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Aufgefallen: Der 3. Spieltag in der Brack Super League

Patrick

Drei Spieltage sind in der Brack Super League erst gespielt, und doch zeichnen sich bereits erste tabellarische Konturen in der höchsten Schweizer Spielklasse ab. Mit einem GC und einem FC Vaduz, die bereits um den Anschluss kämpfen. Mit einem FC Lugano, der seine Ambitionen unterstreicht und mit einem Trio aus YB, Basel und Thun, bei dem die vergangene Spielzeit schon bald der Vergessenheit angehören könnte. Unser Rückblick auf das dritte Schweizer Fussballwochenende dieses Sommers.

Keystone_Valentin Flauraud_Spektakel zum Auftakt ins WE_YBs Dominik Pech trifft zum zwischenzthilcien 2zu 0 vs LS (Melvin Mastil)
Spektakel zum Auftakt ins Weekend: YBs Dominik Pech (in gelb-schwarz) trifft zum zwischenzeitlichen 0:2 gegen Lausanne (hier Keeper Melvin Mastil) © Keystone / Valentin Flauraud

Zu früh gefreut

Ausgerechnet in der YB-Viertelstunde. Ausgerechnet in jener Phase, in der die Berner einst Punkte am Laufmeter sammelten, verspielten die Young Boys am Samstag in Lausanne den dritten Sieg im dritten Saisonspiel. Denn bis dahin führten die Bundesstädter bereits mit 0:2 (48. Cédric Zesiger, 75. Dominik Pech) und das, trotz eines Platzverweises gegen Edimilson Fernandes (58.). Doch in Überzahl glaubten die Waadtländer an ihre Chance, kamen durch den zweiten Saisontreffer von Florent Mollet (78.) noch einmal heran und glichen kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit durch einen herrlichen Schlenzer von Nathan Butler-Oyedeji (89.) aus. Und um ein Haar wäre das Team von Luka Elsner sogar noch als Sieger aus dieser Partie hervorgegangen, doch Marvin Kellers Kopf rettet den Bernern in der Nachspielzeit gegen Omar Janneh den einen Zähler. Den bezahlte der YB-Keeper zwar mit einer blutenden Nase, insgesamt dürften aber sowohl YB (3/7) als auch Lausanne (3/5) das selbe frühe Saisonfazit gezogen haben: So kann es gerne weitergehen.

 

 «Das isch GC»

15 Jahre ist er mittlerweile alt, der legendäre Ausspruch von GC-Ikone Ricardo Cabanas. Und doch hat er nach wie vor seine Gültigkeit. Denn noch immer differenzieren sich die Hoppers ziemlich deutlich von einem grossen Teil der Konkurrenz – einfach ganz anders, als von Cabanas einst proklamiert. Zum Beispiel durch Punktverluste nach Führung, auch in dieser Spielzeit bereits wieder sechs. Oder durch Platzverweise zur Unzeit, am Samstag nach einer ebenso umstrittenen ersten wie klaren zweiten gelben Karte (Imourane Hassane, 59.). Und schliesslich durch den Dauerzustand «Abstiegskampf», in dem die Zürcher (ein Punkt) bereits wieder so tief stecken, wie nach drei Spieltagen überhaupt nur möglich. Und so bewahrte GC am Schluss auch der erste SL-Treffer von Amir Abrashi (12.) seit elf Jahren nicht vor der nächsten Niederlage. Servette kam dank Samuel Mraz (29.) und der Super-League-Tor-Premiere von Mathis Lambourde (75.) doch noch zu den wichtigen ersten drei Punkten in der neuen Saison, während die Gäste gegen die Grenats zum 14. Mal in Folge sieglos blieben.

 

Keinen Ball

…sah der FC Zürich teilweise gestern Sonntagnachmittag beim FC Lugano. In den ersten 35 Spielminuten, zum Beispiel, als die Luganesi Gegner und Ball zum Takt von 75% Ballbesitz laufen liessen. Oder abermals in den ersten Minuten nach der Pause, in denen die Bianconeri die Partie endgültig nach Hause schaukelten. Denn Renato Steffens Treffer in Minute 52 war bereits der dritte Tessiner Streich an diesem Nachmittag, nach einem Doppelpack Kevin Behrens’ (16. und 34.) in der ersten Hälfte. Am Ende setzte Daniel Dos Santos mit seinem Traumtor (74.) sogar noch einen drauf, sehr zur Freude der mit 7'269 Zuschauer:innen gut gefüllten AIL Arena. Und der FCZ? Blieb zum ersten Mal in dieser Spielzeit komplett chancenlos und kassierte im dritten Spiel die zweite Pleite. Ganz anders liest sich da die Bilanz der Bianconeri. Nach zwei erfolgreichen aber durchzogenen Auftritten zum Saisonauftakt, liessen die Luganesi gestern zum ersten Mal die Muskeln spielen und untermauerten ihren Status als Meisterschaftsanwärter. Dereck Moncadas 5:0 (89.) hätte es dazu nicht einmal mehr gebraucht.

 

Ein Remis wie ein Sieg_ Lukas Görtler fiert späten sG Ausgleich_Gian Ehrenzeller
Ein Remis wie ein Sieg: St. Gallens Lukas Görtler feiert den späten Ausgleich gegen den FC Luzern (Keystone / Gian Ehrenzeller)

Fertig lustig

Vergangene Saison war alles anders. Da ärgerte der FC Thun die Grossen aus Bern und Basel beinahe nach Belieben, ja tanzte ihnen auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Klubgeschichte auf der Nase herum. Und jetzt? Gingen die Berner Oberländer eine Woche nach dem 0:6 gegen YB auch beim FC Basel chancenlos unter. Natürlich, nur drei Tage nach dem jüngsten Einsatz auf europäischer Bühne, aber halt trotzdem auf ernüchternde Art und Weise.  Ohne sechs «Starter» vom Donnerstag und auch ohne den nächsten «Meistertransfer» in Christopher Ibayi, der die Thuner am Freitag in Richtung Marokko verliess. Und so erfreute sich nach dem Kantonsrivalen dieses Mal der FCB an der bescheidenen Thuner Gegenwehr und konnte zum ersten Mal in dieser Spielzeit so etwas wie offensiv überzeugen. Dank Neuzugang Assane Sow, der die Partie schon vor der Pause (4. und 31.) in die gewünschten Bahnen lenkte. Und dank Zan Celar (53.), der mit seinem zweiten Saisontreffer kurz nach der Pause für die Entscheidung sorgte. Da störte es am Schluss auch (fast) niemanden mehr, dass Xherdan Shaqiri bei den Bebbi bis zur 60. Minute auf der Bank schmorte. Mit dem 4:1 (75.) setzte XS kurz nach dem Thuner 1:3 (73., Layton Stewart) stattdessen den Basler Schlusspunkt, ehe Brighton Labeau (90. + 1. ) mit dem 2:4 noch einmal nachbesserte.

 

Eine Bank

Der Eine (Didier Tholot) hat sie und drehte mit ihr die sonntägliche Partie gegen den FC Vaduz. Der Andere (Marc Schneider) hat sie nicht und erklärte das im Anschluss an das bittere 2:3 beim FC Sion auch den fragenden Reportern. Die Rede ist – natürlich - von der Ersatzbank, die im Fall der Walliser gestern massgeblich dazu beitrug, aus einem 1:2 zur Pause (Julian Stark und Marcel Monsberger für Vaduz, Donat Rrudhani zum zwischenzeitlichen Ausgleich für Sion) noch den zweiten Walliser Vollerfolg der noch jungen Saison zu machen. Dank dem eingewechselten Winsley Boteli (56. für Rilind Nivokazi), der in der 82. Minute zum Ausgleich traf. Und dank dem eingewechselten Franck Surdez (56. für Josias Lukembila), der den tapferen Liechtensteinern in der Nachspielzeit (90. + 4.) auch noch den finalen Zähler entriss. Es wäre für den Aufsteiger der erste der Saison gewesen, der den Vaduzern nun abermals spät aus den Händen glitt. Auch, weil die eigenen Einwechslungen (Hammerich, Cocic, Kasper und Lang) nicht im selben Masse überzeugen konnten, wie diejenigen auf Seiten der Walliser.

 

Betrunken

Unmittelbar vor dem Pausenpfiff war es soweit: Luzerns neuer Torhüter Simon Simoni, bis zu jenem Zeitpunkt ein guter Rückhalt, patzte im dritten Auftritt im FCL-Dress zum dritten Mal. Und zwar in einer Art und Weise, welche den Megabock vom letzten Sonntag in Sion schon fast «normal» aussehen liess. Klar, bedeutete Simonis erneuter Fehlgriff das 0:1 für den FC St. Gallen (Lukas Daschner, 45. +3), und doch sprachen am Ende der über 100 Minuten «Agrarico» nur noch wenige vom Luzerner Keeper. Der Grund: Eine völlig verrückte zweite Hälfte, die mit Daniel Mikolajewskis erstem Super-League-Tor nach weniger als einer Minute schon sehr speziell gestartet war. Im Anschluss folgten verpasste FCL-Konterchancen im Multi-Pack (Kabwit, Oehlers, Di Giusto), doch noch das späte 1:2 durch Mateo Di Giusto (89.), der vermeintliche St. Galler Ausgleich in Minute 95, der Zentralschweizer Matchball – abermals durch Oehlers - in der 97., ein Hands-Penalty nach VAR-Intervention in der 99. Minute und schliesslich der ultra-späte St. Galler Ausgleich durch Lukas Görtler (101.). Zu mehr reichte die Zeit an einem absolut denkwürdigen Ostschweizer Nachmittag nicht mehr. Und so musste zumindest keiner der Beteiligten als alleiniger Sündenbock oder mit dem Gefühl der Niederlage vom Rasen.

 

 

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