Aufgefallen: Der 2. Spieltag in der Brack Super League
Wenn das mal keine Steigerung ist: Nach bereits beachtlichen 19 Toren zum Saisonstart, legten die zwölf Superligisten an diesem Wochenende noch einen drauf: Ganze 23 Mal durfte gejubelt werden, nur halt nicht gleichmässig verteilt. Am meisten Freude machte der 2. Spieltag in Bern, Lugano, St. Gallen und Sion, während man in Genf zumindest davon verschont blieb, nicht als einziges SL-Team noch ohne Torerfolg dazustehen. Unser Überblick.
Wayne Gretzky, Fussballkenner
«You miss 100 percent of all shots you don’t take” wusste Eishockeylegende Wayne Gretzky schon vor Jahrzehnten. Und entsprechend musste man in Basel damit rechnen, dass eine offensiv ähnlich uninspirierte Darbietung wie in der Vorwoche (ein Torschuss), nicht noch einmal mit einem Tor und drei Punkten belohnt werden würde. Zumindest nicht auf Seiten der Bebbi. Und so war die Reihe dieses Mal am Gast aus Lausanne, um mit minimalem Aufwand maximalen Ertrag einfahren zu können. Die Waadtländer holten sich nämlich mit einem Augustkracher des eingewechselten Floren Mollet spät die drei Punkte (90.+ 1) und dies – natürlich – mit dem ersten und einzigen Schuss aufs Basler Tor in der gesamten Partie. Ein guter Lohn für disziplinierte, aber fantasielose Lausannois, während Basel zum zweiten Mal innert Wochenfrist nicht wirklich viel mit dem Ball anzufangen wusste. Mit dem Unterschied, dass die Punkte dieses Mal nicht am Rheinknie blieben.
Happy Jubiläum
Seinen 130. Geburstag feierte der FC Zürich am Samstag im Heimspiel gegen den FC Servette Genf. Und mit den Grenats hatten sich die Zürcher genau den richtigen Gast in den heimischen Letzigrund geladen, um dieses Jubiläum erfolgreich zu begehen. Denn zum einen waren die Romands durchaus gewillt, ihren Beitrag zu einem attraktiven Spiel beizusteuern. Zum anderen zeigten sie sich im Auslassen ihrer Torchancen genauso grosszügig, wie für den schmeichelhaften Erfolg des Stadtklubs notwendig. Denn wer aus den Chancen für Quentin Maceiras (21.), Mathis Lambourde (30.) oder Samuel Mraz (51.) keinen Profit schlägt und dem Gegner in der Person von Keeper Edvinas Gertmonas zudem das 1:0 schenkt (Valon Berisha, 35.), muss sich nicht wundern, wenn er nach zwei Spieltagen mit null Punkten das Tabellenende ziert. Auf der anderen Seite durfte sich der FCZ in der zweiten Halbzeit sogar noch eines zweiten Treffers erfreuen (Mohamed Bangoura, 79.) und die ersten drei Punkt der laufenden Spielzeit verbuchen. Servettes Anschlusstor (Tiemoko Ouattara, 90. +1.) kam zu spät.
Kein Pokal
Mit 3:8 unterlag der FC Thun im vergangenen Mai den Berner Young Boys und wurde im Anschluss mit der Übergabe des Meisterpokals belohnt. Am Samstagabend nun wiederholte sich das Gastspiel der Bundesstädter – und endete für die Oberländer erneut im Debakel. Natürlich mit dem Unterscheid, dass es für die Thuner dieses Mal nichts zu feiern, dafür aber einige Fragen zu beantworten gab. Zum Beispiel nach dem Sinn der vielen Wechsel (sechs) im Vergleich zum CL-Qualifikationsspiel in Zagreb, welche der Meister insbesondere auf den Seiten, wo sonst Fabio Fehr und Michael Heule für Stabilität sorgen, nicht verkraften konnte. Andererseits darf man dem Gast aus Bern für seinen Auftritt auch ein Kränzchen widmen. Er wusste die Thuner Schwächen zu nutzen und schuf so bereits in den ersten 35 Spielminuten (10. Joël Monteiro, 24. Levin Blum, 33. Samuel Essende) jene Differenz, die das Spiel entschied. Dass Gelb-Schwarz den Fuss in Halbzeit zwei auf dem Gaspedal beliess war ein schlechtes Zeichen für alle Jene, welche es nicht mit den Young Boys halten. Doppelpacker Samuel Essende (55. und 90.) und der letztjährige Thuner Kastriot Imeri (64.) schraubten das Score so bis zum Ende auf ein 0:6.
Zweimal wie einmal
Mit 1:2 unterlag der FC Vaduz zum Saisonauftakt dem FC Lugano. Ein erwartbarer Taucher, in der Art und Weise jedoch wenig zwingend, um nicht zu sagen unnötig. Und gestern? Da hiess der Liechtensteiner Aufsteiger den FC St. Gallen im Rheinpark willkommen – und tauchte auf fast noch schlimmere Art und Weise. Aufgrund eines Jahrzehntebocks von Keeper Benjamin Büchel nach 24 Sekunden, nach einem Ballverlust zur Unzeit durch Malik Sawadogo (71.) und trotz eines nur um Fussesbreite verpassten 3:1 zwischendrin. So blieben am Ende nur die Tore von Marcel Monsberger (11.) und Juan Cabrera (55.) und somit zu wenig, um abgebrühte St. Galler vom zweiten Comeback-Sieg dieser Saison abzuhalten. Denn wie schon vor Wochenfrist gegen Zürich, drehte Grün-Weiss auch diese Partie spät, dieses Mal dank den beiden ersten SL-Toren von Joker Enoks Owusu (71. und 87.). Auf die sechs somit irgendwie erspielten Punkte sollten sich die Ostschweizer allerdings nicht zu viel einbilden. Noch einmal wird ihnen ein Gegner die Führung nicht mehr so auf dem Silbertablett reservieren, wie die Vaduzer vor Baldés 0:1 (1. Minute).
Hier Hui, da Pfui – und umgekehrt
GC gegen den FC Lugano – das war zumindest gestern Sonntag ein Spiel zweier Halbzeiten. Einer Ersten, in der die Bianconeri irgendwie den Wecker nicht gehört hatten, prompt mit 0:1 in Rückstand gerieten (Luke Plange, 24.) und von Glück reden konnten, dass die Hoppers eine der ihrem effektiven Pressing geschuldeten Konterchancen nicht zu einem zweiten oder sogar dritten Tor nutzen konnten. Und einer Zweiten, in der die in der Pause von Trainer Croci-Torti neu ausgerichteten Tessiner von Anfang an den Ton angaben, nach sechs Minuten durch Youngstar Dereck Moncada (18) bereits zum dritten Mal nach einer Ecke trafen und im Anschluss nicht mehr zurückblickten. Nicht nach der einzigen, dafür aber hochkarätigen GC-Torchance durch Oscar Clemente (68.), und erst Recht nicht nach den weiteren Toren durch Yanis Cimignani (71. und 90. + 2) sowie Elias Philström (78.). Dass Croci-Torti dabei alle drei Tore zur schlussendlichen Siegsicherung einwechselte, darf durchaus auch noch erwähnt werden.
Fussball ist…
…ein Fehlerspiel. Und dass dem so ist, konnte gestern Nachmittag wieder einmal am Beispiel des FC Luzern beobachtet werden. Noch keine drei Minuten waren beim Gastspiel im Tourbillon gespielt, als sich Mittelfeldakteur Tyson Owusu eine Unsicherheit leistete, zu retten versuchte und dafür zu Recht mit Rot (grobes Foulspiel) vom Platz gestellt wurde. Und sechs Minuten später kam es für die Zentralschweizer noch dicker. Keeper Simon Simoni, nach einem nur halbwegs geglückten Debüt zum zweiten Mal zwischen den FCL-Pfosten, liess einen direkt auf ihn zukommenden Schuss von Donat Rrudhani zwischen Armen und Beinen hindurchflutschen – 0:1. Zu zehnt zeigte sich das Team von Neo-Coach Udo Portmann im Anschluss zwar bemüht, blieb aber chancenlos. Trotz diverser guter Paraden Simonis und trotz einiger weniger Kontergelegenheiten, die an den entscheidenden Fehlern jedoch nichts mehr verändern konnten. Am Ende holte sich der FC Sion mit dem 3:0 (weitere Tore durch Théo Berdayes in 70. und Josias Lukembila in 77.) souverän die ersten drei Punkte der neuen Saison, auf die der FCL auch nach dem zweiten Auftritt noch wartet. Die nächste Gelegenheit wartet kommenden Sonntag in St. Gallen auf die Leuchtenstädter.