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Die Fussball-Welt wird neu geordnet

Andy

An der WM 2026 wird gerade die Fussball-Weltkarte neu gezeichnet. In der neuen Hackordnung fehlen Brasilien, Deutschland und Italien, stattdessen festigen Frankreich, Spanien, England und Argentinien ihre Vormachtstellung – und die Afrikaner drängen nach.

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Michael Olise und Kylian Mbappé sind zwei Topstars und pure Offensivpower bei Titelfavorit Frankreich. © KEYSTONE / EPA/SARAH YENESEL

In der Vergangenheit leuchteten Brasilien, Deutschland und Italien als Fixsterne am Fussballhimmel. Die Südamerikaner sind mit fünf Titeln der Rekordweltmeister, liegen im ewigen Ranking vor Deutschland und Italien, die beide je viermal triumphierten. Doch dieser Glanz wird immer matter. Die Brasilianer stemmten die Trophäe letztmals 2002 in die Höhe, die Italiener 2006 und die Deutschen 2014. Und nun, an der Endrunde 2026, ist das frühere Erfolgstrio tief im Mittelmass versunken.

Bilanz des Grauens

Die WM 2026 ist die erste überhaupt, bei der weder Deutschland noch Brasilien oder Italien im Viertelfinal stehen. Stattdessen weisen die einstigen Titanen eine Bilanz des Grauens auf, nachdem schon vor acht Jahren in Russland ein vermeintlicher Tiefpunkt erreicht worden war, als erstmals seit 1930 weder Deutschland noch Brasilien im Halbfinal standen.

Italien verpasste nun wie schon 2018 und 2022 die Qualifikation für die Endrunde und wurde deshalb mit Häme und Spott überschüttet. Seit dem Titelgewinn 2006 haben die Azzurri an der WM nie mehr die K.o.-Phase erreicht. Es ist eine desaströse Bilanz für die Nation, in der Fussball eigentlich Religion ist. Kein Wunder, hallen nun wieder die Schreie nach einem Neuanfang durchs Land. Der Mann, der nun die Rückkehr zum Erfolg bewerkstelligen soll, ist wohl Antonio Conte, der schon zwischen 2014 und 2016 Nationaltrainer war und nun vor einer Rückkehr steht.

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Bei den Brasilianern regierte nach dem frühen Ausscheiden die Enttäuschung.

Brasilien träumte an der WM vom sechsten Titel. Doch Anspruch und Wirklichkeit liegen aktuell auch bei der Seleçao auseinander. Unter Erfolgstrainer Carlo Ancelotti scheiterten die Brasilianer bereits im Achtelfinal an Norwegen. Damit fällt die Bilanz so schlecht aus wie letztmals 1990. Und die Deutschen scheiterten bereits im Sechzehntelfinal an Paraguay. Es war eine Blamage, die unser Nachbarland in den Grundfesten erschüttern liess. Seit dem Titelgewinn 2014 endete für die Deutschen die WM zweimal in der Vorrunde und einmal in der ersten K.o.-Runde. Dass die Amtszeit von Bundestrainer Julian Nagelsmann nun abrupt gestoppt wurde, war die logische Konsequenz. Ob der designierte neue Coach Jürgen Klopp tatsächlich der grosse Heilsbringer wird, bleibt aber abzuwarten.

Neue Giganten

Während Brasilien, Italien und Deutschland die Wunden lecken, etablieren sich mit Frankreich, Spanien, England und Argentinien andere Nationen an der absoluten Weltspitze und werden zu Titanen. Die von Lionel Messi angeführten Argentinier sind Titelverteidiger und waren 2014 Vizeweltmeister. In diesem Jahr stehen sie in den Achtelfinals und sind trotz des Geknorzes im Sechzehntelfinal gegen Kap Verde ein ernsthafter Anwärter auf den erneuten Triumph. Die Spanier waren 2010 zum ersten und bislang einzigen Mal Weltmeister, sind aber der amtierende Europameister und stehen nach dem Sieg im Derby gegen Portugal im Viertelfinal. Die Engländer gewannen vor 60 Jahren bei der Heim-WM ihren einzigen Titel, erreichten aber 2018 den Halb- und 2022 den Viertelfinal und wurden 2021 und 2024 Vizeeuropameister. Die von Superstar Harry Kane angeführten «Three Lions» sind eigentlich reif für einen grossen Erfolg und treffen im Viertelfinal auf Aussenseiter Norwegen.

Und last but not least gibt es noch die Franzosen. «Les Bleus» wurden 2018 Weltmeister und scheiterten 2022 erst im Final an Argentinien, dazu kam die Halbfinal-Qualifikation an der EM 2024, wo aber der spätere Champion Spanien zu stark war. Die Franzosen mit ihrer einzigartigen Offensivpower (Mbappé, Dembélé, Olise, Doué) stellen an der aktuellen WM das wertvollste Kader (1,52 Milliarden Euro!), werden gemeinhin als heisseste Anwärter auf den Titelgewinn gehandelt und haben standesgemäss den Viertelfinaleinzug geschafft. Doch da kommt es am Donnerstagabend zum Duell gegen Marokko – es ist eine nicht zu unterschätzende Hürde.

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Die Marokkaner mischen an der Weltspitze mit.

Das Potenzial der Afrikaner

Die Marokkaner sind das einzige afrikanische Team unter den Top 8. Oder besser gesagt: noch. Denn die Ägypter haben heute Abend gegen Argentinien die Chance, nachzuziehen, gelten in diesem Spiel jedoch als Aussenseiter. Generell lässt sich aber jetzt schon sagen, dass die Afrikaner an dieser WM eine gute Vorstellung gezeigt haben. Von zehn Endrundenteilnehmern erreichten neun die K.o.-Phase, einzig Tunesien scheiterte vorzeitig. Doch dann wurde es hart. Bis auf Marokko und Ägypten mussten alle Teams nach den Sechzehntelfinals die Koffer packen. Der Durchbruch der ganzen Konföderation blieb zwar aus, aber es war ein weiterer Beweis, dass Afrikas beste Teams an der absoluten Weltspitze konkurrenzfähig sind. Noch fehlen den afrikanischen Teams in den entscheidenden Momenten Stabilität, Erfahrung und die letzte Konsequenz. Doch der Abstand zur Weltspitze war wohl noch nie kleiner als heute.

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