Alessandro Vogts schwieriger Start in Deutschland
Gross war der Hype um Alessandro Vogt vor Jahresfrist. Mit 20 Jahren debütierte der gebürtige Aargauer in der Super League und erzielte in seiner ersten Profisaison gleich 18 Tore und 5 Vorlagen. Im März entschied er sich für einen Wechsel zum Bundesligisten TSG Hoffenheim, ein halbes Jahr später ist er auf Leihbasis in Heidenheim gelandet. Beim Bundesligaabsteiger wartet er jedoch auch nach sechs Einsätzen noch auf sein erstes Saisontor, weshalb sich die Frage stellt: Wann platzt der Knoten?
Von Null auf 100 in Rekordzeit
Ein gutes Jahr ist es her, da begeisterte ein junger, kräftiger Mittelstürmer die Schweizer Fussball-Szene. Sein Name: Alessandro Vogt. Im Sommer 2025 von der St. Galler U21 in den SL-Kader befördert, war er schon wenig später der Mann der Stunde. Vogt überzeugte vom Start weg, weniger mit spektakulären Dribblings, umso mehr aber mit jenen Fähigkeiten, die einen klassischen Mittelstürmer ausmachen. Kein Wunder, schnappte er sich um ein Haar die Torjägerkrone.
Schnell war von einem neuen Goalgetter die Rede: robust und abschlussstark, dazu für sein junges Alter erstaunlich abgeklärt. Diese Tugenden blieben auch der TSG Hoffenheim nicht verborgen. Sie verpflichtete den U21-Internationalen im Frühling für eine festgeschriebene Ablösesumme von 2,7 Mio. Euro für die nächsten fünf Jahre. Ein substanzielles Bekenntnis zum jungen Schweizer, der sich mit dem Wechsel in die Bundesliga einen Traum erfüllte. Kaum im Profifussball angekommen, wollte er im Kraichgau bereits die nächste Entwicklungsstufe zünden.
Das schwierige zweite Jahr
Doch der Start in Deutschland verlief alles andere als ideal. Wegen einer in einem Testspiel zugezogenen Verletzung am rechten Sprunggelenk verpasste Vogt einen wichtigen Teil der Saisonvorbereitung, was ihm den Sprung in den Bundesligakader der TSG erschwerte. Auch, weil zudem der geplante Transfer von Topstürmer Fisnik Asllani nach Leipzig in letzter Minute noch platzte. Ein Problem für den auf diesem Niveau unerprobten Wohlemer, der folgerichtig im August an den Zweitligisten Heidenheim ausgeliehen wurde. Unter Trainerlegende Frank Schmidt sollte Vogt regelmässig Spielpraxis sammeln und sich an die intensivere Gangart im deutschen Profifussball gewöhnen. Auf dem Papier laut Vogt «ein perfekter Zwischenschritt», funktioniert dieser Plan in der Realität bislang aber nur teilweise. Der ehemalige St. Galler kommt zwar regelmässig zum Einsatz, konnte seine Fähigkeiten vor dem Tor aber noch nicht unter Beweis stellen. Null Tore und null Vorlagen sind eine frustrierende Zwischenbilanz für den mittlerweile 21-Jährigen, der mit einem Marktwert von aktuell sechs Mio. Euro der mit Abstand wertvollste Spieler im Kader der Schwaben ist. Folgerichtig stand er im jüngsten Meisterschaftsspiel gegen Energie Cottbus (1:1) zum ersten Mal nicht in der Startelf.
Vom Hoffnungsträger zum Mitläufer
Denn natürlich mangelt es auch beim Bundesligaabsteiger nicht an hungriger Konkurrenz. Derzeit gehören mit dem verletzten Max Breunig gleich vier Mittelstürmer zum Kader des 1. FC, wobei vor allem Topskorer Budu Zivzivadze (3 Saisontore) und der Däne Mikkel Kaufmann (1 Tor) ebenfalls regelmässig zum Einsatz kommen. Hinzu kommt, dass der Klub nach seinem dreijährigen Abstecher in die Bundesliga keiner jener kleinen Vereine mehr ist, bei dem sich Spieler ohne erhöhten Erwartungsdruck entwickeln können. Dass man in Heidenheim trotzdem auch schnell und gut starten kann, zeigt mit dem ex-Thuner Michael Heule immerhin der zweite Schweizer im Team.
Festzuhalten ist aber auch, dass Vogts Profil grundsätzlich zu Heidenheim passt: Er ist gross, robust und soll laut Sportchef Holger Sanwald «enorme Abschlussqualitäten» mitbringen. Trainer Frank Schmidt hatte den Youngster vor der Leihe extra persönlich zu Hause besucht und ihn als Startelfkandidaten bezeichnet – ebenfalls ein positives Zeichen. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass die Ursache für Vogts Probleme aktuell weniger mit fehlendem Vertrauen oder mangelnden Einsatzgelegenheiten zu tun haben, sondern mit der abhanden gekommenen Effizienz des ex-St. Gallers. Gegen Kaiserslautern vergab er nach seiner Einwechslung eine Chance, in Wolfsburg scheiterte er aus guter Position, und auch vergangene Woche gegen Cottbus liess er in der Schlussphase zwei gute Möglichkeiten liegen. Es scheint, als hätte Vogt momentan jene Lockerheit und Abgeklärtheit vor dem Tor verloren, die ihn noch im Vorjahr ausgezeichnet hatte.
In Lauerstellung
Natürlich wäre es verfrüht, Vogts Bundesligaperspektiven deshalb bereits jetzt infrage zu stellen. Schliesslich ist der 1,88 Meter grosse Zielspieler auch nach dem missglückten Start in sein Auslandabenteuer erst 21 Jahre alt und verfügt durchaus über Qualitäten, die ihn auch in Deutschland zu einem Mehrwert für Teams der mittleren und unteren Stärkeklasse machen können. Zudem dürften sich ihm in Heidenheim kurzfristig weitere Möglichkeiten bieten, den Eindruck seines Stotterstarts zu korrigieren, vielleicht schon im Live-Spiel vom Samstagabend beim Karlsruher SC. Denn nicht immer wird er so unglücklich agieren wie im Duell mit Energie Cottbus, als er neben den vergebenen Torchancen wegen einer Abseitsposition auch noch schuld daran war, dass der vermeintliche Heidenheimer Siegtreffer durch Patrick Mainka (86.) nicht zählte. Insofern kann es für Alessandro Vogt in den kommenden Wochen fast nur besser kommen.