5 Fragezeichen: Was haben sich die SL-Klubs bei diesen Entlassungen bloss gedacht?
Ein Grund für den wahrscheinlichen Meistertitel des FC Thun? Das absolute Versagen der Grossklubs in Basel, Bern, Genf und Zürich, die trotz unterschiedlichen individuellen Erwartungen, allesamt eine absolut katastrophale Saison spielen. Eine mögliche Ursache: Die Trainerwechsel, die in allen fünf Vereinen mindestens einmal durchgeführt wurden und die in der Nachbetrachtung genauso wenig Sinn ergeben, wie eh und je.
3. Spieltag, Thomas Häberli, Servette FC
Ein 1:3 bei YB, ein 1:4 gegen den FC St. Gallen und das Aus in der CL-Qualifikation gegen Viktoria Pilsen. Das war alles, was sich Servette-Trainer Thomas Häberli zum Auftakt in die Spielzeit 25/26 erlauben konnte, ehe er seinen Job los war. Entlassen von der Genfer Sportkommission mit Vor-Vorgänger Alain Geiger und Alain Bonneau, die nach dem Abgang René Weilers Ende Mai installiert wurde und mittlerweile selbst bereits wieder Geschichte ist (Servette hat seit März in der Person von John Williams wieder einen Sportchef). Doch im Ende der Ära seines Förderers Weiler ist wohl auch das Ende von Häberli bei den Servettiens begründet, die er knapp zweieinhalb Monate zuvor noch zum Vize-Meistertitel geführt hatte. Unter Nachfolger Jocelyn Gourvennec vermasselten die Grenats die Spielzeit im Anschluss dann so richtig. Die durch die letzten sechs Spiele (vier Siege) „geboosteten“ 1,28 Punkte pro Spiel genügten jedenfalls bei Weitem nicht, um den SFC in diesem Frühjahr zum dritten Mal in Folge um einen Titel mitspielen zu lassen. Warum genau wurde Thomas Häberli noch einmal entlassen?
9. Spieltag, Mitchel van der Gaag, FC Zürich
Für einmal war er nicht nur zu 99 Prozent von seinem neuen Trainer überzeugt, sondern sogar zu 100. Die Rede ist natürlich von Ancillo Canepa, Präsident und Hauptaktionär des FC Zürich, der knapp vier Monate nach dieser Aussage bereits eine gänzlich andere Meinung vertrat. Nämlich die, dass besagter Mitchell van der Gaag vielleicht doch nicht zum Stadtklub passte und deshalb schleunigst ersetzt werden musste. Neun Spieltage war die neue Saison da alt, 13 Zähler hatte der FCZ gesammelt und trotzdem musste der im Juni geholte Niederländer Zürich bereits im Oktober wieder verlassen. Auch, weil sich ein einflussreicher Teil der Zürcher Mannschaft gegen ihn gestellt hatte. Unter Nachfolger Dennis Hediger ging es dann erst einmal steil nach unten (drei Niederlagen in Folge), ehe sich der ehemalige Thuner Captain mit zehn z.T. sehr glücklichen Punkten in vier Partien in die Rückrunde rettete. Dort zog der Klub dann nach bloss zehn Punkten in 14 Spielen die Reissleine. Die zweite Neubesetzung des Cheftrainer-Postens hatte es dann vor allem aus sport-politischer Perspektive in sich: Installiert wurde mit Carlos Bernegger nämlich jener Mann, der knapp zwei Wochen vor Hedigers Freistellung noch zu dessen Support engagiert worden war. Mitentscheidender Mann in dieser Konstellation: Dino Lamberti, Agent von Bernegger (sowie dessen designiertem Nachfolger Marcel Koller) und seit Anfang Jahr dem FCZ auf Mandatsbasis als Berater beistehend. Dass die Zürcher bei Berneggers Prermiere in Lausanne mit 0:3 untergingen und den Ligaerhalt noch immer nicht gesichert haben, ist da schon fast nebensächlich.
11. Spieltag, Giorgio Contini, BSC YB
Ausgerechnet an Halloween, war es dann um den nächsten Super-League-Coach geschehen. Und mit Giorgio Contini traf es einen Mann, der in Bern zehn Monate vorher angetreten war, um mit den taumelnden Young Boys spätestens in dieser Spielzeit wieder um den Meistertitel zu spielen. Und mit 1,63 Punkten pro Spiel (1,76 während seiner gesamten YB-Zeit) gelang ihm dies nicht einmal schlecht, zumindest deutlich besser, als seinem Nachfolger Gerardo Seoane (1,18 Punkte pro Spiel). Beiden wurde schlussendlich eine löchrige Defensive sowie fehlende Mentalität zum Verhängnis, Aspekte die in Bern bereits seit der Entlassung von Trainer Raphael Wicky im März 2024 zu beobachten waren. Getan wurde dagegen wenig, oder zumindest nichts, was die erhoffte nachhaltige Verbesserung bislang herbeigeführt hätte. Im Sommer erfolgt vermutlich ohne Europacupqualifikation der nächste Anlauf, abermals mit Seoane an der Seitenlinie. Der dreifache YB-Meistermacher zerrt in Bern noch immer von seinen früheren Erfolgen, ist jedoch gut beraten, zur neuen Saison schnell den Schalter umzulegen. Punktet der Luzerner weiter noch schwächer als in seiner nicht wirklich erfolgreichen Zeit in Gladbach (1,22 Punkte/Spiel), dürfte der Wind spätestens im Spätsommer drehen.
21. Spieltag, Ludovic Magnin, FC Basel
Die Geduld mit Ludovic Magnin, erst im Sommer als Nachfolger von Double-Sieger Fabio Celestini verpflichtet, hielt bis zur Winterpause. Dann brach am Rheinknie der grosse Aktionismus aus. Trotz Rang 4 und 1,71 Punkten pro Spiel, aber just vor der wichtigsten Woche dieser Spielzeit und trotz all dem Momentum, den der grösste Sieg dieser Spielzeit (ein 4:3 beim FCZ) hätte mit sich bringen können. Den am Tag danach entliessen die Bebbi ihren Head Coach und stehen heute vor den Trümmern dieser Saison. Mit 21 Punkten Rückstand auf die Thuner, (aktuell) ausserhalb der europäischen Plätze und mit einem Trainer, der bislang in fast jedes Fettnäpfchen stampfte, dass er irgendwo finden konnte. Natürlich muss man SL-Rookie Stephan Lichtsteiner eine gewisse Lernkurve zugestehen, der ehemalige Nati-Captain tat sich aber in Abwesenheit guter Resultate (out in allen drei Wettbewerben, 1,31 Punkte pro SL-Spiel) mit diversen Aktionen keinen Gefallen. Doch zumindest auf dem Papier hat der Luzerner noch ziemlich viel Zeit, um aus seinen gemachten Fehlern die richtigen Schlüsse zu ziehen. In seinem ersten Trainerjob auf diesem Niveau wurde er von den Baslern Anfang Februar mit einem Vertrag bis Juni 2029 ausgestattet.
30. Spieltag, Gerald Scheiblehner, GC
Am Anfang war da eine gewisse Euphorie. Ein Glaube, dass der ebenso charismatische wie launische Übungsleiter jener Trainer sein könnte, der mit einem jungen GC-Team endlich wieder für Aufschwung beim tief gefallenen Rekordmeister sorgen könnte. Und zuweilen gelang dies dem gebürtigen Linzer auch, so etwa beim 3:0 über den FCZ, beim 6:2 in Bern oder natürlich auch mit dem Einzug in den Cup-Halbfinal. Insgesamt jedoch steckten die Hoppers auch dieses Frühjahr wieder einmal tief im Abstiegskampf fest, als Scheiblehner Mitte März ziemlich überraschend seines Amtes enthoben wurde. Noch überraschender war lediglich, wen Sportchef Alain Sutter als Nachfolger des Österreichers präsentierte: Gernot Messner, ebenfalls Österreicher, aber deutlich weniger erfahren und viel zurückhaltender als der geschasste Vorgänger. Der Kärtner sollte bei GC in erster Linie neue Impulse setzen – und scheiterte fast schon mit Ansage. Mittlerweile agieren die Hoppers ungefähr so inspiriert, wie eine Horde Teenager am letzten Schultag und laufen nach dem Aus im Cup (0:2 bei SLO) auch in der Meisterschaft Gefahr, sämtliche Ziele und den Ligaerhalt zu verpassen. Bevor es soweit kommt, würde Sutter wohl noch einmal am Trainerstuhl hantieren, eine Sache dürfte er sich und seinem Klub jedoch bereits eingebrockt haben: Den Titel des womöglich verhängnisvollsten Trainerwechsels der Saison, denn der FCB doch eigentlich bereits für sich reklamiert hatte.