. Murat Yakin trifft da auf seinen Vorgänger Vladimir Petkovic und will seine weisse Weste im persönlichen Duell wahren.
Die Spannung vor diesem Duell zwischen der Schweiz mit Nationalcoach Murat Yakin und Algerien mit dem früheren Nati-Trainer Vladimir Petkovic ist gross. Entsprechend hoch ist auch die Brisanz. Auch wenn Vladimir Petkovic in diesen Tagen sagte: «Es wird nicht Vlado gegen Yakin oder gegen die Schweiz sein. Es ist meine Mannschaft gegen meine ehemalige Mannschaft. Es spielen zwei gute Mannschaften um das Weiterkommen an der WM.»
Ganz so gelassen, wie es im ersten Moment scheint, nimmt der 61-Jährige diesen Sechzehntelfinal aber definitiv nicht. Denn er erklärte auch, dass es für ihn das wahrscheinlich speziellste und emotionalste Spiel seiner Karriere als Trainer werde, in der er zwischen 2014 und 2021 Coach der Schweizer Nati war: «Ich blicke voller Vergnügen auf die sieben Jahre mit der Schweiz zurück. Als Profi tue ich selbstverständlich alles dafür, mit Algerien das Spiel zu gewinnen. Doch diese Partie ändert nichts daran, dass ich ein stolzer Schweizer bin und bleibe. Besonders freue ich mich auf das Wiedersehen und die Gespräche nach dem Spiel mit vielen bekannten Gesichtern.»
Gegen Yakin noch sieglos
Petkovic hat in der Fussballschweiz Spuren hinterlassen und erfolgreich gearbeitet. In 78 Länderspielen der Schweizer Nationalmannschaft stand er an der Seitenlinie und gewann im Durchschnitt 1,79 Punkte pro Spiel. Es ist eine bemerkenswerte Bilanz, gerade auch im Vergleich mit Murat Yakin, der in 62 Spielen auf einen Schnitt von 1,65 Punkte kam. Im Gegenzug blieb Yakin zwischen 2010 und 2012 in den fünf bisherigen Direktbegegnungen mit Petkovic ungeschlagen, gewann zwei dieser Spiele.
Zudem war der heutige Schweizer Naticoach einst Praktikant bei Petkovic, wie er verriet: «Während meiner Trainerausbildung habe ich Vlado bei YB eine Woche lang über die Schultern geschaut. Das war in der Saison, als sie 13 Punkte Vorsprung auf Basel verspielt haben...» An diese Tage habe er nur gute Erinnerungen, ebenso an den Menschen Petkovic: «Wir mögen uns sehr. Was wohl damit zu tun hat, dass wir uns ähnlich sind. Unsere Duelle waren sehr taktisch geprägt. Das wird auch dieses Mal so sein: Wer von uns beiden die bessere Taktik wählt, wird das Spiel gewinnen.»
Ein Vorteil kann natürlich sein, dass Petkovic in seiner Nati-Zeit mit vielen Spielern des aktuellen Teams zusammengearbeitet hat. Allen voran Granit Xhaka, der gegen Algerien sein 150. Länderspiel bestreitet und unter Petkovic Captain wurde. «Der Fussball ist heutzutage universell, alle kennen sich, und es gibt keine Geheimnisse mehr», schwächt Petkovic ab. «Es gibt keine grossen Vorteile. Es wird schön sein, die Spieler wiederzusehen und zu begrüssen, aber danach zählt nur, was auf dem Platz passiert und wie gespielt wird. Für uns wird es eine schwierige Aufgabe. Um die Schweiz zu schlagen, müssen wir 120 Prozent geben.» Ein spezielles Lob hatte er auch für Captain Xhaka: «Ein hervorragender Spieler, eine fantastische Persönlichkeit. Wenn es zählte, hat er geliefert – immer!»
Verbales taktisches Geplänkel
Vielerorts werden die Schweizer als leicht stärker eingeschätzt. Petkovic selber versucht, die Nati unter Druck zu setzen und seinem eigenen Team den Druck zu nehmen. Er sagt: «Für uns ist das Erreichen dieser Turnierphase bereits ein Erfolg. Die Schweiz hingegen hat öffentlich erklärt, dass sie mindestens die Viertelfinals erreichen will. Von uns braucht es 120 Prozent, um gegen diese starke Mannschaft zu bestehen.» Auch schmeichelnde Worte für Murat Yakin hat Petkovic, der die letzten Spiele der Schweiz natürlich analysiert hat, auf Lager: «Bei Teams von ihm weiss man nie bis ins Detail, was einen erwartet. Wir wissen vieles, aber während des Spiels zu reagieren, ist auch ein effektives Mittel.» Yakin selber schwächt natürlich ab und sagt: «Ball flach halten, wir haben vor jedem Gegner höchsten Respekt. Wir haben hohe Ziele und die Qualität, diese zu erreichen. Aber wie die bisherigen Sechzehntelfinals gezeigt haben: Klare Favoritenrollen gibt es nicht.»
Es sind diplomatische Doppelpässe, die keine Angriffsfläche bieten. Ein taktisches Geplänkel vor einem besonderen Duell. Abgerechnet wird am frühen Freitagmorgen – hoffentlich mit dem besseren Ende für Murat Yakin und die Schweiz.