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Klare Sache, oder? Unser Titel-Power-Ranking zum WM-Start

Patrick

Zur Auswahl stehen 48 Teams, aber nicht Italien (vier Titel). Dafür ein Rekordweltmeister, ein anderes Team mit vier Titeln, ein Titelverteidiger, ein Europameister und natürlich „ewige“ Grössen wie der amtierende WM-Finalist und der Vize-Europameister. Nicht zu vergessen, ein Land mit einem 41-jährigen Startstürmer, seit 19 Spielen ungeschlagene Südamerikaner, drei WM-Gastgeber und mindestens eine Handvoll Geheimfavoriten. Wer es zum Turnierstart in unsere „WM-Top-6“ geschafft hat? Unser Power Ranking gibt Antwort.

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Zwei Teams, die auch jetzt auf den Titel schielen: Spanien (l.) und England, hier im EM-Final-Duell 2024 © Keystone / EPA / Georgi Licvosky

Power #1: Frankreich

Warum es klappen könnte: Geht es PSG gut, geht es Frankreich gut. So einfach ist die Gleichung mit Blick auf die französische Nationalmannschaft dieser Tage, die im Angriff (Ousmane Dembéle, Désiré Doué und Mittelfeld (Warren Zaire-Emery) stark vom mittlerweile zweifachen CL-Sieger geprägt wird. Kommen dann noch Kylian Mbappé (Real Madrid) und Michael Olise (Bayern München), sowie defensiv bewährte Kräfte wie William Saliba (Arsenal), Dayot Upamecano (Bayern München) und Ibrahim Konaté (Liverpool) hinzu, wird klar, dass auf dem Papier nur ganz wenige Teams mit der Equipe Tricolore mithalten können.

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: In Paris und in Madrid wird Kylian Mpabbé mittlerweile ziemlich kritisch gesehen, in der Nationalmannschaft hingegen führt er das Team als Kapitän an. Bislang meist erfolgreich, scheiterten die Franzosen an den letzten Weltmeisterschaften doch maximal im Endspiel. Allerdings überzeugten „Les Bleus“ an der EM 2024 (Halbfinale) eher nicht, zumindest gemessen an ihrem Potential. Und: Wie so häufig gilt es abzuwarten, wie sich die Chemie im Starensemble von Trainer Didier Deschamps im Turnierverlauf entwickeln wird. Anders als z.B. Deutschland ist Frankeich immer wieder für interne Querelen gut, die in ihrer Wirkung sämtliches Potential torpedieren können.

Aktuelle Form: Gut, mit Siegen gegen Brasilien und Kolumbien in diesem Jahr. Getestet wird der Wahrheitsgehalt dieser Aussage allerdings bereits in der Gruppenphase: In Gruppe I kommt es zu Duellen mit Senegal und Norwegen.

 

Power #2: Spanien

Warum es klappen könnte: Als amtierender Europameister gehört „La Rioja“ automatisch zu den Favoriten auf den WM-Titel. Sowieso, wenn man dabei in der Vorwärtsbewegung und im zentralen Mittelfeld auf Ausnahmekönner wie Rodri (Man City), Pedri (Barca), Zubimendi (Arsenal), Dani Olmo (Barca), Lamine Yamal (Barca) und Nico Williams (Atletic Bilbao) zählen kann. Ein weiteres Argument der Stärke: An den Grossanlässen dieses Jahrtausends triumphierten die Spanier bereits vier Mal (EM 2008, 2012 und 2024; WM 2010).

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: „The best ability is availability” ist ein geflügeltes Wort aus dem US-amerikanischen Sport. Umso mehr, wenn wie im Falle Spaniens gleich beide jungen Offensivstars (Yamal und Williams) zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen hatten und auch den finalen WM-Test gegen Peru schonungshalber ausliessen. Nicht die besten Vorzeichen für eine Mannschaft, die seit der EM vor zwei Jahren ein wenig stagnierte und in der es zudem im Sturm- und Abwehrzentrum Fragezeichen (auf hohem Niveau) gibt. Dabei nicht zu vergessen: Zuletzt scheiterten die Spanier an Weltmeisterschaften zweimal bereits im Achtelfinale (vs. Russland und vs. Marokko, beide Male im Elfmeterschiessen).

Aktuelle Form: Solide, zuletzt (drei Remis in den letzten fünf Testspielen) jedoch weniger dominant, als auch schon. In den Spielen der Gruppe H gegen Kap Verde, Saudi-Arabien und Uruguay dürfte die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente jedoch zumindest zweimal die Gelegenheit erhalten, um sich warmzuspielen.

 

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Hoffen auf den sechsten WM-Titel: Die Fans von Rekordsieger Brasilien (Keystone / EPA Adam Richins)

Power #3: England

Warum es klappen könnte: Ganz einfach – wer an einer WM auf Spieler wie Phil Foden, Cole Palmer oder Trent Alexander-Arnold verzichten kann, muss über ein herausragendes Arsenal an Ausnahmespielern verfügen. Case in Point: Harry Kane, europäischer Top-Torjäger (64 Tore/ 56 Spiele), Declan Rice, Master des zentralen Mittelfelds und eine ganze Armada talentierter offensiver (Saka, Gordon, Bellingham, Anderson, Rogers) und defensiver ( O’Reilly, Konsa) Supportkräfte.

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: 60 Jahre. So viel Zeit ist seit dem letzten (und einzigen) grossen Titel der «Three Lions» vergangen. Das bedeutet, dass das Mutterland des Fussballs rund 100 Mal voller Hoffnung an ein grosses Turnier gereist - und anschliessend enttäuscht wieder auf die Insel zurückgekehrt ist. Eine schier unfassbar lange Durststrecke für eine derart grosse Fussball-Nation. Ob die Trendwende ausgerechnet unter einem deutschen Trainer (Thomas Tuchel) gelingt? Falls nicht, dürfte bereits jetzt klar sein, an wem sich der Zorn der berüchtigten englischen «Tabloids» entladen wird.

Aktuelle Form: So lala. In diesem Jahr haben Tuchel und sein Team noch nicht wirklich viel unternommen, um in den Testspielen gegen Uruguay (1:1), Japan (0:1) und Neuseeland (1:0) zusätzliches Selbstvertrauen zu sammeln. In Gruppe L mit Kroatien, Ghana und Panama sind die Briten gut beraten, von Anfang aufs Gaspedal zu drücken.

 

Power #4: Brasilien

Warum es klappen könnte: Können Sie sich noch ans Jahr 1994 erinnern? Genau, damals, als die Fussball-WM erstmals in den USA stattfand und Brasilien sich den vierten Weltmeistertitel sicherte. Dies nach einer Durstrecke von 24 Jahren, was zufälligerweise genau jener Zeitspanne entspricht, die mittlerweile seit dem letzten WM-Triumph der Selecao (2002) ins Land gezogen ist. Aber natürlich gibt es auch auf dem Platz ein paar Gründe, warum die seit Mai 2025 von «Spielerversteher» Carlo Ancelotti trainierten «Canarinhos» abermals zum Kreis der Favoriten zu zählen sind. Zum Beispiel Keeper Alisson, das abgeklärte Innenverteidiger-Duo Gabriel / Marquinhos, die beiden überlebenswichtigen Mittelfeld-Stabilisatoren Guimaraes und Casemiro und natürlich der potente Angriff um Real-Star Vinicius Jr., Barca-Legionär Raphinha und die beiden Zentrumsspieler Matheus Cuna (10 Tore für ManU) und Igor Thiago (22 Tore für Brentford).

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: Ehrlich – so richtig glaubt ausserhalb Brasiliens wohl niemand an eine sechste erfolgreiche Titelmission des Rekordweltmeisters. Zu oft hat Brasilien dafür in den letzten zwei Jahrzehnten enttäuscht, zu real sind die aktuellen Probleme auf den defensiven Aussenbahnen und zu verletzlich scheint die Harmonie in diesem von herausragender, aber zuweilen auch kontraproduktiver Individualität geprägten Team. Dass mit Neymar nun just zur WM auch noch ein ebenso populärer wie kontroverser Alt-Star ins Team zurückkehrt, widerspiegelt wunderbar den Drahtseilakt, den Ancelotti und sein Team auch an dieser WM wieder meistern müssen.

Aktuelle Form: Gut. Mit Ausnahme einer 1:2-Niederlage gegen Frankreich im März, stehen bei der Selecao in diesem Jahr bislang nur Siege (vs. Kroatien, Panama und Ägypten) auf dem Konto. In Gruppe C dürften Vinicius Jr. & Co. zumindest in den Partien gegen Marokko und Schottland gefordert werden. Spätestens zur K.o.-Phase werden die Brasilianer also wissen, an welchen Schrauben dringend noch gedreht werden muss, um in der entscheidenden Turnierphase ein Wort mitreden zu können.

 

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Um ihn dreht sich in Portugal noch immer (fast) alles: Cristiano Ronaldo, 41-jährige Fussball-Ikone (Keystone / EPA LUSA / Filipe Amorim)

Power #5: Deutschland

Warum es klappen könnte: Weil man den vierfachen Weltmeister (und achtfachen WM-Finalisten) nie abschreiben sollte. Insbesondere dann nicht, wenn er über einen Kader verfügt, der qualitativ jedem Gegner dieser Welt Probleme bereiten kann. Mit erfahrenen Leadern wie Manuel Neuer und Joshua Kimmich, einem starken Innenverteidiger-Duo Schlotterbeck/ Tah, den offensiven Unterschiedsspielern Florian Wirtz und Jamal Musiala sowie ganz vielen überdurchschnittlichen Akteuren. Nicht zu vergessen: Die von Siegeswillen, Solidarität und Überzeugung geprägte deutsche Mentalität, die die Mannschaft schon oft ein paar Prozente besser gemacht hat, als man auf den ersten Blick hätte vermuten können.

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: Apropos Solidarität. Die wurde von Trainer Julian Nagelsmann bereits vor Turnierbeginn so richtig auf den Prüfstand gestellt, als der 38-Jährige nämlich entschied, seiner Nr. 1 der WM-Qualispiele (Oliver Baumann) den 40-jährigen DFB-Rückkehrer Manuel Neuer vor die Nase zu setzen. Der ist zwar nach wie vor zu Weltklasse-Leistungen fähig, aber halt nicht mehr in der von früher gewohnten Kadenz. Zudem waren Neuer und Kapitän Joshua Kimmich halt auch zentrale Figuren jener deutschen WM-Teams, die 2018 und 2022 bereits in der Vorrunde ausschieden. Da trifft es sich gut, hat unser nördlicher Nachbar in Florian Wirtz und Jamal Musiala zwei neue, offensive Hoffnungsträger. Allerdings gilt es festzuhalten: Finden die Beiden nicht zur Form der Saison 24/25 zurück, werden sie in den entscheidenden Turniermomenten kaum für den Unterschied sorgen können.

Aktuelle Form: Gut. Nach einem missglückten Nations-League-Finalturnier vor Jahresfrist und einem 0:2 gegen die Slowakei zum Auftakt in die WM-Qualifikation, ist  Deutschland bei mittlerweile neun Siegen in Serie angelangt. Mit der Elfenbeinküste und den seit 19 Spielen ungeschlagenen Ekuadorianern warten in Vorrundengruppe E schon früh zwei potentielle Prüfsteine.

 

Power #6: Portugal

Warum es klappen könnte: Während mehr als zehn Jahren war Cristiano Ronaldo ein wichtiger Grund für Portugals Aufstieg in den Kreis der Titelfavoriten. 20 Jahre nach seinem WM-Debüt ist CR7 zwar noch immer in prominenter Rolle mit dabei, sein Einfluss auf die «Selecao das Quinas» jedoch geringer. Mittlerweile sind die Portugiesen dank Spielern wie Ruben Dias (IV, Man City), Nuno Mendes (LV, PSG), Vitinha (DM, PSG), Joao Neves (ZM, PSG), Bernardo Silva (Man City) oder Bruno Fernandes (OM, Man United) vor allem in Abwehr und Mittelfeld herausragend besetzt. Im Angriff verfügt der Europameister von 2016 zudem grundsätzlich über das notwendige Talent (Conceicao, Leao, Neto), um im entscheidendem Moment zuschlagen zu können.

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: Noch immer setzt Nationaltrainer Roberto Martinez im Sturmzentrum auf Cristiano Ronaldo. Der ist mittlerweile 41 Jahre alt, Kapitän und seit dreieinhalb Jahren in der Saudi Pro League engagiert. Eine gefährliche Kombination für ein Team, dass in Nordamerika eigentlich zu den absoluten Titelanwärtern zu zählen ist. Schafft es Martinez, Ronaldos Ehrgeiz und Gier nach Titel und Toren so zu kanalisieren, dass Portugal davon profitieren kann? Eine schwierige Aufgabe angesichts der Bedeutung, welche dem dreimaligen Weltfussballer in ganz Portugal noch immer zukommt. Eine ähnliche Dynamik wie an der EM 2024 (ein Ronaldo-Tor) könnte für die Portugiesen zum Problem werden.

Aktuelle Form:  Ok. Seit dem vergangenen Oktober (Unentschieden gegen Ungarn, Niederlage gegen Irland) ist in Portugals System etwas Sand im Getriebe. Zuletzt waren die Resultate stabil, aber nicht berauschend. Ob sich das in den Spielen der Vorrundengruppe K ändert? Die Partien gegen die DR Kongo und gegen Uzbekistan bieten auf alle Fälle ein gute Gelegenheit dazu.

 

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