PSG: Das CL-Double im Kopf, Bayern vor der Brust
Es ist angerichtet: Wenn Paris Saint-Germain heute Abend die Münchner Bayern im Pariser Parc des Princes willkommen heisst, treffen die beiden meistgenannten Titelfavoriten im Champions-League-Halbfinale aufeinander. Für Titelverteidiger PSG steht dabei mehr als nur der erneute Finaleinzug auf dem Spiel. Doch ausgerechnet am deutschen Rekordmeister bissen sich die Franzosen in jüngerer Vergangenheit regelmässig die Zähne aus.
Drei Siege zum seltenen Repeat
Noch maximal drei Siege. Das ist alles, was Paris Saint-Germain aktuell von einem historischen Triumph trennt - der erfolgreichen Titelverteidigung in der UEFA Champions League. Seit der Reorganisation des ehemaligen «Meistercups» Anfang der 1990er Jahre ist diese bislang genau einem Klub gelungen – Real Madrid. Die Königlichen schafften zwischen 2016 und 2018 das Kunststück, die wichtigste Trophäe im Klubfussball sogar dreimal hintereinander zu gewinnen, während sämtliche andere Giganten des europäischen Fussballs bereits an der «einfachen» Titelverteidigung scheiterten. Bis jetzt. Mit Paris Saint-Germain winkt nun ausgerechnet jenem Klub die Chance, Geschichte zu schreiben, der jahrelang als Paradebeispiel für einen Klub galt, der es nicht verstand, seine scheinbar unbeschränkten (finanziellen) Möglichkeiten auch nur annähernd auszuschöpfen. Das hat sich in den letzten 18 Monaten gründlich geändert und hat natürlich – aber nicht nur – mit der Verpflichtung von Trainer Luis Enrique zu tun.
Vom Star-Ensemble zum Team mit Spirit
Denn genau genommen ging dem Entscheid, den heute 55-jährigen Spanier vor knapp drei Jahren zu verpflichten, ein Sinneswandel in der Pariser Chefetage zuvor. Weg vom «Galactico-Modell» mit hochbezahlten Superstars à la Messi, Neymar oder Mbappé, hin zu einem Modell, welches das Kollektiv und den Aufbau einer neuen Mannschaft rund um eine starke Trainerpersönlichkeit favorisierten. Diese nahm in der Person von Enrique im Sommer 2023 ihre Arbeit auf, brauchte aber ihre Zeit, um den Kultur- und Personalwandel im Verein nach seinen Vorstellungen voranzutreiben. Erst mit einem Kern rund um die Schlüsselspieler Marquinhos (seit 2013), Hakimi (seit 2021) und Vitinha (seit 2022), dann während eineinhalb Jahren ergänzt mit talentierten Kickern wie dem ehemaligen BVB- und Barca-Problemspieler Ousmane Dembélé, Bradley Barcola, Désiré Doué oder Kvhicha Kvaratskhelia. Noch im Herbst 2024 deutete wenig darauf hin, dass PSG unter Luis Enrique bald zu den dominierenden Klubs im europäischen Fussball gehören würde, heute aber ist des Spaniers Handschrift klar erkennbar. Mit einem Mix aus Ballbesitz, ständigen Positionswechseln in der Offensive und starkem Gegenpressing beherrschen «les Parisiens» mittlerweile eine Stil, der es ihnen nahezu immer ermöglicht, ihr Spiel durchsetzen und die Gegner vor grösste Probleme zu stellen.
Die Bayern als ultimativer Test
Und nun wartet mit dem FC Bayern München so etwas wie ein ultimativer Test auf die mittlerweile sieggewohnten «Parisiens». Denn zum einen treten die Münchner ähnlich dominant auf wie PSG, verteidigen hoch und verfügen mit Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz über ebenso gefährliche Offensivakteure wie der Titelverteidiger. Zum anderen hat sich der Deutsche Rekordmeister jüngst zu einer Art Angstgegner für die Franzosen entwickelt. In den letzten fünf direkten Begegnungen in der Königsklasse verliess PSG den Platz nämlich ausnahmslos als Verlierer und erzielte dabei einen einzigen Treffer (beim 1:2 im November). Dabei besonders schmerzhaft: Die Erinnerungen an das Achtelfinal-Duell 2023, als die Bayern PSG in zwei Partien komplett neutralisierten. Doch natürlich gibt es aus Pariser Sicht auch hinreichend Gründe, warum sich dieser Ausgang 2026 nicht noch einmal wiederholen wird. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Bajuwaren heute auf ihren gesperrten «Chef» Vincent Kompany werden verzichten müssen oder natürlich der Blick zurück ins Vorjahr. Damals, als PSG nach einem schwierigen Herbst just zur «Crunchtime» zur Hochform auflief und im Halbfinale mit Arsenal einen Gegner ausschaltete, dem man zuvor in der Ligaphase noch unterlegen war. Sollte sich diese Geschichte in der aktuellen CL-Kampagne wiederholen, kämen Enrique & Co. dem grossen Ziel «Titelverteidigung» einen gewaltigen Schritt näher.