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Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger

Andy

Der Fussball ist ein schnelllebiges Geschäft. Am 5. Juli 2025 zog sich Jamal Musiala an der Klub-WM gegen Paris Saint-Germain eine schwere Verletzung zu, die ihn zu einer monatelangen Pause zwang. Aber nun ist er plötzlich gefordert.

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Jamal Musiala nimmt bei den Bayern nach schwierigen Monaten wieder Fahrt auf. © IMAGO / Pressefoto Baumann

Es war ein Schock, als sich Musiala an der Klub-WM bei einem Zweikampf mit dem damaligen PSG-Goalie Gianluigi Donnarumma verletzte. Er zog sich einen Bruch des linken Wadenbeins, eine Luxation des Sprunggelenks und eine Bänderverletzung im Sprunggelenk zu und musste operiert werden.

Der begnadete Fussballer schuftete und litt in der Folge in der Reha, statt mit seinen Kollegen zu spielen und auf dem Rasen zu glänzen. 196 Tage dauerte die Zwangspause, ehe er am 17. Januar 2026 beim 5:1-Auswärtssieg gegen RB Leipzig sein Comeback gab. Musiala kam in der 87. Minute für Serge Gnabry ins Spiel – und eine Minute später gab er beim 5:1 von Michael Olise den entscheidenden Pass. Es war ein Traum-Comeback, nachdem der Offensivspieler erst Mitte Dezember ins Mannschaftstraining zurückgekehrt war und einen Monat später erstmals wieder im Kader gestanden hatte.

Der Rat zum WM-Verzicht

Auf die gelungene Rückkehr folgte allerdings kein kontinuierlicher Steigerungslauf. Der 23-Jährige wurde behutsam aufgebaut, bekam Teileinsätze – und musste zwischenzeitlich erneut pausieren, da als Reaktion auf die Belastung erneut Probleme mit dem Sprunggelenk folgten. Das Vertrauen in den eigenen Körper war nach dieser Vorgeschichte verständlicherweise noch eingeschränkt, so dass Musiala noch nicht in der Lage war, auf sein früheres Niveau zurückzukehren. In der Konsequenz folgten öffentliche Diskussionen. Oliver Kahn etwa riet Musiala, wegen der Nachwirkungen seiner schweren Verletzung nicht an die WM zu reisen. Die Frage sei ja auch, was der Kopf mache, ob man bereit sei, mit 100 Prozent in die Zweikämpfe zu gehen. «Er sollte auf eine Teilnahme bei der WM verzichten. Wenn ich spüre, dass etwas in meinem Spiel nicht stimmt, dann muss ich an mir arbeiten, wieder bereit zu sein.»

Doch irgendwie hat es bei Musiala nun Klick gemacht. Am 4. April spielte er gegen Freiburg die letzten 25 Minuten und war dabei, als sich die Münchner in den letzten Minuten als Mentalitätsmonster zeigten und in der Schlussphase einen 0:2-Rückstand noch in ein 3:2 drehten. Drei Tage später durfte Musiala in der Champions League im Hinspiel gegen Real Madrid die letzten 20 Minuten spielen, wirkte aber verunsichert und konnte keine Akzente setzen. Wiederum vier Tage danach folgte der grosse Turnaround. Gegen St. Pauli nominierte ihn Coach Vincent Kompany für die Startformation, der Offensivspieler wirkte 85 Minuten mit und glänzte beim 5:0-Sieg mit einem Tor und einem Assist und wurde als «Man of the Match» ausgezeichnet.

Der Hacken-Assist gegen Real

Im turbulenten Rückspiel gegen Real Madrid durfte er die letzte halbe Stunde spielen, als er Serge Gnabry ersetzte, war ein Aktivposten bei den Münchnern. In der 89. Minute kam dann sein grosser Moment: Musiala kam im Strafraum an den Ball, lancierte mit der Hacke Luis Diaz, der zum 3:3 ausglich und die Weichen auf das Weiterkommen stellte – am Ende gewannen die Bayern 4:3 und zogen in den Halbfinal ein. Und am vergangenen Sonntag spielte er gegen den VfB Stuttgart die erste Halbzeit und liess sich beim zwischenzeitlichen 1:1 den Assist gutschreiben. Am Ende siegten die Bayern 4:2 und sicherten sich frühzeitig den Meistertitel.

Nach einem zuerst eher schleppenden Comeback hat Jamal Musiala Fahrt aufgenommen – und das für die Bayern wohl zum richtigen Zeitpunkt. Bis anhin konnte man mit dem begnadeten Offensivspieler viel Geduld haben, weil Serge Gnabry auftrumpfte und so kein Defizit bestand. Mittlerweile hat sich Gnabry verletzt, wird die restlichen Spiele der Saison und wohl auch die WM verpassen – und plötzlich sind die Bayern auf Musiala angewiesen, der so von einem Sorgenkind zum Hoffnungsträger wurde, da auf der Jagd nach dem Triple nun die entscheidenden Spiele im Pokal (Halbfinal am Mittwoch gegen Bayer Leverkusen) und in der Champions League (Halbfinal gegen Paris Saint-Germain am 28. April und 6. Mai) anstehen.  

Verändertes Mindset

Dennoch tun Kompany und die Bayern gut daran, mit Musiala weiterhin geduldig zu bleiben, auch wenn seine Formkurve stark ansteigend ist und er früher als erwartet in grossen Spielen eine zentrale Figur ist. Der Weg dahin stimmt. Schon vor dem Rückspiel gegen Real hatte sein Teamkollege Joshua Kimmich gesagt: «Ich merke, dass Jamal gerade einen Change im Mindset hat. Er wird jetzt positiver.» Und Trainer Vincent Kompany sagte: «Im Training, wenn die Spieler wieder lachen, dann weisst du es schon und es kommt immer mehr. Die Leistungen sind wieder da und er hat diese Spielfreude.»

Trotz der lobenden Worte bleibt der Belgier zurückhaltend und dämpft die Erwartungen. «Ich möchte nicht den ganzen Druck auf Jamal legen, das wäre nicht fair», so Kompany, der aber auch sagt: «Wenn er so weitermacht, wissen wir, was wir von ihm erwarten können.» Zentral bleibt aber die Belastungssteuerung. Gegen Stuttgart wurde Musiala in der Pause ausgewechselt, was vielerorts für ein ungutes Gefühl sorgte. Doch nach dem Match gab Musiala selber die Entwarnung und erklärte: «Die Auswechslung war geplant. Der Trainer hatte gesagt, dass ich zur Halbzeit ausgewechselt werde und mich ausruhen kann. Meinem Fuss geht es schon viel besser.»

 

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