Aufgefallen: Der 34. Spieltag in der Brack Super League
Eigentlich sollte genau jetzt in der Super League Hochspannung herrschen. Sollte der FC Thun nach den Punktverlusten Nr. 7, 8 und 9 in den letzten vier Partien noch einmal ein wenig zittern müssen. Sollten die Grasshoppers nach der xten Steilvorlage des FC Zürich vielleicht doch noch einmal am direkten Ligaerhalt schnuppern. Aber eben – eigentlich. Stattdessen ist unsere höchste Spielklasse aktuell so spannungsgeladen wie ein drei Wochen alter Luftballon. Der Rückblick auf das SL-Wochenende.
Keine Fans, keine Punkte
Wieder einmal geführt, wieder einmal eingebrochen. Wieder einmal gefühlt am FC Zürich dran, am Schluss wieder einmal umsonst gehofft. Einziger Unterschied: An den Misserfolg mögen sich die Fans des Grasshopper Club Zürich mittlerweile gewöhnt haben, so gefährlich desillusioniert wie zur Zeit dürften sie ihn allerdings schon ewig nicht mehr hingenommen haben. Und mittlerweile steht für einen signifikanten Teil der GC-Anhängerschaft auch nicht mehr der Kampf um den Ligaerhalt im unmittelbaren Vordergrund, sondern viel mehr der Disput gegen die ungeliebten Besitzer vom Los Angeles FC. Eine Woche nach den Ausschreitungen von Lausanne waren es dieses Mal Zeichen in der Form einer leeren Kurve und eines Transparents in nicht jugendfreier Sprache, an der erneuten Niederlage änderten diese Massnahmen freilich abermals nichts. Mit 1:2 unterlagen die Hoppers (Torschütze Imourane Hassane) am Samstagabend dem FC Luzern (Doppelpack Kevin Spadanuda in Halbzeit zwei) und verpassten damit die wohl letzte Chance, den FC Zürich (34/34) vielleicht doch noch etwas nervös zu machen. Dass Winterthur ebenfalls nicht gewinnen konnte, war da ein schwacher Trost. Im toxischen Umfeld des Grasshopper Club (34/27) können momentan vielleicht nicht einmal mehr Siege helfen.
Trainereffekt
Auf der einen Seite der FC Lausanne-Sport. Im ersten Spiel nach der vorzeitig beendeten Ära Peter Zeidler und mit dem Duo Migjen Basha und Markus Neumayr an der Seitenlinie. Auf der anderen Seite der FC Zürich, nicht mehr mit Denis Hediger, dafür aber mit Carlos Bernegger an Bord. Dessen erste Amtshandlung: Die Rückkehr von Captain und Edelreservist Yanick Brecher ins FCZ-Tor. Und dann? Spielen die Stadtzürcher, als wüssten sie schon im Vorfeld der Partie, dass auch Verfolger GC verlieren würde und liegen bereits nach 40 Spielminuten hoffnungslos mit 0:3 im Hintertreffen. Keine gute Figur machen dabei Brecher (beim 0:2) und Bernegger, dessen Anpassungen allesamt wirkungslos verpuffen. Was ein Trainerwechsel auch bewirken kann, sah man derweil auf der Gegenseite, wo sich die Lausannois unter ihrem neuen Führungs-Duo so spielfreudig und zielstrebig zeigten, wie schon länger nicht mehr. Und hätten sie in Halbzeit ihren Tatendrang nicht deutlich gedrosselt, es wäre wohl nicht bei den Toren von Morgan Poaty (7.), Nathan Butler-Oyedeji (21.) und Jamie Roche (40.) geblieben. So kann sich Zürich immerhin damit trösten: Die Position als Nr. 1 im Kanton scheint unverändert gesichert.
Auf Einhundert
100 Minuten lang bekämpften sich der FC Thun und der FC Lugano am Samstagabend, als ginge es für beide Seiten um alles. Tat es auch (fast), denn schliesslich erhofften sich die Berner Oberländer vor vollem Haus den finalen Schritt zur ersten Meisterschaft der Klubgeschichte. Und auf der anderen Seite? Wollten sich die Bianconeri mit einem Big Point auf Tabellenplatz 3 behaupten, der am Saisonende mit Sicherheit zur Qualifikation für den Europacup gereicht. Und so ging es in diesem Spitzenduell nach eher gemächlichem Start mit fortlaufender Spieldauer immer mehr zur Sache, wechselten sich Torchancen, knackige Zweikämpfe und die eine oder andere hitzige Szene in bunter Reihenfolge. Schliesslich war es Ezgjan Alioksi in der 98. Spielminute vorbehalten, doch noch für eine Entscheidung zu sorgen. Aus elf Metern versenkte der Berner in Diensten der Ticinesi souverän und sorgte damit dafür, dass zumindest Lugano (34/60) an diesem intensiven Abend doch noch jubeln konnte. Freuen konnte sich am Sonntagabend dann auch der FC Thun (34/74). Dank dem X:X von St. Gallen bei YB krönte sich der sensationelle Aufsteiger quasi auf dem Sofa zum Schweizer Meister 2025/2026! Die XX Punkte Vorsprung vier Spieltage vor Schluss sind von der Konkurrenz nicht mehr aufzuholen.
Schlechte Idee
Bekanntlich ist es im Fussball keine gute Idee, als Gefoulter zum anschliessenden Elfmeter anzutreten. Doch eine noch schlechtere Idee? Als Gefoulter dann zum Elfmeter anzutreten, wenn man zuvor monatelang kein Tor mehr erzielt hat. Erst Recht in einer Partie, die den Verlierer möglicherweise einen Platz im europäischen Fussball kosten könnte. Und trotzdem schnappte sich der kurz zuvor eingewechselte Moritz Broschinski in der 74. Minute den Ball, nahm Anlauf – und schob den Ball in die Arme des rechts abtauchenden Anthony Racioppi. Es blieb beim 0:2, bei einem Saisontreffer für den glücklosen, ehemaligen Bundesligastürmer und folgerichtig bei der nächsten Basler Niederlage im Kampf um einen Platz in den Top 4. Denn bereits zuvor hatten Rilind Nivokazi (25.) und Josias Lukembila (60.) für den FC Sion getroffen, der im Joggeli zum dritten Mal in Folge siegreich blieb und insgesamt seit dem 4. März nicht mehr verloren hat. Zu jenem Zeitpunkt lagen die Basler noch fünf Punkte vor den Wallisern, die mittlerweile nicht nur zum FCB aufgeschlossen, sondern ihn direkt auch überholt haben. Neu lautet die Super-League-Hackordnung nämlich: 4. Rang für den FC Sion mit 55 Punkten, Platz 5 für den FC Basel mit 53 Zählern.
Noch Neun
Scheinbar unaufhaltsam steuert der FC Winterthur auf zwei Dinge zu: Den direkten Abstieg in die Challenge League und die Benchmark von 100 Gegentoren in einer Spielzeit, an welcher noch nie zuvor ein Klub auch nur annähernd gerochen hat. Nach den fünf Gegentoren gegen Servette haben die Eulachstädter bereits jetzt als erster Superligist die Marke von 90 Gegentoren gebrochen, wobei man dem FCW zu Gute halten musste, dass er trotz einer einem frühen 0:3-Rückstand (Doppelpack Miroslav Stevanovic in 21. und 25., Florian Ayé in 29.) nie aufsteckte und dank einem Doppelpack von Nishan Burkart (32. und 39.) sowie einem Treffer von Alexandre Jankewitz (51.) zwei Mal einen Weg fand, um ins Spiel zurückzukehren. Schlussendlich sorgte Thomas Lopes (62.) für die endgültige Entscheidung zugunsten der Grenats, welche den Winterthurern damit vielleicht die letzte realistische Hoffnung raubten, GC auf Rang 11 noch einmal bedrängen zu könnten. Acht Punkte Rückstand und ein deutlich schlechteres Torverhältnis sind ein grosse Hypothek für ein Team, dass in bislang 34 Spielen nur 19 Punkte sammeln konnte.
Neue Serie
36 Spiele lang blieb der FC St. Gallen zwischen März 2005 und Oktober 2026 bei den Berner Young Boys ohne Sieg. Und dann? Sicherten sich die Ostschweizer letzten Herbst nach neun Pleiten in Folge den ersten Dreier im Wankdorf (1:2) und doppelten nun gestern Sonntag direkt nach. Mit einem abermals in den letzten Spielminuten erkämpften 2:1-Auswärtserfolg versetzte Grün-Weiss dank den Toren von Lukas Görtler (64.) und Chima Okorji (92.) dieses Mal gleich einen ganzen Kanton in Schockstarre. In der Hauptstadt YB, dass sich trotz Ebrima Colleys zwischenzeitlichem Ausgleich (81.) mit der Niederlage wohl endgültig aus dem Rennen um Europa verabschiedete (34/48). Und im Berner Oberland die feierhungrigen Thuner, denen der fast gewonnene Meistertitel innerhalb von knapp 20 Stunden zum zweiten Mal in den letzten Spielsequenzen aus den Händen gerissen wurde. Umso besser war derweil die Stimmung im Lager der St. Galler, wo der FCSG nach dem Cup-Halbfinale vor Wochenfrist auch bei der durchaus bedeutsamen Cupfinal-Hauptprobe obenaus schwang und sich damit auch im Rennen um Europa einen Matchball verschaffte. Mit drei weiteren Punkten gegen den FC Sion am nächsten Wochenende wären die St. Galler (34/63) nächste Saison mit Sicherheit in Europa mit dabei.