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Der Mann für die grossen Turniere

Andy

Der WM-Start verlief für die Schweizer Nati mit dem 1:1 gegen Katar ernüchternd. Einige Leistungsträger zeigten einen schwachen Auftritt, im Gegenzug nutzte Michel Aebischer seine Chance und zeigte, dass er der Mann für die grossen Turniere sein kann.

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Michel Aebischer war gegen Katar während langer der Zeit beste Schweizer. © KEYSTONE / AP Photo/Eakin Howard

Im Team von Murat Yakin stecken einige aussergewöhnliche Fussballer, die mit ihren Leistungen immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Angefangen bei Captain Granit Xhaka, über Innenverteidiger Manuel Akanji, 2023 Champions League-Sieger mit Manchester City, die talentierten Offensivkräfte Dan Ndoye, Breel Embolo und Noah Okafor bis zu Shootingstar Johan Manzambi beispielsweise. Gegen Katar konnten sie dem Spiel aber nicht den Stempel aufdrücken. Xhaka und Akanji lieferten eines ihrer schlechtesten Länderspiele ab, Ndoye zeigte, weshalb er in der Vergangenheit auch schon als Chancentod bezeichnet wurde, Embolo versenkte immerhin den Penalty, verpasste es aber, zum Matchwinner zu werden, Okafor wurde nicht eingesetzt und Manzambi, nach 65 Minuten für Ndoye eingewechselt, trat zu eigensinnig auf.

Nicht gerne im Rampenlicht

Ganz anders zeigte sich da Michel Aebischer. Der Freiburger nutzte in der Vorbereitung seine Chance, überzeugte Nationaltrainer Murat Yakin – und war bis zu seiner Auswechslung nach gut einer Stunde mit seiner Präsenz, seinen Pässen und seinen Aktionen der beste Schweizer, ehe er wie das gesamte Team nach der Pause nicht mehr auf Touren kam. Aebischer zeigte, dass er es verdient hatte, in der Startformation zu stehen. Und dies, obwohl er sich nur selten im Rampenlicht bewegt oder Schlagzeilen liefert. Oder wie er sagt: «Ich bin keiner, der gerne auf der Titelseite einer Zeitung steht. Viel wichtiger ist mir, dass der Trainer und das Team wissen, was sie an mir haben.»

Und das ist der Fall. Der 29-Jährige zeigte in der Serie A bei Pisa persönlich eine gute Saison, auch wenn der Aufsteiger den sofortigen Wiederabstieg nicht verhindern konnte. Der Mittelfeldspieler erhielt am drittmeisten Einsatzzeit in seinem Teams und spielte so oft wie noch nie in seiner Profikarriere, die er einst bei den Young Boys lanciert und dann in Bologna und Pisa weitergeführt hatte. «Ich wollte zu Pisa wegen der Spielminuten – auch im Hinblick auf die WM. Die Entscheidung hat sich also gelohnt. Mit meiner Leistung persönlich bin ich zufrieden, auch wenn wir abgestiegen sind», so Aebischer, der in dieser Saison in Italien auch bewies, dass er ein wertvolles Element in der Nati ist. So, wie er es schon vor zwei Jahren an der EM in Deutschland getan hat.

Damals wurde er von Nationaltrainer Murat Yakin beim 3:1-Startsieg gegen Ungarn überraschend als Aussenverteidiger in die Startelf genommen – und zeigte eine sackstarke Partie. Er leistete beim 1:0 von Kwadwo Duah die Vorarbeit und erzielte das 2:0 selber. Er spielte gegen Ungarn, Schottland, Deutschland und Italien durch und wurde im Viertelfinal gegen England nach 118 Minuten, also kurz vor dem Penaltyschiessen, ausgewechselt. Aebischer war in jenem Turnier einer der grossen Gewinner der Schweizer, und nun sieht es so aus, dass er sich auch an der WM 2026 durch seine Polyvalenz – er kann als linker Aussenverteidiger, im zentralen Mittelfeld oder auch als rechter Flügel eingesetzt werden – in der Schweizer Nati eine wichtige Rolle haben wird. «Ich kann relativ gut mit Druck umgehen. Vielleicht spiele ich darum immer an grossen Turnieren», erklärte Aebischer nun schon vor dem WM-Auftakt gegen Katar. Und: «Ich weiss, was ich gut kann und was ich weniger gut kann. Ich versuche durch meine Qualitäten Lösungen anzubieten.»

Wie ein Schweizer Sackmesser

Aebischer ist somit in der Nati so etwas wie ein Schweizer Sackmesser. Er arbeitet taktisch diszipliniert, ist laufstark und wie erwähnt vielseitig einsetzbar, was speziell von Nationalcoach Yakin geschätzt wird. Und auch wenn er das Rampenlicht nicht sucht, wird er nicht unglücklich sein, wenn er an der WM viele Blicke auf sich zieht. Denn Aebischers sportliche Zukunft ist noch ungeklärt. Eine Rückkehr zu Bologna ist kein Thema, nachdem im Leihvertrag mit Pisa eine Kaufpflicht zur Anwendung kam. Bei Absteiger Pisa wird er aber auch nicht bleiben. «Ich versuche, an der WM nicht nur Werbung für die Schweiz, sondern auch für mich zu machen», sagte Aebischer, dessen Marktwert bei vier Millionen Euro liegt, schon vor dem Katar-Match. Sein Ziel sei weiterhin ein Klub in den europäischen Top-5-Ligen, «gerne in Deutschland oder Italien». Mit den Leuten von YB sei er «ständig in Kontakt», weil er mit ihnen ein gutes Verhältnis pflegt. Eine Rückkehr in die Schweiz sei dagegen aktuell kein Thema: «Ich denke, dass ich noch das Niveau habe, um in einer Top-5-Liga zu bestehen.»

Das ist definitiv der Fall. Und wenn der Freiburger auch in den kommenden Spielen gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada so auftritt wie in der ersten Halbzeit gegen Katar, wird er eher früher als später von verschiedenen interessierten Klubs kontaktiert werden.

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