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Der Abstieg droht: Tottenham vor Duell bei Wolves unter Druck

Patrick

Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet bei Absteiger Wolverhampton Wanderers bestreitet Tottenham Hotspur am Samstagnachmittag das bislang wichtigste Spiel dieser Saison. Ein «do or die» Spiel irgendwo in den West Midlands, weil der fünftwertvollste Kader der gesamten Premier League auf Tabellenplatz 18 um den Ligaerhalt bangen muss. Wie konnte es soweit kommen? Wir werfen einen Blick nach Nordlondon.

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Schon wieder nix: Auch gegen Brighton verpasste Tottenham den ersten Sieg 2026 in letzter Minute © IMAGO / Martin Dalton

Der trügerische Start

Ende Oktober des vergangenen Jahres war die Welt bei den Spurs noch in Ordnung. Rang 3 in der Premier League (9/17), amtierender Europa-League-Champion und ganz allgemein auf Kurs, sich nach einer insgesamt ungenügenden Spielzeit 2024/2025 (Rang 17) direkt wieder unter den führenden EPL-Klubs einzureihen. Eine halbes Jahr später, sieht die Situation ganz anders aus. Anstatt um die europäischen Plätze, kämpft der 800 Millionen „wertvolle“ Kader unter Trainer Roberto De Zerbi verzweifelt um den Ligaerhalt. Und das, alles andere als mit Erfolg. Denn auch unter dem Italiener ist es bislang nicht gelungen, den Anfang Jahr einsetzenden Absturz der „Lilywhites“ (seit dem 28. Dezember ohne Sieg!) zu stoppen, wobei die Krise eigentlich schon viel früher begann. Im gesamten Kalenderjahr 2025 holte Tottenham nämlich nur knapp einen Punkt pro Spiel, eine Bilanz, die sich im neuen Jahr nun noch einmal drastisch verschlechterte. Nach dem „gut punch“ gegen Brighton (Ausgleich in der 95. Minute) stehen da mittlerweile 15 Spiele, aber nur sechs Punkte zu Buche.

 

Panik auf der Titanic

Woran’s liegt? Klar ist, dass der Absturz von Rang 3 auf Rang 18 innerhalb eines halben Kalenderjahres tiefe Spuren im Klub und in dessen Umfeld hinterlassen hat. Mittlerweile versucht sich mit De Zerbi (ex-Marseille, ex-Brighton) bereits der dritte Hauptübungsleiter am verunsicherten Luxuskader der Spurs, nach dem sich die Klubleitung im Sommer entschieden hatte, sich trotz EL-Triumph von Ange Postecoglou und seinem riskanten, von aggressivem Pressing gekennzeichneten „Ange ball“ zu trennen. Mit Thomas Frank sollte ein erfahrener Däne für mehr Stabilität in Nordlondon sorgen, was aber nur für kurze Zeit gelang. Spätestens mit Beginn der Rückrunde verlor der langjährige Brentford-Coach mit seiner eher defensiv ausgerichteten Spielweise seine Spieler und auch die Fans, die ob der katastrophalen Heimbilanz (nur zwei Siege in 13 Spielen) alles andere als „amused“ waren. Allerdings: Als Frank am 11. Februar schliesslich entlassen wurde, standen die Spurs mit Rang 16 bereits am Abgrund, was die nachfolgende Verpflichtung des Kroaten Igor Tudor umso unverständlicher macht. Der 48-jährige hatte zuvor bei Lazio Rom und Juventus Turin ganze 35 Spiele (total) wirken dürfen, galt als klassischer Feuerwehrmann und verrannte sich prompt fürchterlich. In nur sieben Spielen versuchte er fünf Mal mit ein anderes System, holte dabei in der EPL genau einen Punkt und ritt die „Lilywhites“ damit noch viel näher an den Abgrund. 43 Tage nach seiner Ernennung zum Cheftrainer, wurde Tudor Ende März bereits wieder entlassen und durch Roberto De Zerbi ersetzt. Doch auch der 46-jährige Norditaliener konnte den Bock bislang nicht umstossen. Aus den Spielen bei Sunderland (0:1) und gegen Brighton (2:2) resultierte nur ein Punkt.

 

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Neuer Hoffnungsträger an der Seitenlinie: Roberto De Zerbi soll die Spurs vor dem drohenden Abstieg retten (IMAGO / Shutterstock)

Hast du Schei..e am Fuss

Aber natürlich wäre es falsch, Tottenhams Probleme nur an den Trainern und an den Entscheidungen des Managements festzumachen. Denn auf dem Platz stehen am Ende immer noch die Spieler, die im Falle der Spurs zudem durchaus über ausreichend Talent verfügen, um in der Premier League eine deutlich bessere Rolle zu spielen. Allerdings sind sie verunsichert (verständlich, ob der mangelnden Resultate, dem zunehmenden Druck und der ständigen Wechsel) und - vor allem - verletzt. Kaum ein Team leidet in dieser Spielzeit noch mehr unter der Verletzungshexe als die Jungs von der White Hart Lane, die in ihrem Lazarett mittlerweile über 650 Spielertage und 19 grössere Verletzungen angesammelt haben. Ein Wert, der nur noch von Newcastle getoppt wird und die Spurs vor allem auch deshalb so hart trifft, weil u.a. die direkte Konkurrenz von West Ham United nicht einmal halb so viel Verletzungspech zu beklagen hat. Kommt hinzu: Mit Captain Cristian Romero (IV), den beiden Flügeln Mohammed Kudus (RA) und Wilson Odobert (LA), der Mittelfeld-Schaltzentrale um Dejan Kulusevski und James Madison sowie Routinier Ben Davies (IV) fehlen (oder fehlten) den Spurs über weite Strecken dieser Spielzeit enorm wichtige Teile ihrer Mannschaft, gerade wenn es darum geht, in einer Krise für etwas mehr Leadership, Stabilität oder auch offensive Kreativität zu sorgen. In dieser Hinsicht vermissen die „Lilywhites“ mit Sicherheit auch ihren langjährigen Captain Heung-min Son, der London im vergangenen Sommer in Richtung LA (Football Club) verliess. Eine Lücke, die die talentierten, aber ebenfalls kriselnden Neuzugänge wie Randal Kolo Muani (ex-PSG, ex-Juve) und Xavi (ex-RB Leipzig)  bislang nicht füllen konnten.

 

Und jetzt?

Letzterer wurde am vergangenen Wochenende sogar ungewollt zum jüngsten Beispiel für all das, was dieser Tage in Nordlondon schief läuft. Im wichtigen Heimspiel gegen Brighton erzielte der Niederländer in der Schlussphase das vermeintlich entscheidende 2:1 für die Spurs, nur um dann in der Nachspielzeit und von Krämpfen geplagt zusehen zu müssen, wie die „Seagulls“ prompt noch zum 2:2 ausgleichen konnten. Punkte, die der Mannschaft De Zerbis in der Endabrechnung noch fehlen könnten, trennen sie fünf Spieltage vor Saisonschluss doch genau zwei Zähler vom rettenden Ufer und West Ham United (33/33). Die “Tricky Trees” aus Nottingham (Rang 16, 33/36) sind derweil bereits um fünf Punkte enteilt, was bedeutet, dass die Spurs in den verbleibenden vier Wochen ganz dringend auf Siege angewiesen sind. Da trifft es sich ja gut, wartet morgen Samstag mit den Wolves ein abgeschlagener Tabellenletzter und definitiver Absteiger auf die Spurs, die mit einem Sieg die Abstiegsränge zumindest temporär wieder verlassen könnten. Zu früh sollte man sich an der White Hart Lane jedoch nicht freuen. Wer im ganzen Kalenderjahr 2026 noch kein Meisterschaftsspiel gewinnen konnte und auf jeden Zähler angewiesen ist, muss diese (kleinere) Hürde einfach erst einmal nehmen, ehe er sich den nächsten Aufgaben zuwenden kann.

 

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