FCL unter Zugzwang: Ein Resultat für die Ruhe
In der Super League steht am Wochenende bereits die dritte Runde auf dem Programm. Viel Brisanz steckt definitiv am Sonntag im Duell zwischen dem verlustpunktlosen FC St. Gallen und dem punktlosen FC Luzern.
Die Hoffnungen und die Ambitionen sind in Luzern Jahr für Jahr gross. Doch zu selten gelingt es, diese auch zu erfüllen. Die Saison 2025/26 beendeten die Innerschweizer lediglich auf dem siebten Platz, die Championship Group wurde verpasst. In der Folge wurde der Vertrag mit Trainer Mario Frick nicht verlängert, der seit Dezember 2021 an der Linie gestanden hatte.
«Die lange und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Mario Frick war in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlich. In den letzten bald viereinhalb Jahren hat er mit seiner Art und seinem Fachwissen die Philosophie unseres Klubs jederzeit zu 100 Prozent mitgetragen», sagte damals Sportchef Remo Meyer. «Gleichzeitig sind wir nach konstruktiven und ehrlichen Gesprächen überzeugt, dass zum Saisonende für beide Seiten der richtige Zeitpunkt für neue Wege gekommen ist.»
Während der Liechtensteiner Frick noch ohne neuen Arbeitgeber ist, entschied sich der FCL für den bisherigen U17-Trainer Jörg «Udo» Portmann, für den es das erste Engagement im Profifussball ist. «Ich bin auf ein Team getroffen, das extrem viel Energie hat, extrem viel Lust», sagte Portmann vor dem Saisonstart. «Es war frappant, ab dem ersten Training ist es voll losgegangen. Diese Energie wollen wir in die Meisterschaft weitertransportieren.»
So weit, so gut. Nur auf den Platz übertragen konnte der FCL diese Energie bislang nicht. Zum Auftakt gab es eine 1:3-Heimniederlage gegen den Meister FC Thun. In der zweiten Runde folgte ein 0:3 auswärts gegen den FC Sion. Zwei Spiele, null Punkte, 1:6 Tore und Rang 12 – es ist ein klassischer Fehlstart für den FCL, der sich in einem traditionell ebenso fordernden wie spannungsgeladenen Umfeld bewegt. «Die erste Aktion ist, dass ich die Rangliste derzeit nicht ausdrucke, das ist sicher klar», sagt Neu-Trainer Portmann nun schmunzelnd gegenüber nau.ch. «Aber ich glaube, nach zwei Spielen bringt es nichts, die Tabelle in den Vordergrund zu stellen.» Es gehe um die Leistung. «Wir wollen und müssen eine bessere Leistung auf den Platz bringen. Dann wird die Tabelle auch sehr schnell anders aussehen.»
Qualität und Matchplan
Somit ist nun gegen den FC St. Gallen eine Reaktion gefordert. Die Ostschweizer haben in der Meisterschaft gegen den FC Zürich und den FC Vaduz gewonnen und am Donnerstag auf europäischem Parkett auch Sheriff Tiraspol bezwungen. «Wir haben Qualität im Kader, daran habe ich überhaupt keine Zweifel», gibt sich Coach Portmann optimistisch. «Ich glaube, wenn wir lange an unserem Matchplan festhalten können, werden wir den Bock umstossen.»
Im Zentrum des Interesses steht zweifellos auch FCL-Goalie Simon Simoni (22), der aus Deutschland nach Luzern gekommen ist und mit zwei Patzern einige Schlagzeilen produziert hat. «Simon Simoni bleibt definitiv die Nummer 1. Die Goalie-Diskussion wird nur ausserhalb geführt. Und sie ist aus meiner Sicht erstaunlich heftig für einen jungen Mann, der frisch zu uns gekommen ist», so Coach Portmann. «Wir konnten unseren neuen Goalie zehn Tage lang testen, das ist in unserer Liga nicht selbstverständlich. Entsprechend konnten wir auch sehr überzeugt ‹Ja› zu Simon Simoni sagen. Jetzt hinterfragen wir nicht gleich alles, weil mal ein Fehler passiert.»
Hoffnung macht auch der neue Stürmer Daniel Mikolajewski (20), den der FCL leihweise von Parma übernommen hat. Die Saison 2024/25 verbrachte der Pole beim Erstligisten Lubin, in der vergangenen Spielzeit kam er hauptsächlich in der Primavera 1, der höchsten italienischen Juniorenliga, zum Einsatz. Für Parmas U20 erzielte er in 29 Spielen 20 Tore und bereitete sechs weitere Treffer vor. Im vergangenen April debütierte er zudem in der Serie A und kam dort bislang auf drei Einsätze. «Er ist treffsicher, beidfüssig, hat ein gewisses Tempo und ist ein harter Arbeiter. Das sind sicher Eigenschaften, die dazu führen, dass wir Freude an ihm haben werden», sagt Trainer Portmann, der mit seinem Team in St. Gallen nun dringend ein Erfolgserlebnis braucht. Ein positives Ergebnis würde nicht nur den Fehlstart korrigieren, sondern auch für etwas Ruhe im Luzerner Umfeld sorgen.