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Nach QAT ist vor BIH: 3 brennende Fragen vor dem 2. Gruppenspiel

Patrick

Eigentlich waren sie fix eingeplant, die drei Punkte gegen Aussenseiter Katar. Und bis zur 95. Minute war die Schweiz auch tatsächlich auf Kurs, ehe eine Kopfball-Kombi aus Boualem Khouki und Miro Muheim die Nati spät auf den Boden der Realität zurückholte. Denn wirklich überzeugend war die Leistung gegen die Nr. 49 der FIFA-Weltrangliste schon zuvor nicht gewesen. Warum? Vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina werfen wir einen Blick auf drei Brennpunkte im Schweizer Team.

Keystone Peter Klaunzer elf mintuen gegen australien- wann bekommt No in Nati wieder einmal echte Chance
Elf Minuten vs. Australien als höchstes Gefühl: Wann bekommt Noah Okafor (r.) in der Nati wieder eine echte Chance? © Keystone / Peter Klaunzer

Wo ist Noah Okafor?

Am Samstag war wieder einmal so eine (verpasste) Gelegenheit. Eine vermeintliche Chance für Noah Okafor, um zu zeigen, dass er zurecht wieder ein Teil der Schweizer Nationalmannschaft ist. Jenem Team also, in dem er nach einer problematischen EM 2024 und schwierigen Jahre bei Milan und Napoli zwischenzeitlich in Ungnade gefallen war. Doch jetzt, in einem Spiel gegen einen unterlegenen Gegner und zu einem Zeitpunkt, an dem die Kräfte bei Dan Ndoye langsam schwanden? Stand mit dem 26-jährigen Baselbieter, immerhin achtfacher Saisontorschütze in der Premier League, quasi ein 1:1-Ersatz für die Position als Linksaussen bereit. Und Nati-Trainer Murat Yakin? Gab abermals Burnley-Legionär Zeki Amdouni den Vorzug, obwohl der 25-jährige nach einer von einem Kreuzbandriss geprägten Saison (69 Spielminuten, kein Tor) noch gar nicht auf der Höhe seines Schaffens sein kann – und gelernter Mittelstürmer ist. Kein Wunder gehörte Amdouni zu jenem Pulk an Schweizer Spielern, die nach ihrer Einwechslung im offensiven Zentrum dafür sorgten, dass die Nati in der Schlussphase ihre taktische Balance verlor, während der praxiserprobte linke Flügel Okafor auf der Band schmorte. Weshalb? Das ist eine Frage, auf die Yakin sowohl extern als auch intern besser eine überzeugende Antwort bereit hält. Einen formschwachen Spieler trotz Alternativen nicht auf seiner angestammten Position einzusetzen, kann ansonsten auch abseits des Platzes ziemlich schnell zum Rohrkrepierer werden.

 

Wie stark ist diese Mannschaft?

Wie stark ist die Schweizer Nationalmannschaft wirklich? Das ist eine Frage, die vor der Partie gegen Katar nicht wenige mit „sehr“ beantworteten.  Und ja, auf dem Papier ist dieser Mannschaft durchaus zuzutrauen, das beste Schweizer WM-Ergebnis der Neuzeit (Achtelfinale 1994, 2006, 2014, 2018 und 2022) zumindest zu egalisieren. Doch eigentlich ziele ich mit meiner Frage weniger auf das fussballerische Potential der aktuellen Nati-Ausgabe ab. Viel mehr geht es darum zu ergründen, wie es um die „innere“ Stärke dieser Equipe bestellt ist, ihre Resilienz, Widerstandsfähigkeit und ja, die Bereitschaft, individuelle Ansprüche und Bedürfnisse hintenanzustellen. Nach zwei enttäuschenden Auftritten in Folge, einem Captain, der wiederholt zur Besserung mahnt und einem Trainer, der sich darob ebenso überrascht wie irritiert zeigt, drängt sich das Zwischenfazit auf: Wohl eher nicht so gut. Denn ansonsten würden sich die letzten Auftritte nicht wie ein Ei dem anderen gleichen, wäre man kommunikativ näher an einer Linie und wäre vor allem nicht Woche für Woche Bedarf, nahezu identische Mängel anzusprechen. Das Gute daran: Noch hat die Nati die Gelegenheit, den zwiespältigen Eindruck der letzten Wochen nachhaltig zu korrigieren. Spätestens Ende Woche könnte es dafür dann aber (fast) schon zu spät sein.

 

Keystone Laurent Gillieron_auch sie müssen sich nach einigen genügsamen Auftritten steigern_Leader
Sind als Führungsspieler genau gefordert: Manuel Akanji (l.), Granit Xhaka (Mitte) und Breel Embolo (Keystone / Laurent Gillieron)

Hat die Nati den Weckruf jetzt gehört?

Ganz neu ist dieses Gesicht unserer Nati ja nicht. Guckt man etwas genauer hin, kann man sogar konstatieren: Immer, wenn es der Nationalmannschaft sportlich (zu) gut läuft, findet unwillkürlich eine Mischung aus Schlendrian und Selbstüberschätzung Einzug in ihre Mitte. So geschehen nach einem starken Quali-Endspurt / starker WM-Vorrunde 2022 (1:6 im WM-Achtelfinale und ungenügende EM-Quali 2023), nach dem überzeugenden Vorstoss ins EM-Viertelfinale 2024 (Abstieg UEFA Nations League) und auch jetzt, nach einer überraschend souveränen WM-Qualifikation im Herbst des vergangenen Jahres. Was folgt also als Nächstes? Geht es nach dem Gesetz der Schweizer Serie, kommt jetzt abermals eine Reaktion in der Form einer klaren sportlichen Steigerung, wobei man sich selbstredend nicht einfach darauf verlassen sollte, quasi per Knopfdruck den Schalter umlegen zu können. Zu hungrig und ermutigt sind dafür die kommenden Gruppengegner aus Bosnien-Herzegowina und Kanada, zu offensichtlich die Unzulänglichkeiten, die sich jüngst im System der Schweiz eingeschlichen haben. In den letzten sieben Länderspielen schaffte es die Nati nämlich noch genau einmal (gegen Norwegen im März) zu Null zu spielen, während man gegen die einzige überdurchschnittliche Offensive in dieser Phase (Deutschland) vier Tore kassierte und auch „Kleine“ wie Jordanien und Katar nicht vom Torjubel abhalten konnte. Genau diesem Trend muss mit verbesserter Abwehrarbeit Einhalt geboten werden - im Kollektiv und mit deutlich mehr Fokus und Herz. Ansonsten könnten die Früchte auch in der alles andere als übermächtigen Vorrundengruppe B bald einmal sehr hoch hängen.

 

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