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(Fast) nichts ist klar: Unser Powerranking nach der ersten WM-Vorrunde

Patrick

Eine Woche ist seit dem Auftakt in die FIFA-Weltmeisterschaft vergangen. Alle Teams haben seitdem eine Partie absolviert und einen ersten Fussabdruck hinterlassen. Nicht immer ist der allerdings nach Wunsch geglückt. Wer uns am meisten beeindruckt hat, fassen wir in den Top 6 des WM-Powerrankings zusammen.

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Wusste zum Auftakt auch seine jungen Fans zu Begeistern: Team USA, das Paraguay mit 4:1 schlug © Keystone / AP / Mark J Terrill

Power #1: Frankreich

Warum es klappen könnte: Warum auch nicht? Zumindest diese Woche gibt es an der Spitze des WM-Powerrankings keine Veränderung. Schliesslich genügten „Les Bleus“ 45 starke Minuten, um sich gegen den von vielen als Geheimfavorit gehandelten Senegal mit 3:1 durchzusetzen. Und das mit einem Kylian Mbappé, der während rund 60 Minuten kaum einen Ball stoppen konnte, im Anschluss mit zwei Toren aber zum Matchwinner avancierte. Auch Ousmane Dembélé und Desiré Doué blieben eher blass, währenddem  Bradley Barcola nach seiner Einwechslung nur gerade zweieinhalb Minuten benötigte, um die Partie mit dem 2:0 vorzuentscheiden. Merke: Wer die Wahl hat, hat nicht immer die Qual.

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: Nicht immer werden die Franzosen 45 verschlafene Minuten und eine ungenügende Performance von Keeper Mike Maignan mit einem blauen Auge überstehen. Letzterer zeigte vielleicht die schwächste Keeper-Leistung der gesamten ersten WM-Runde und konnte sich gemeinsam mit seinen Teamkollegen beim Pfosten und Göttin Fortuna bedanken, dass es zur Pause noch 0:0 stand. Gegen treffsichere Angreifer wird das ins Auge gehen.

Nächster Gegner: Die FIFA-Weltnummer 60 aus dem Irak.

 

Power #2: England

Warum es klappen könnte: Good Morning England, how are you? Wahrscheinlich gut oder zumindest deutlich besser, als zur Halbzeit der gestrigen Begegnung mit Kroatien. Denn im bislang einzigen WM-Duell zweier europäischer Nationen verdichteten sich nach 45+ Minuten Anzeichen, die nur bedingt auf einen erfolgreichen englischen WM-Start hindeuteten. Soeben hatten die Kroaten mit der letzten Aktion der ersten Hälfte den Ausgleich erzielt – und lagen zwei Minuten nach Wiederanpfiff trotzdem wieder mit 2:3 hinten. Der Grund: Die «Three Lions» stürmten regelrecht aus der Kabine, dominierten die Partie und zeigten während 20 Minuten eindrücklich, welches Potential im «Squad» von Thomas Tuchel steckt. Über ein 2:5 nach einer Stunde hätte sich der WM-Finalist von 2018 jedenfalls nicht beklagen dürfen, musste schlussendlich aber nur noch einen weiteren Gegentreffer zulassen. Dass England jedoch über ausreichend «Firepower» verfügt, um ein Spiel innert Minuten komplett in die Hand zu nehmen, darf aus britischer Sicht durchaus als positives Zeichen gewertet werden.

Warum der Titel ein Traum bleibt: Ein Torhüter, der nicht ganz über alle Zweifel erhaben scheint. Ein verschossener, erst im zweiten Anlauf verwandelter Elfmeter. Und vor allem die Unfähigkeit, ein Spiel trotz zweimaliger Führung unter Kontrolle zu bringen. All diese vertrauten Facetten prägten gestern in der ersten Hälfte Englands Spiel – und haben den «Three Lions» in der Vergangenheit schön des Öfteren ein grosses Turnier kaputt gemacht. Umso besser zeigten Harry Kane & Co. gestern die innere Stärke, sich diesen Rückschlägen zu widersetzen. Eine Fähigkeit, die eigenlicht so gar nicht zu englischen Nationalteams (der Vergangenheit?) passt.

Nächster Gegner: Das gestern ebenfalls siegreiche Ghana (1:0 vs. Panama)

 

Power #3: Deutschland

Warum es klappen könnte: Nicht unbedingt weil man Curacao mit 7:1 aus Houstons NRG Stadium WM-Stadion fegte. Dafür umso mehr für die Art und Weise, wie man dem WM-Neuling seine Grenzen aufzeigte. Mit sechs verschiedenen Torschützen, einem jederzeit dominanten Auftritt (wie man ihn sich zum Beispiel von der Schweiz gewünscht hätte) und mit der richtigen Antwort an etwaige böse WM-Geister, die sich nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich Curacaos möglicherweise Hoffnungen auf eine Rückkehr ins deutsche Team gemacht hatten. Vorderhand vergeblich, aber vielleicht ergibt sich ja im Umfeld Spaniens, Portugals oder Brasiliens demnächst eine Chance?

Warum der Titel ein Traum bleibt: Mittlerweile treffen sogar FCZ-Verteidiger auf WM-Abwegen gegen die deutsche Nationalmannschaft. So geschehen im Falle von Livano Comenencia, der in der 21. Spielminute einen ganzen karibischen Inselstaat in Ekstase versetzte. Zu mehr reichte es bekanntermassen nicht, und dennoch ist augenscheinlich, dass Deutschland derzeit Mühe bekundet, zu Null zu spielen. Zuletzt gelang dies in fünf Auftritten nur einmal (gegen Finnland), während sich gegen die Schweiz, Ghana, die USA und eben Curacao trotz grösstenteils dominanter Spielweise immer wieder kostspielige Fehler einschlichen. Können Nagelsmann & Co diese noch ausmerzen, könnte es für den vierfachen Weltmeister endlich wieder einmal deutlich weiter als nur die Gruppenphase gehen.

Nächster Gegner: Die formstarke Elfenbeinküste, zuletzt Sieger gegen Südkorea, Schottland, Frankreich und Ecuador.

 

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Ein Symbol für Spaniens WM-Fehlstart: Mikel Oyarzabal (am Boden) berührte im Spiel gegen Kap Verde in der ersten halben Stunde keinen einzigen Ball (Keystone / EPA / Ronald Wittek)

Power #4: Argentinien

Warum es klappen könnte: Weil die Argentinier Titelverteidiger sind. Weil sie Lionel Messi haben. Und weil sie zum Auftakt ihrer Favoritenrolle gerecht wurden. Das ist mehr, als Spanien oder auch Portugal von sich behaupten können und genügt, um nach dem knappen Verpassen in der Vorwoche nach dem ersten Spiel in die «Power 6» dieser WM vorzurücken. Dort kann die Albiceleste auch verbleiben – wenn ihre weltmeisterliche Offensive um den neuen WM-Rekordtorschützen und seine brandgefährlichen Sturmkollegen Lautaro Martinez (22 Tore für Inter) und Julian Alvarez (20 Tore für Atleti) auch in den kommenden Spielen den Partien der Gauchos ihren Stempel aufdrücken.

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: Trotz dem schlussendlich überlegenen 3:0 gegen Algerien – zum WM-Auftakt war bei den Argentiniern noch nicht alles Gold was glänzt. Zum einen hatte Lionel Messi in der 31. Spielminute durchaus etwas Glück, dass er für sein Foul mit offener Sohle nicht des Feldes verwiesen wurde. Zum anderen wird der Titelverteidiger nicht in jedem Spiel auf einen Torhüter treffen, der so fehlerhaft agiert, wie der unglückliche Luca Zidane (ja, der Sohn des grossen Zinedine) bei den beiden Gegentoren zum 0:1 und zum 0:2. Insgesamt drei Ereignisse, die einen grossen Einfluss auf die Partie hatten und allesamt zugunsten Argentiniens ausfielen.

Nächster Gegner: Das unter Ralf Ragnick nie zu unterschätzende Österreich (FIFA #21)

 

Power #5: Spanien

Warum es klappen könnte: 74% Ballbesitz, 27 Abschlüsse und am Ende dennoch kein Tor. Keine Frage, dass ein Spiel mit diesen Kennzahlen am Ende 0:0 ausgeht, ist alles andere als alltäglich. Und dennoch ist genau das den Spaniern gegen Aussenseiter Kap Verde passiert. Eine grosse Enttäuschung sicherlich, aber noch kein Beinbruch. Denn schliesslich sprechen wir hier vom amtierenden Europameister, der in seiner jüngeren Vergangenheit auch schon schlechter in eine WM gestartet ist (0:1 gegen die Schweiz) und aus jenem Turnier (2010) dennoch als Titelhalter hervorging. Klar ist, dass die Iberer dazu im weiteren Verlauf des Turniers besser spielen müssen und dies auch können. Zumal auch Überflieger Lamine Yamal und sein Sturmpartner Nico Williams bald wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte sein werden. Ob das allerdings auch für ihr Können gilt?

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: Lamine Yamal und Nico Williams in Ehren – spielen die Spanier so weiter, wie sie gegen Kap Verde ins Turnier starteten, bleibt der zweite Weltmeistertitel ihrer Geschichte unerreichbar. Wie auch? Schliesslich händigt die FIFA den WM-Pokal nicht dafür aus, möglichst viel Pässe über drei bis fünf Meter zu spielen. 700 waren es gegen die Vertreter der afrikanischen Inselgruppe, erfolgreiche Abschlüsse - oder nur schon gelungene Seitenwechsel – waren kaum bis gar nicht vorhanden. Immerhin sorgte der Weltranglistenzweite so ungewollt für die «Feel Good Story» der ersten WM-Woche. Gelingt der «Furia Roja» in den anstehenden Partien keine Trendwende, wird es diese für Spanien an der WM nicht geben.

Nächster Gegner: Das nach dem ersten Spieltag punktgleiche Saudi-Arabien (FIFA #59).

 

Power #6: USA

Warum es klappen könnte: Die grösste Sensation in den  Top 6 sind die Amerikaner von Mauricio Pochettino, einer der drei WM-Gastgeber. An der Heim-WM tritt die aktuelle Nr. 15 der FIFA-Weltrangliste mit einem sehr soliden Kader an, bestückt mit mehreren Premier-League-Legionären (IV Chris Richards, LV Anthonee Robinson, DM Tyler Adams), Juve-Mittelfeld-Motor Weston McKennie, Milan-Routinier Christian Pulisic und Angreifer Folarin Balogun (19 Saisontore für AS Monaco). Der traf zum Auftakt gegen ein speziell in der ersten Hälfte überranntes Paraguay gleich zwei Mal und befeuerte damit die aufkeimende Hoffnung im Land, diese WM möge den Amerikanern den ersehnten Durchbruch in die Soccer-Weltspitze bescheren. Am Glauben daran, hat es bei den gewohnt siegessicheren Amis noch selten gefehlt.

Weshalb der Titel ein Traum bleibt: Euphorie und Heimvorteil zum Trotz – im Vergleich zu den Top-Teams verfügt Team USA nicht über die Kadertiefe, um gegen die sechs bis zehn Turnierfavoriten Mal für Mal in einem K.o.-Spiel zu bestehen. Denn Spiele werden schlussendlich noch immer über gewonnene Zweikämpfe, individuelle Unterschiedsmomente und – natürlich - geschossene Tore gewonnen. Inwiefern Pochettinos US-Boys dazu auch gegen überdurchschnittliche Konkurrenz bereits fähig sind, werden spätestens die ersten K.o.-Spiele aufzeigen.

Nächster Gegner: Australien, das zuletzt der Schweiz trotzte und die Türkei überraschte.

 

(Zuletzt in den Top 6: Frankreich, Spanien, England, Brasilien, Deutschland, Portugal)

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