Top und Flop beim Schweizer WM-Start
Die WM ist aus Schweizer Sicht ernüchternd gestartet. 1:1 gegen Katar, – es ist ein ungenügendes Resultat. Wobei der Sieg nicht erst in der Nachspielzeit verspielt wurde, als Katar ausglich. Doch es war nicht alles schlecht, auch wenn am Ende vielerorts von einer «Katarstrophe» geredet wurde.
Top
26 Torschüsse und 70 Prozent Ballbesitz sind zwei statistische Erkenntnisse, die eigentlich für die Schweizer sprechen. Sie zeugen von Dominanz und Gefährlichkeit. Vom Willen, die WM mit einem Sieg zu lancieren, was ja gegen Katar der Anspruch sein muss. Und so hatten die Schweizer gerade in der ersten Hälfte mehr als genügend Chancen, um die Partie zu entscheiden und die drei Punkte zu sichern. Die 1:0-Führung zur Pause war viel zu wenig. Wobei da Breel Embolo zuerst zeigte, dass ihn die Visa-Wirren und die Probleme bei der Einreise nicht beschäftigten. Zuerst leitete er die Aktion vor dem Penalty ein, dann versenkte er diesen auch.
Es war sein 25. Tor im 87. Länderspiel, damit ist er im ewigen Schweizer Torschützen-Ranking gleichauf mit Haris Seferovic und Adrian Knup. Dass die Form und die Effizienz grundsätzlich stimmen, zeigt ein Blick auf seine Länderspiel-Bilanz: In den letzten zwölf Spielen blieb er nur viermal torlos, netzte aber neunmal ein. Dabei wäre Nummer 10 so wichtig gewesen – und auch möglich. In der zweiten Hälfte wurde der Basler wie die gesamte Nati immer schwächer, und in der 85. Minute vergab er eine gute Chance. Hätte er da getroffen, wären die Schweizer als Sieger vom Platz gegangen. Doch gerade im Fussball bringt der Konjunktiv genau gar nichts und ist ein nutzloser Mitspieler.
Flop
Eigentlich ist Freundlichkeit ja eine gute und willkommene Eigenschaft. Es ist etwas, das auch wir Schweizer gerne für uns beanspruchen. Am Samstagabend war diese Freundlichkeit gegenüber Katar aber definitiv fehl am Platz. So schon ganz am Anfang des Spiels, als Manuel Akanji mit einem haarsträubenden Fehler die Katari dazu einlud, in Führung zu gehen. Glücklicherweise war aber Goalie Gregor Kobel noch da, der diesen Fehler ausbügelte.
Zu freundlich mit dem Gegner ging auch Stürmer Dan Ndoye um, der sechs Torabschlüsse hatte – drei davon sehr aussichtsreich – , aber keinen nutzte. Es war definitiv zu wenig für den eigentlich hoch eingeschätzten Schweizer, dem in der Vergangenheit bisweilen aber auch der Ruf anhing, ein Chancentod zu sein. Und irgendwie war es auch sinnbildlich für seine schwierige Saison, in der er für Nottingham in 37 Wettbewerbsspielen nur gerade zweimal traf.
Freundlich zeigte sich leider auch der eingewechselte Aussenverteidiger Miro Muheim. Dass der Hamburger in der Schlussphase von Murat Yakin für den wie üblich unaufgeregt und solide spielenden Ricardo Rodriguez eingewechselt wurde, war zumindest überraschend. Wie er sich beim Ausgleichstreffer aber von Katars Torschütze Boualem Khoukhi überspringen liess, war nicht nur freundlich und grosszügig gegenüber dem Gegner, sondern auch bitter für die Nati. Die mangelnde Konsequenz kostete zwei Punkte, wobei Muheim dafür nicht allein verantwortlich war. Denn wie erwähnt hätte das Spiel zu diesem Zeitpunkt längst entschieden sein müssen.
Die Schweizer tun aber gut daran, in den kommenden Spielen gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada diese Freundlichkeit abzulegen und wieder kaltblütiger zu werden. Sonst endet die WM nach der Gruppenphase ebenso abrupt wie schmerzhaft.