Titel und Rekorde als Motor
Der Countdown läuft: In acht Tagen beginnt die Fussball-WM 2026 mit dem Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika. Sechs Tage später greift dann auch Cristiano Ronaldo ein, der seiner Karriere das letzte noch fehlende Puzzleteil hinzufügen will.
Die WM 2026 ist ein gigantischer Anlass. 48 Nationen hetzen in den USA, Kanada und Mexiko dem Ball nach und träumen von Erfolgen. 1248 Spieler sind in den Kader dieser Teams versammelt – von den Superstars bis zu den (zumindest noch) Unbekannten. Von den Rookies bis zu den absoluten Routiniers. Darunter befinden sich mit Cristiano Ronaldo (41) und Lionel Messi (wird am 24. Juni 39 Jahre alt) zwei Akteure, welche absolute Superstars und Routiniers gleichzeitig sind.
Die beiden offensiven Virtuosen waren in den letzten zwei Dekaden im Weltfussball prägend. Sie gehören zu den begnadetsten Spielern aller Zeiten. Bei der Frage nach dem GOAT scheiden sich zwar die Geister, klar ist aber, dass beide Anwärter auf diesen Titel sind. Ihr persönliches Palmarès ist rappelvoll mit Titeln und Ehrungen, Trophäen, Awards und Rekorden.
Die sechste WM-Teilnahme
Eine weitere Bestmarke kommt in den nächsten Tagen bei Ronaldo und Messi dazu. Der Portugiese und der Argentinier bestreiten bereits ihre sechste Weltmeisterschaft. Damit gehen sie gemeinsam mit Mexikos Torhüter Guillermo Ochoa (40) in die Geschichte ein, zumindest wenn sie nicht kurzfristig noch durch eine Verletzung gestoppt werden. Aktuell führt dieses Trio diese Statistik an, gemeinsam mit dem Deutschen Lothar Matthäus und den Mexikanern Antonio Carbajal, Rafael Marquez und Andres Guardado.
Ronaldo und Messi oder Messi und Ronaldo: Immer wieder tauchen sie in den Hitlisten des Weltfussballs auf. Ein Grossanlass ohne dieses Duo – eigentlich unvorstellbar. Und doch schon bald Realität. Beide befinden sich im Spätherbst ihrer Karriere. Das Ende im Spitzenfussball rückt unweigerlich näher. Mit dem Ball am Fuss können sie so ziemlich alles. Doch über eine Fähigkeit verfügen sie definitiv nicht: Auch sie können nicht die Zeit zurückdrehen. So wird es ziemlich sicher ihre letzte Weltmeisterschaft sein.
Die Sehnsucht nach dem WM-Titel
Für Ronaldo ist die Endrunde 2026 wohl auch die letzte Gelegenheit, in seinem Palmarès den letzten und gleichzeitig wichtigsten Erfolg einzutragen: den WM-Titel. Und damit nicht als «Unvollendeter» abzutreten und in die Geschichte einzugehen. Es wäre für den vom Erfolg getriebenen Portugiesen im Vergleich mit dem Argentinier ein Makel – wenn auch auf allerhöchstem Niveau.
Messi reist als Titelverteidiger an die WM. Vor vier Jahren gelang dem achtfachen Ballon d’Or-Gewinner der grosse Triumph, nachdem die Argentinier 2014 noch den Final gegen Deutschland verloren hatten. Ronaldo, fünfmal mit dem Ballon d’Or ausgezeichnet, stand bislang einmal im Halbfinal. Das war 2006, bei seiner ersten WM. Die Portugiesen scheiterten an den Franzosen, verloren nach einem verwandelten Penalty von Zinédine Zidane mit 0:1. Und im Spiel um Platz 3 gab es eine 1:3-Niederlage gegen Gastgeber Deutschland.
Pathologisch ehrgeizig
Immerhin gelang es Ronaldo 2016, mit dem Gewinn der Europameisterschaft mit dem Nationalteam einen grossen Titel zu feiern. Das ist gerade für den Captain und 226-fachen Nationalspieler (143 Tore!) eminent wichtig, da er schon fast pathologisch ehrgeizig ist und alles dem Fussball und dem Erfolg unterordnet. Sein Siegeswille ist legendär, ebenso sind es die Tränen, die nach bitteren Niederlagen fliessen. Entsprechend wäre es für ihn wichtig, mit Portugal den WM-Titel zu gewinnen – und sich und seine Karriere ultimativ zu krönen.
Cristiano Ronaldo lechzt oder giert nach Titeln und Rekorden – wahrscheinlich mehr als fast jeder andere Superstar seiner Generation. Sie sind ein zentraler Teil seiner Motivation und seiner öffentlichen Identität. Siege und historische Bestmarken treiben ihn an, so dass der Eindruck entsteht, dass er schon fast obsessiv ehrgeizig ist. Er setzte sich schon früh konkrete und grosse Ziele, wollte der weltbeste Spieler werden, die Champions League gewinnen, mehr Tore erzielen als alle anderen, möglichst lange auf Topniveau bleiben. Dieser Fokus führte wohl auch zu seinem enormen Trainingsaufwand, seiner Disziplin und seinem Körperkult.
Im Verlaufe seiner Karriere hat Ronaldo mehrfach betont, Geschichte schreiben zu wollen. Gerade auch deshalb wird ihm die WM 2026, bei der die Portugiesen in der Gruppenphase auf Kongo, Usbekistan und Kolumbien treffen, besonders wichtig sein. Titel und Rekorde sind ein Motor seiner Persönlichkeit und haben ihn zu einem der erfolgreichsten Sportler überhaupt gemacht. Ob er aber mit dem WM-Titel abtreten kann, ist äusserst fraglich. Die Portugiesen sind zwar ein Titelanwärter, aber die Konkurrenz ist gross.
Besser sind dagegen die Perspektiven, dass Ronaldo schon bald eine andere Bestmarke verteidigt und ausbaut. Ein Tor an der WM-Endrunde 2026 reicht, um als erster Spieler überhaupt an fünf WM-Turnieren mindestens ein Tor zu erzielen. Ronaldo steht bei fünf Teilnahmen mit jeweils mindestens einem Treffer, während Pelé, Uwe Seeler, Miroslav Klose und Lionel Messi an vier Weltmeisterschaften Torschützen waren. Sollte Ronaldo für einmal torlos bleiben, steht Messi sicher bereit, um mit ihm gleichzuziehen. Es ist ein Szenario, das der Portugiese ganz sicher verhindern will.