Jetzt gilts: Warum die NHL-Cracks in der Nati jetzt besonders wichtig sind
Endlich sind sie da. Eine Woche nach «Vorreiter» Pius Suter sind am Montag auch die weiteren NHL-Cracks Nico Hischier, Roman Josi, Timo Meier und Nino Niederreiter zur Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft gestossen und bestreiten mit dieser ab heute die finalen Vorbereitungsspiele in Schweden. Klar ist: Mit Blick auf die anstehende Heim-WM in Fribourg und Zürich war ihre Rolle noch nie so entscheidend wie jetzt.
Advantage Switzerland?
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Eine Schweizer Nati ohne Hischier, Josi und Co. ist sportlich offensichtlich weniger stark einzuschätzen, als eine Nati mit den genannten Schlüsselspielern aus der NHL. Das gilt für jedes grosse Turnier, aber möglicherweise ganz besonders für die diesjährige Austragung der IIHF-Weltmeisterschaft. Denn diese findet nur knapp drei Monate nach den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina statt und geniesst im Kalender von so manchem NHL-Top-Shot nicht wirklich Priorität. Natürlich, es gibt situationsbedingte Ausnahmen, wie z.B. die des während der gesamten Saison verletzten Finnischen Centers Alexander Barkov, grundsätzlich darf man aber davon ausgehen, dass das Turnier in keiner Nation einen so hohen Stellenwert geniessen wird, wie im Lande des Gastgebers. Case in point: Während die Schweizer wohl nur auf die verletzten Jonas Siegenthaler und Kevian Fiala verzichten müssen und sogar noch mit dem Zuzug von Tampa-Verteidiger J.J. Moser liebäugeln, sieht das bei Nationen wie Finnland (u.a. ohne Mikko Rantanen und Miro Heiskanen), Deutschland (kein Leon Draisaitl, kein Tim Stützle, kein JJ Peterka) oder Tschechien (wahrscheinlich ohne David Pastrnak) anders aus. Natürlich, gerade die in jüngster Vergangenheit überraschend erfolglosen Skandinavier, Team Canada oder auch Titelverteidiger USA werden dennoch auf qualitativ und in der Breite gut aufgestellte Kader zurückgreifen können, über eine Spitze, die deutlich besser aufgestellt ist, als jene der Nati, wird aber wohl kein Team verfügen. Und das ist schon einmal ein gutes Vorzeichen.
Tone-Setter
Mit den Spielen bei den Beijer Hockey Games geht für die Nati am Sonntag eine überaus turbulente Vorbereitungsphase zu Ende. Knapp drei Wochen ist es her, seit die Schweizer Eishockeywelt mit der Saga um den ehemaligen Nationaltrainer Patrick Fischer aus ihren Angeln gehoben wurde. Während rund zehn Tagen dominierten der mittlerweile entlassene Head Coach und die Nati die Schweizer Medienlandschaft – aber aus den komplett falschen Gründen. Klar, hinterliessen die ungewohnten Dimensionen der öffentlichen Debatte sowie der Verlust ihres langjährigen Anführers auch in der Mannschaft ihre Spuren, umso mehr, als diese während der intensivsten Phase noch über den halben Erdball verstreut gewesen war. Die Kommunikation zwischen Verband und den wichtigsten Spielern wurde so zum Problem, auch wenn dies Captain Roman Josi in einem Interview mit dem Blick so nicht bestätigen wollte. Fakt aber ist, dass es kaum eines Briefes von Josi und einigen weiteren Spielern an den Verbandspräsidenten bedurft hätte, wäre kommunikativ alles reibungslos verlaufen. Wie dem auch so: Die Tage jetzt in Schweden sind auch darum für die gesamte Nati so wertvoll, weil es die ersten sind, in denen sich der gesamte Kern der Mannschaft, die Trainer und auch die Führungspersönlichkeiten des Verbandes zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht austauschen und die Ereignisse der vergangenen Wochen verarbeiten können. Mit den Legionären aus der NHL als zentrale Figuren wenn es darum geht, etwaige Probleme auszuräumen und dann voranzugehen, wenn mit und rund um den neuen Head Coach Jan Cadieux ein neuer Spirit entwickelt wird.
Vom Tief zurück ins Dauer-Hoch
Denn eines ist klar: Die «Causa Fischer» hatte rund um die Nationalmannschaft herum weitreichende Auswirkungen. Die Euphorie rund um die Heim-WM erodierte zwischenzeitlich komplett, auch wenn die Stimmung im Land zuletzt wieder ruhiger und etwas positiver wurde. Mittlerweile richtet sich der Blick auch in der Öffentlichkeit wieder mehrheitlich in Richtung Turnier, auch wenn Zweifel bezüglich der Leistungsfähigkeit der Mannschaft (speziell im Vergleich zu den letzten beiden Jahren) nach wie vor vorhanden sind. Für mehr Zuversicht sorgt da natürlich die Präsenz von Josi & Co., die das Schweizer Boot zuletzt mit Captain Fischer zweimal in den Final steuerten. Ein solches Ergebnis wünschen sich viele Fans natürlich auch für dieses Jahr, wobei die jüngsten Testspiel-Niederlagen gegen Schweden und Finnland wohl kaum dazu beigetragen haben, die eher gedämpfte Stimmung bereits vor Turnierbeginn neu zu befeuern. Gegen ein bis zwei starke Auftritte in Schweden - angeführt von den Schweizer Leistungsträgern aus der NHL - hätte wohl auch deshalb niemand etwas einzuwenden.