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Die WM als Trainer-Friedhof

Andy

Die Weltmeisterschaft ist ein Höhepunkt für Spieler und Trainer. Doch gerade für die Übungsleiter kann sie verhängnisvoll sein, wenn die Resultate nicht stimmen. Das ist auch rund um das aktuelle Turnier so, wo schon sieben Trainer ihren Job verloren haben oder zurückgetreten sind.

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Ronald Koeman ist als Nationalcoach der Niederländer nach der Niederlage gegen Marokko zurückgetreten. © IMAGO / ANP

Zuerst erwischte es Sabri Lamouchi. Im Januar 2026 hatte er bei Tunesien Sami Trabelsi als Nationaltrainer abgelöst. 153 Tage dauerte seine Amtszeit, und fünf Spiele, in denen es gerade mal zu einem Sieg in einem Test gegen Haiti reichte. An der WM ging der Start dann total in die Hose – 1:5 gegen Schweden, worauf Lamouchi entlassen wurde. Sein Nachfolger wurde der Franzose Hervé Renard, der per sofort übernahm und in den Spielen gegen Japan und die Niederlande das Zepter führte. Doch der gewünschte Effekt blieb aus. Die Tunesier verloren gegen die Japaner 0:4 und gegen die Holländer 1:3 und WM-Veteran Renard, der 2018 Marokko und vier Jahre später Saudi-Arabien auf der grösstmöglichen Fussballbühne betreut hatte, wurde nicht zum gefeierten Nothelfer und musste nach der Gruppenphase wieder abreisen.

Geendet hat auch die Zeit von Marcelo Bielsa als Nationalcoach von Uruguay. Nach den Unentschieden gegen Saudi-Arabien und Kap Verde und der Niederlage gegen Spanien war das Turnier für die Südamerikaner ebenfalls schon nach drei Spielen vorbei. Anspruch und Wirklichkeit lagen beim zweifachen Weltmeister Uruguay damit weit auseinander. Der Argentinier Bielsa hatte bereits im März angedeutet, dass sein Engagement mit der WM enden wird, und nach dem enttäuschenden Turnier sagte er in einer emotionalen, 100 Minuten langen Medienkonferenz: «Es kam völlig unerwartet, dass sich unsere Situation so entwickeln würde. Die Verantwortung liegt ganz klar bei mir. Ich kann das Abschneiden nicht rechtfertigen. Mein Ressourcenmanagement war ungenügend. Mein Trainerteam, die Spieler und ich haben alles gegeben, aber es hat nicht gereicht. Für mich ist dieses Ende besonders schmerzhaft – wegen der grossen Hoffnungen, die ich mit diesem Projekt verbunden habe, und wegen der unglücklichen Art und Weise, wie es nun zu Ende gegangen ist.»

Diverse Rücktritte

Schwache Leistungen in der Vorrunde hatten auch bei Südkorea und Tschechien Konsequenzen, die beide in derselben Gruppe waren, aber nicht in die Sechzehntelfinals einzogen. Südkoreas Hong Myung-bo zog selber die Konsequenzen und erklärte: «Ich möchte mich aufrichtig bei den Menschen entschuldigen, die den koreanischen Fussball lieben und die Nationalmannschaft stets unterstützt haben und trete als Nationaltrainer Südkoreas zurück. «Ich habe die Erwartungen der Öffentlichkeit nicht erfüllt, die Verantwortung dafür trage allein ich.»

Ebenso konsequent waren Schottlands Steve Clarke, der wenige Minuten nach dem Ausscheiden in der Vorrunde sein Amt niederlegte, und Tschechiens Miroslav Koubek, der in seiner Heimat heftig kritisiert wurde und für seinen Rücktritt auch die Medien verantwortlich machte: «Zu meiner Entscheidung beigetragen hat auch eine Medienkampagne gegen mich, die auf zahlreichen Halbwahrheiten und Falschdarstellungen beruhte. In dieser Atmosphäre würde meine Arbeit als Nationaltrainer keinen Sinn mehr ergeben.»

Vorbei ist zudem die Amtszeit von Ecuadors Sebastian Beccacece, der zwar mit dem Sieg gegen Deutschland einen historischen Sieg feierte, im Sechzehntelfinal dann aber an Mexiko scheiterte und sagte: «Heute ist es an der Zeit, sich von einer wunderbaren Familie zu verabschieden. Wir haben es nicht geschafft, unser Ziel zu erreichen - nämlich die beste WM in der Geschichte Ecuadors zu spielen.»

Koeman schon weg – und bald auch Nagelsmann?

Die Niederländer hatten an der WM den Halbfinal als Ziel und den WM-Titel als grossen Traum. Geendet hat das Turnier bereits in der ersten K.o.-Runde mit der Niederlage gegen Marokko. Unmittelbar nach dem Ausscheiden hatte Koeman seine Zukunft noch offengelassen. Nach seiner insgesamt enttäuschenden zweiten Amtszeit galt ein Rücktritt angesichts der scharfen Kritik in den niederländischen Medien jedoch als wahrscheinlich. Und einen Tag später gab er via Instagram seinen Rücktritt bekannt und schrieb: «Wir alle haben von einer Weltmeisterschaft geträumt, bei der wir Geschichte schreiben würden. Das ist nicht gelungen. Niemand ist darüber enttäuschter als ich. Als Nationaltrainer trägt man dafür die Verantwortung.»

Weitere Rücktritte oder Entlassungen könnten noch folgen. Speziell in Deutschland brodelt es nach dem blamablen Ausscheiden gegen Paraguay. Der allgemeine Tenor: Es fehlt die Fantasie, wie man mit Julian Nagelsmann weiterfahren könnte. Doch der Bundestrainer denkt nicht an Rücktritt. Er hat noch einen Vertrag bis zur Europameisterschaft in zwei Jahren und verdient im Jahr bis zu sieben Millionen Euro. Bei einem Rücktritt würde er keine Abfindung erhalten, und sollte er selbst zurücktreten, würde er keine Abfindung erhalten. Da lohnt sich Sitzleder und Sesselkleben definitiv.

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