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Weniger, dafür prominenter: Die Schweizer Exponenten in der 2. Bundesliga

Patrick

Diesen Freitag startet sie: Die 2. Bundesliga, die möglicherweise beste zweite Liga der Welt. Mit dabei insgesamt neun Schweizer, die von A wie Aaron Keller bis Z wie Junior Zé nahezu das gesamte Spektrum abdecken.

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Neue Herausforderung: Ex-FCL-Keeper Pascal Loretz orientiert sich mit Hannover 96 in Richtung Bundesliga © IMAGO / Osnapix

Der Aufsichtsrat: Diego Benaglio, VfL Wolfsburg

Rekord-Torhüter (321 Bundesligaspiele) war er schon. Deutscher Meister (2009) und Pokalsieger (2015) ebenso. Seit letztem Sommer bekleidet der langjährige Schweizer National-Keeper nun auch eine Position im Aufsichtsrat der Niedersachsen, die in der vergangenen Spielzeit den ebenso überraschenden wie bitteren Abstieg in die 2. Liga hinnehmen mussten. Mit einem Benaglio, dessen Expertise in einer von Turbulenzen und Entlassungen (u.a. zwei Trainer und ein Geschäftsführer) geprägten Saison viel mehr in Anspruch genommen wurde, als es seine beratende und kontrollierende Funktion eigentlich vorsah. Mit der Neuausrichtung im sportlichen Bereich (der langjährige Trainer Dieter Hecking bildet als Geschäftsführer gemeinsam mit Pirmin Schwegler und Trainer Tobias Strobl die neue operative Führung) rückt der gebürtige Zürcher nun wieder ins zweite Glied und hofft, sich dort in den kommenden Monaten wieder vermehrt mit positiven Ereignissen beschäftigen zu können.

 

Der Sportdirektor: Pirmin Schwegler, VfL Wolfsburg

Am 10. Dezember wagte Primin Schwegler den Sprung ins Rampenlicht. Nach Stationen bei Bayern, Hoffenheim und Frankfurt heuerte er beim VfL Wolfsburg als Sportdirektor an, wo er am 20. Dezember mit Daniel Bauer seinen ersten Cheftrainer einstellte. Knappe zehn Wochen später, war jener bereits wieder Geschichte und noch einmal zweieinhalb Monate später stieg Schwegler mit dem Werksklub in die zweite Bundesliga ab. Trotzdem sitzt der Luzerner in der VW-Stadt (noch) fest im Sattel und darf mit dem mit Abstand wertvollsten Kader der Liga (169,15 Mio. Marktwert) versuchen, den Betriebsunfall Abstieg mit der sofortigen Rückkehr ins Oberhaus wieder gut zu machen. Ein Scheitern kann sich Schwegler trotz Vertrag bis 2030 eigentlich nicht erlauben. Der nächstbeste Konkurrent (Mitabsteiger St. Pauli) steigt mit einem «nur» 46,43 Mio. Euro teuren Team ins Rennen.

 

Der Trainer: Thomas Stamm, Dynamo Dresden

Von derlei (finanziellen) Voraussetzungen kann der nächste Schweizer in Liga 2 nur träumen. Thomas Stamm steigt in der Elbstadt Dresden bereits zum dritten Mal in eine neue Saison, was beim nur selten ruhigen Traditionsklub allein schon eine Leistung ist. Erst Recht, wenn die Spielzeiten eins und zwei mit dem Aufstieg und dem einigermassen souverän erspielten Ligaerhalt endeten. Allerdings zeigte das erste Zweitligajahr auch: Gross ist die Differenz zwischen Aufsteigern wie Elversberg und Absteigern wie Fortuna Düsseldorf nicht. Entsprechend mahnt der Sohn eines Schweizer Vaters und einer Deutschen Mutter trotz Rekord-Transfersommer (Ausgaben von 3,2 Mio Euro) zur Vorsicht und hat das Geld in erster Linie in Spieler investiert, die nach erfolgreicher Leihe nun fix übernommen werden konnten. Trotzdem stehen die Dresdner in der Marktwerttabelle noch immer nur auf Rang 15. Da muss der erneute Klassenerhalt erst einmal das primäre Ziel sein.

 

Der Aufstiegsaspirant: Pascal Loretz, Hannover 96

Nach 121 Super-League Spielen und mit trotzdem erst 23 Jahren hat Pascal Loretz den Sprung gewagt. Ausgestattet mit einem Vierjahresvertrag soll er beim Niedersächsischen Traditionsklub Hannover 96 als neue Nr. 1 mithelfen, nach acht Jahren die Rückkehr in die Bundesliga zu bewerkstelligen. Im Mai scheiterte 96 als Tabellenvierter ebenso knapp wie unnötig am grossen Ziel Aufstieg, weil man auf der Zielgeraden die PS nicht mehr auf den Boden bekam. Nach drei Unentschieden in Folge (vs. Absteiger Münster und die beiden Mittelfeldklubs Bochum und Nürnberg) fehlten der Mannschaft von Trainer Christian Titz am Ende zwei Zähler zum direkten Aufstieg. Das soll sich in der anstehenden Spielzeit auch wegen Loretz’ spielerischen Fähigkeiten nicht mehr wiederholen. Der erfahrene Coach zählt darauf, u.a. mit einem spielstarken Keeper den Unterschied machen zu können.

 

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Will beim VfL Wolfsburg durchstarten: Der ehemalige St. Galler Junior Alessio Besio (IMAGO / Jan Huebner)

Der Rückkehrer: Jan Elvedi, 1. FC Kaiserslautern

Ende Mai sicherte sich «Leihspieler» Jan Elvedi mit Greuther Fürth in Extremis den Ligaerhalt. Zum Saisonstart weilt der Innenverteidiger nun aber trotzdem zurück in der Pfalz, wo Trainer Torsten Lieberknecht vor dem Saisonstart grosse Stücke auf den Zürcher hält. Das ist ungewöhnlich für einen 29-Jährigen, der den Klub im Januar verliess, um mehr Spielzeit zu bekommen. Nun ist er zurück am Betzenberg, wo die Sehnsucht nach einer Rückkehr auf die grosse Bundesligabühne ewig brennt. Seit dem Aufstieg aus der 3. Liga in2022, resultierte für die «Roten Teufel» zwar nie mehr als Rang 6, ganz abschreiben sollte man die Lauterer aber nicht. Wer 2023 sensationell den Sprung ins Endspiel des DFB-Pokals schaffte (mit Elvedi als verlässliche Stütze), kann unter Umständen auch dazu in der Lage sein, im Meisterschaftsalltag zu überraschen. Jan Elvedi (Vertrag bis 2028) hätte mit Sicherheit nichts dagegen.

 

Der Hoffnungsträger: Arlet Junior Zé, Eintracht Braunschweiz

Hoffnungsträger Junior Zé? Das kennen wir doch schon aus den Basler Zeiten des talentierten Linksaussen, der sich beim FCB aber genauso wenig durchsetzen konnte, wie im Rahmen seiner halbjährigen Leihe nach Midtjylland. Nun wechselt der 20-jährige Linksaussen mit einem Dreijahresvertrag zum niedersächsischen Traditionsverein Eintracht Braunschweig und erhofft sich dort, mit Verzögerung Fuss im Profi-Fussball zu fassen. Was dafür spricht? Junior Zé dürfte in der Löwenstadt ausreichend Gelegenheit erhalten, um sein Talent unter Beweis zu stellen. Trotz (oder gerade wegen) seines jungen Alters gehört er nämlich bereits jetzt zu den wertvollsten Spielern im Braunschweiger Kader und soll der in den letzten Spielzeiten stets trägen Braunschweiger Offensive frischen Wind verpassen. Tore wären dabei natürlich auch ganz hilfreich.

 

Der Aufsteiger: Alessio Besio, VfL Wolfsburg

Sein jüngerer Bruder (Diego) stürmt für den FC St. Gallen und ist zumindest hierzulande der möglicherweise bekanntere Besio. Das könnte sich aber in den kommenden Monaten ändern, dann nämlich, wenn der ältere Besio in Wolfsburg durchstartet und mit dem VfL die 2. Liga aufmischt. Das Alessio hierzulande noch nicht bekannter ist, liegt daran, dass er bereits in jungen Jahren zum SC Freiburg wechselte, wo er sich über die zweite Mannschaft für eine Anstellung beim Drittligisten SC Verl empfahl. Dort skorte der vielseitig einsetzbare Angreifer in der vergangenen Spielzeit 21 Mal (12 Tore) und überzeugte derart, dass ihn der neue Wolfsburg-Coach Tobias Strobl direkt an seine neue Wirkungsstätte mitnahm. Bei den Wölfen bietet sich dem 22-Jährigen nun die Chance, sich im deutschen Profi-Fussball zu beweisen. Verläuft die anstehende Saison nach dem Geschmack der Niedersachsen, könnte Besio (Vertrag bis 2030) seine Tore ab der kommenden Spielzeit in der Bundesliga schiessen.

 

Der Auslands-Schweizer: Aaron Keller, Greuther Fürth

Wie es sich anfühlt, die Schweiz im Fussball zu vertreten, weiss Aaron Keller ziemlich genau. Zehnmal war der Mittelfeldspieler in der Vergangenheit nämlich Teil der Schweizer U21-Auswahl und ebnete sich auch mit diesen Partien den Weg zu einem Vertrag bei Zweitligist Greuter Fürth (bis 2029). Wie es sich anfühlt, auch in der Schweiz zu leben, weiss Keller hingegen kaum. Denn der Sohn eines Schweizers hat genau das noch nie getan. Kein Nachteil für die Karriere des 22-Jährigen, die er diese Spielzeit im zweiten Jahr hintereinander bei den Kleeblättern fortführen wird. Unter dem hierzulande bestens bekannten Trainer Heiko Vogel und als Teil einer Equipe, die dem Abstieg im Mai erst im letzten Moment von der Schippe sprang. Dabei spielten die Franken noch vor fünf Jahren in der Bundesliga. Keller, der in der vergangenen Saison 30 Spiele für die Spielvereinigung absolvierte, soll nun mithelfen, dass der Fürther Weg in dieser Spielzeit endlich wieder einmal in die obere Tabellenhälfte führt.  

 

Der Unbekannte: Andi Hoti, Eintracht Braunschweig

Gestatten, Andi Hotti. 23-jähriger Innenverteidiger, geboren in Uster und – jetzt kommt’s – ein Länderspiel für den Kosovo. Ausgebildet beim FC Zürich und mittlerweile nach Zwischenstationen bei Inter Mailand, SC Freiburg, FC Magdeburg und Dynamo Dresden bei Eintracht Braunschweig unter Vertrag (bis 2028). Dort sicherte sich der 1,91m grosse Defensivspezialist in der vergangenen Rückrunde einen Stammplatz und blickt nun auf eine Spielzeit, die er gemeinsam mit ex-FCB-Talent Junior Zé wohl abermals im Abstiegskampf verbringen wird. Denn Konstanz kennt man in Niedersachsen vor allem auf tiefem Niveau. Seit dem Wiederaufstieg 2022 sicherte sich die Eintracht die Plätze 15, 15, 16 und 15. Es könnte also wieder eng werden.

 

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