Top und Flop: Ndoye legt Ladehemmung ab – Rieders Nicht-Tor des Jahres
2:0 gegen Algerien mit Ex-Nationalcoach Vladimir Petkovic: Für Murat Yakin und die Schweizer Nati geht die WM-Reise nach einer abgeklärten Leistung weiter. Es darf geträumt werden.
Es war ein historischer Sieg im BC Place in Vancouver. Denn die Schweiz beendete eine 88 Jahre lange Durststrecke und gewann erstmals seit 1938 wieder ein K.o.-Spiel an einer WM. Damals besiegte die Nati mit Coach Karl Rappan Grossdeutschland mit Trainer Sepp Herberger im Achtelfinal im Wiederholungsspiel mit 4:2, nachdem das erste Aufeinandertreffen 1:1 geendet hatte.
Nun treffen Murat Yakin und seine Mannschaft am kommenden Dienstag im Achtelfinal auf Kolumbien oder Ghana. Es wird so oder so ein schwieriges Spiel, auch wenn die Kolumbier stärker einzuschätzen sind, im Endeffekt aber beide möglichen Gegner nicht ausser Reichweite sind, zumal im Spiel gegen Algerien die positiven Punkte überwogen.
Top
Bei den Siegen gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada war Johan Manzambi der gefeierte Held und mit drei Toren und einem Assist der Matchwinner. Gegen Algerien blieb der 20-jährige Shootingstar zwar ohne Tor, aber er hatte erneut entscheidenden Einfluss aufs Spiel. Seine Vorarbeit beim frühen und krampflösenden 1:0 von Breel Embolo war einmal mehr fantastisch, und so könnte man den Genfer problemlos zum dritten Mal in Folge als «Top» herausheben und ihm einen Hattrick gewähren, zumal auch Torschütze Embolo nach dem Match sagte, sein Tor gehöre «wahrscheinlich zu 95 Prozent» Johan Manzambi. Er habe gesehen, wie Manzambi angezogen habe und dann nur noch das Schienbein hinhalten müssen. Es war ein perfektes Zusammenspiel und eine gnadenlose Effizienz. Und so sagte auch Manzambi: «Ich verstehe mich mit Breel auf und neben dem Platz sehr gut, das hilft uns.»
Mit dieser erneuten Show und Zauber-Vorarbeit treibt der 20-jährige Manzambi seinen Marktwert weiter in die Höhe. Schon vor der WM wurde er auf 50 Millionen Euro beziffert, jetzt wird gemunkelt, dass sein Noch-Arbeitgeber Freiburg für den vielseitig einsetzbaren Offensivspieler 70 Millionen verlangt. Und Interessenten gibt es trotz dieses Preisschilds viele.
So oder so ist Manzambi damit der wertvollste Schweizer Nationalspieler. Die Nummer 2 unter den Feldspielern ist Dan Ndoye mit 32 Millionen. Im letzten Sommer war der 25-Jährige für 40 Millionen Euro von Bologna zu Nottingham Forest gewechselt, doch seine erste Saison auf der Insel war für ihn schwierig. In 24 Spielen in der Premier League gelang ihm gerade mal ein Tor, dazu kam ein Treffer in 12 Einsätzen in der Europa League. Und auch an der WM war er in den ersten drei Spielen kein grosser Faktor – gegen Kanada kam er nach einer schöpferischen Pause erst die letzten zehn Minuten zum Einsatz. So war es die grosse Erlösung, als er 47 Sekunden nach der Pause das 2:0 erzielte. Urplötzlich waren so die Chancen vergessen, die er in den ersten Spielen versiebt hatte. Und es ist zu hoffen, dass er mit seinem neunten Tor im 35. Länderspiel seine Ladehemmung endgültig abgelegt hat. Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen, dass Dan Ndoye nicht nur lichte Momente in der Offensive hat, sondern auch aufopferungsvoll gegen hinten arbeitet. Es ist eine Qualität, die von Nationalcoach Yakin wertgeschätzt und mit Vertrauen belohnt wird.
Flop
Grundsätzlich ist es fast nicht möglich, nach einer abgezockten Leistung, dem 2:0 gegen Algerien und dem Einzug in die Achtelfinals jemanden als «Flop» zu bezeichnen. Doch wenn schon, dann fällt die Wahl auf Fabian Rieder. Der Spieler des FC Augsburg kam 20 Minuten vor Schluss für Ruben Vargas ins Spiel und hatte danach die Möglichkeit, mit dem 3:0 alles klar zu machen. Nach herrlicher Vorarbeit von Denis Zakaria hätte er den Ball aus etwa zwei Metern Entfernung mit dem linken Fuss nur noch einschieben müssen, doch er brachte das Kunststück fertig, den Ball dem erneut unsicheren Weltmeister-Sohn Luca Zidane im Tor der Algerier in die Hände zu schiessen. «Nein, Rieder, was machst du denn? Was hat denn der gemacht?», schrie SRF-Reporter Sascha Ruefer voller Entsetzen ins Mikrofon. Und: «Das war das Nicht-Tor des Jahres!»
Wie wahr. Doch glücklicherweise blieb der Fehlschuss des Tages ohne Folgen. Die Schweiz steht im Achtelfinal und Rieder bekommt gegen Kolumbien oder Ghana die Chance, um es besser zu machen. Die Qualität dazu ist definitiv vorhanden. In der Bundesliga hat der 24-Jährige in der vergangenen Saison in 32 Spielen immerhin sechs Treffer erzielt. Damit war er gemeinsam mit dem Österreicher Michael Gregoritsch und dem Ex-Basler Anton Kade der beste Torschütze seines Teams.