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Die unvollendete Goldene Generation

Andy

Jahrelang gehörte Belgien bei den Grossanlässen zu den Titelfavoriten. Doch die «Goldene Generation» blieb bislang unvollendet. Oder geht da doch noch etwas für die Roten Teufel, die sich in einem Übergang zweier Generationen befinden?

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Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku träumen im Spätherbst ihrer Karriere vom grossen Triumph mit den Roten Teufeln. © KEYSTONE / AP Photo/Manu Fernandez

Es ist noch nicht lange her, da spielte Belgien auf der Fussballbühne im Konzert der ganz Grossen mit. Zwischen 2014 und 2022 gehörten die Roten Teufel zu den stärksten Mannschaften, spielten auf konstant höchstem Niveau und waren zeitweise die Nummer 1 in der FIFA-Weltrangliste. Die Gesichter des damaligen Höhenfluges sorgten bei Fussballfans für Zungenschnalzen: Thibaut Courtois, die Lebensversicherung im Tor. Vincent Kompany, Jan Vertonghen und Toby Alderweireld als Bollwerk in der Defensive. Kevin De Bruyne, Denker und Lenker und Genie im Mittelfeld. Dazu Axel Witsel, Marouane Fellaini, Dries Mertens und Yannick Carrasco. Eden Hazard, der seine Gegner schwindlig dribbeln konnte. Und natürlich Stürmer Romelu Lukaku, mit 91 Treffern in 129 Länderspielen der Rekordtorschütze der Belgier.

Rang 3 als Bestresultat

So schnupperten die Belgier immer wieder mal am grossen Erfolg. Am nächsten kamen sie diesem an der WM 2018. Die Belgier dominierten ihre Vorrundengruppe, schalteten danach Japan und dann Brasilien aus. Dieser Erfolg im Viertelfinal ging in die Geschichte ein. Doch im Halbfinal platzte der Titeltraum – 0:1 gegen den späteren Weltmeister Frankreich. Das 2:0 im Spiel um Platz 3 gegen England war ein schwacher Trost, aber immerhin gleichbedeutend mit dem besten WM-Resultat in der Geschichte Belgiens.

Danach ging es langsam aber sicher abwärts. An der EM 2021 war der spätere Champion Italien im Viertelfinal zu stark, an der WM 2022 in Katar kam das Out schon in der Vorrunde und an der EM 2024 war Frankreich im Achtelfinal die Endstation.

Damit ist Belgien trotz dieser starken Generation nach wie vor ein «Beinahe-Team» und Kevin De Bruyne so etwas wie der ungekrönte König. Mittlerweile ist der geniale Offensivmann 35 Jahre alt und sein Körper zeigt Abnützungserscheinungen. Doch an dieser WM kam er in allen drei bisherigen Spielen zum Einsatz und zeigte speziell beim 5:1-Sieg gegen Neuseeland, dass er an einem guten Tag die Offensive der Belgier massgeblich befeuern kann.

Romelu Lukaku ist 33 Jahre alt und steht wie De Bruyne in Neapel unter Vertrag, doch in der abgelaufenen Saison kam er aufgrund einer Oberschenkelverletzung auf gerade mal sieben Einsätze, 64 Spielminuten und ein Tor. An der WM spielte er dagegen in den ersten drei Matches insgesamt 102 Minuten und erzielte gegen Neuseeland ein Tor und einen Assist. Und auch an Goalie Thibaut Courtois (34) nagt der Zahn der Zeit. An der WM ist er zwar Stammkeeper, spielte gegen Ägypten, Iran und Neuseeland durch und er kann noch immer auf Weltklasseniveau hexen und gerade in K.o.-Spielen ein Erfolgsfaktor sein. Doch in den letzten Jahren hatte er einige Blessuren.

Neue Gesichter

Nun befindet sich Belgien im Umbruch. De Bruyne, Lukaku, Courtois und auch Rechtsverteidiger Thomas Meunier befinden sich im Spätherbst ihrer Karriere. Die Zukunft gehört einer neuen Generation. Allen voran Jérémy Doku. Der Linksaussen spielt seit Sommer 2023 bei Manchester City und hat sich im Starensemblel der Citizens etabliert. Er ist schnell und teuflisch gut im Duell Eins-gegen-eins, was immer für Gefahr sorgen kann. Sein Marktwert steht bei 75 Millionen Euro, es ist der höchste im Team. Ein Schlüsselspieler ist auch Leandro Trossard vom englischen Meister Arsenal, der gegen Neuseeland zweimal traf und sich zudem einen Assist notieren liess. Weniger sattelfest scheint dagegen die Defensive zu sein, auch wenn es im Jahr 2026 in sieben Spielen erst fünf Gegentore gab. Doch ein wirkliches Schwergewicht war noch nicht unter den Gegnern.

Zudem fehlt auch im Sechzehntelfinal Zeno Debast aufgrund einer Muskelverletzung. Der Innenverteidiger von Sporting Lissabon wäre wichtig, um der Defensive noch mehr Stabilität zu verleihen, zumal der heutige Gegner Senegal athletisch stark ist und mit Routinier Sadio Mané, Iliman Ndiaye, Ismaïla Sarr, Ibrahim Mbaye und Nicolas Jackson über torgefährliche Spieler verfügt und sich die Senegalesen im letzten Gruppenspiel gegen den Irak (5:0) warmgeschossen haben.

Die Belgier tun gut daran, den heutigen Gegner nicht zu unterschätzen. Sonst platzt bei De Bruyne, Lukaku und Courtois der wohl letzte Traum vom Gewinn eines grossen Titels abrupt und bereits im Sechzehntelfinal. Es wäre wohl das letzte Kapitel in der Geschichte einer aussergewöhnlichen Generation.

 

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