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Der Traum von der ultimativen Krönung

Andy

Christoph Bertschy hat mit dem Gewinn des Meistertitels mit Gottéron Geschichte geschrieben. Nach dem intensiven Party-Marathon bietet sich ihm nun die Chance, der Saison an der Heim-WM endgültig die Krone aufzusetzen.

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Da ist das Ding: Christoph Bertschy mit dem Meisterpokal, dem ersten in der Geschichte von Fribourg-Gottéron. © KEYSTONE/Claudio Thoma

In der Stadt Fribourg, im ganzen Kanton, hat sich Christoph Bertschy gemeinsam mit seinen Teamkollegen unsterblich gemacht. Der erste Meistertitel in der Klub-Geschichte war weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Entsprechend ging bei der Feier die Post ab. An vorderster Front dabei und deswegen in den sozialen Medien oft sichtbar war Christoph Bertschy.

Für den Stürmer war es der zweite Meistertitel, nachdem er den ersten 2013 gewonnen hatte. Damals trug er noch das Trikot des SC Bern und entschied die Finalserie mit 4:2 für sich – gegen Gottéron. Entsprechend aufgewühlt und emotional war der 32-Jährige nun nach der Premiere mit seinen Freiburgern im TV-Interview kurz nach dem Gewinn der Finalissima gegen den HC Davos. «Schweizer Meister, das klingt sehr gut», sagte er schon fast ungläubig. Jeder, der diesem Klub nahestehe, wisse, was dieser Titel bedeute, erklärte er, ehe mitten im Interview die Tränen zu fliessen begannen.

Bertschy hat eine beeindruckende Reise hinter sich. Als Junior verliess er einst Gottéron und wechselte in den Nachwuchs des SCB. «Das war im ersten Jahr bei den Novizen. Fribourg stieg von der Elite in die Kategorie Top ab, gleichzeitig ging es darum, zur U16-Nationalmannschaft zu gehören. Um dafür die grösstmöglichen Chancen zu haben, musste man in der Top-Liga spielen. So gesehen war der Entscheid relativ klar», sagte er später. Der SCB sei betreffend Strukturen schon weiter gewesen, mit Profitrainern, mit Sportschulen und auf den SCB abgestimmten Ausbildungen, «das war sehr gut».

Drei Jahre Nordamerika, neun NHL-Spiele

Der Stürmer durchlief den Nachwuchs der Berner, arbeitete sich bis ins Fanionteam hoch und verliess die Mutzen 2015 mit der Meistertrophäe und dem Cupsieg 2015 im Gepäck in Richtung Nordamerika. Er war 2012 von Minnesota gedraftet worden und wollte es nun versuchen, da er sich nach seiner bis dahin persönlich stärksten Saison auf höchster nationaler Ebene bereit für den Schritt über den Atlantik fühlte. Er blieb drei Jahre, kam zu neun NHL-Spielen für Minnesota, doch sein Zuhause war die AHL. Der Durchbruch blieb aus.

«Da haben viele Faktoren mitgespielt. In den Spielen, in denen ich zum Einsatz kam, erhielt ich fünf Minuten Eiszeit, da ist es sehr schwierig, sich zu zeigen. Ich bekam nie wirklich eine Chance, denn Minnesota hatte Probleme, den Salary Cap einzuhalten», erklärte er später. «Im Gegensatz zu anderen Klubs konnte man wegen dieser Lohnobergrenze nie einen Spieler von der AHL raufnehmen, der sich hätte zeigen können. Wir mussten auf Verletzte hoffen. Ich war mal über längere Zeit im NHL-Team, durfte an spielfreien Tagen aber nicht mittrainieren, weil sonst der Salary Cap überschritten worden wäre. Und dies, obwohl ich mit 700’000 Dollar am wenigsten verdiente.»

Er zog das Abenteuer durch, auch wenn er nach dem zweiten Jahr dank einer Ausstiegsklausel hätte zurückkommen können. «Ich entschied, mich durchzubeissen und bereue das auch nicht. Es war eine Lebensschule, ich konnte mich weiterentwickeln, ich traf viele gute Kollegen», so Bertschy. «Auch in der AHL hatten wir eine super Zeit. Wir waren alle im selben Boot und obwohl wir Konkurrenten waren, hatten wir ein gutes Verhältnis, viel Spass, gute Roadtrips. Diese Erinnerungen kann mir niemand nehmen, und ich bin glücklich, dass ich das alles erleben durfte.»

Hollywood ohne Happy-End

Von Nordamerika aus zog er dann weiter in die Westschweiz, zum Lausanne HC, der damals ein ambitioniertes Projekt verfolgte, aber auch durch ständige Unruhe, Wechsel auf dem Trainerposten, im Management und bei den Inhabern Schlagzeilen produzierte.  Lausanne war Hollywood – nur das Happy-End blieb aus. Und so folgte 2022 die Heimkehr nach Freiburg, zu Gottéron, wo er einen Vertrag bis 2029 unterschrieb. «Ich werde nicht in den nächsten sechs Jahren zurücklehnen und dann in der siebten Saison probieren, wieder Gas zu geben, um nochmals eine Verlängerung zu bekommen», sagte er damals und versprach: «Ich bin gekommen, um zu gewinnen, um hier etwas zu reissen.» Die Zeit sei mehr als reif, dass Gottéron den Fluch der Titellosigkeit beenden könne.

Gesagt, getan. 2024 gewann Bertschy mit Gottéron den Spengler Cup und setzte mit dem Gewinn der ersten Trophäe in der Klubgeschichte, zu dem er in vier Spielen zwei Tore und drei Assists beisteuerte, ein Ausrufezeichen. Es war vielleicht auch ein mentaler Gamechanger und ein Zeichen, dass die Freiburger sehr wohl Titel gewinnen können, was sie nun gerade auch mit der Premiere in der National League unterstrichen haben.

Der Dauerbrenner schlechthin

Dieser Erfolg macht natürlich Appetit auf mehr, sicher auch bei Christoph Bertschy, der in den letzten beiden Jahren mit der Schweizer Nati Vizeweltmeister geworden ist. Nach zweimal Silber ist der Goldtraum gross, zumal die WM in der Schweiz stattfindet. Bertschy ist da gesetzt. Er hat in den letzten Jahren seine Qualitäten eindrücklich unter Beweis gestellt. Seit seiner Rückkehr aus Übersee hat er in 483 Spielen in der National League nie gefehlt – weder krankheits-, noch verletzungsbedingt. Es ist eine unglaubliche Statistik in diesem körperlich intensiven Sport. Gleichzeitig überzeugt Bertschy durch seine Qualitäten, auch als Leader, und glänzte speziell in der Halbfinalserie gegen Servette, als er sechs Tore und zwei Assists erzielte. Wenn er nun auch an der Heim-WM gemeinsam mit der ganzen Nati über sich hinauswächst, sind die Chancen intakt, dass auf die Meisterpremiere auch noch die erste WM-Goldmedaille folgt. Es wäre die ultimative Krönung einer einzigartigen und märchenhaften Saison. Oder Hollywood mit Happy-End.

 

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