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Fragezeichen bei Gottéron – Hoffnung in Lugano

Andy

Das erste Bully rückt näher: Am 15. September startet die National League in ihre neue Saison. Titelverteidiger Gottéron, Lausanne und Lugano sind für die Top 6 und die direkte Playoff-Qualifikation gesetzt. Oder etwa doch nicht?

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Kann Meistertrainer Roger Rönnberg mit Gottéron erneut überzeugen? © KEYSTONE/Cyril Zingaro

Erstellt man eine Saisonvorschau und versucht sich in Prognosen, wird der Titelverteidiger meistens hoch gehandelt und zu den Meisterkandidaten gezählt. Das trifft auch in der National League für die Saison 2026/27 auf Fribourg-Gottéron zu, wobei sich bei den Freiburgern doch auch einige Fragen stellen.

In der vergangenen Saison befand sich Gottéron auf einer Mission. Die Sehnsucht nach dem Gewinn des ersten Meistertitels in der Klubgeschichte trieb die Mannschaft förmlich an. Es bildete sich eine verschworene Einheit von Copains, die den Widerständen trotzte. Dazu kam der unbedingte Wille, Captain Julien Sprunger, Mr. Gottéron schlechthin, einen unvergesslichen Abschied zu bescheren. Und die Tatsache, dass Goalie Reto Berra in den Playoffs zur Wand mutierte und die Gegner verzweifeln liess. Am Ende dieser Mission stand ein rauschendes Fest. Eine Party, wie sie die Hockey-Schweiz zuvor noch nie erlebt hat. Rund 80'000 Fans feierten den Titel bei der Meisterparade in Freiburg, es herrschte schon fast der Ausnahmezustand.

Der Traum wurde so erfüllt, und nun stellt sich für die Freiburger die grosse Frage, wonach sie jetzt mit unbändigem Willen und Leidenschaft streben wollen. Ist der Reiz der Titelverteidigung genügend gross? Oder wurde der Appetit bereits gestillt, so dass das Team satt ist? Wie wirken sich die Verluste des zurückgetretenen Meistercaptains Julien Sprunger und des nach Kloten weitergezogenen Meistergoalies Reto Berra aus? Gelingt es Headcoach Roger Rönnberg, den Meisterblues vom Team fernzuhalten? Kann der schwedische Erfolgstrainer erstmals in seiner Karriere zwei Meistertitel in Serie gewinnen? Und wie wirkt sich die Zusatzbelastung mit der Champions Hockey League aus? Es sind berechtigte Fragen.

47 Tore verloren

Grundsätzlich haben die Freiburger das Potenzial, um mit der Rolle des Gejagten umzugehen. Auch wenn schon in der letzten Saison gemunkelt wurde, dass Headcoach Roger Rönnberg nicht überall gut ankommt. Der Abgang von Meisterschütze Lucas Wallmark, der sich mit seinem Landsmann an der Bande nicht verstand, ist ein Zeichen dieser Problematik. Zudem muss sich erst noch zeigen, ob Goalie Ludovic Waeber in der Lage ist, in den entscheidenden Spielen über sich hinauszuwachsen. Oder ob der Abgang von Attilio Biasca in die NHL weggesteckt werden kann. Mit dem Verlust von Biasca, Sprunger und Wallmark gingen auch 47 Tore in der Regular Season und den Playoffs verloren – wer kann sie ersetzen? Eigentlich ist der Titelverteidiger ja für die direkte Playoff-Qualifikation gesetzt. Und doch kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Freiburger eine unruhige Saison erleben und den Gang in die Play-Ins antreten müssen.

Dasselbe gilt auch für den Lausanne HC. Der Vizemeister von 2024 und 2025 scheiterte im Frühling bereits im Viertelfinal an Servette und wird alles daran setzen, wieder ganz nach vorne zurückzukehren. An der Bande herrscht Kontinuität, als Headcoach ist nach wie vor Geoff Ward in Amt und Würden. Und der Kanadier hat am Lac Léman bereits gezeigt, wozu er fähig ist. Lausanne belegte Rang 13, als er am 6. November 2022 seinen Job antrat. Ward gelang es, den Klub nach der turbulenten Zeit mit Petr Svoboda sportlich zu stabilisieren und in ruhigere Gewässer zu navigieren. Ward strahlt auch in hektischen Zeiten an der Bande viel Ruhe aus. Doch nun ist er gefordert, mit seinem Team den nächsten Schritt zu machen und zu zeigen, dass das Viertelfinal-Aus gegen Servette nur eine zwischenzeitliche Baisse war.

Die Defensive als Basis

Doch auch bei den Waadtländern stellen sich Fragezeichen, die einen Rang ausserhalb der Top 6 nicht unmöglich erscheinen lassen. Auf der Goalie-Position ist Lausanne trotz des Abgangs von Connor Hughes zum SC Bern gut besetzt. Kevin Pasche hat sein Können bereits bewiesen, muss aber auch noch zeigen, dass er ein Meistergoalie ist. Die Defensive ist das Prunkstück des Teams. Mit dem Schweden Erik Brännström, dem Kanadier Colin Miller und dem Finnen Sami Niku stehen in der Verteidigung drei Imports im Kader. Zudem wurden mit Romain Loeffel (im Tausch mit Connor Hughes) und Michael Fora (aus Davos) zwei gestandene, hochklassige Verteidiger geholt, welche die Defensive zusätzlich verstärken. Es wird wohl für jedes Team eine Herausforderung sein, gegen die Waadtländer zum Torerfolg zu kommen.

Im Sturm wird sich der Abgang von Théo Rochette in die NHL zweifellos bemerkbar machen, zudem ging mit dem Wechsel von Dominik Kahun in die DEL ein kreatives Element verloren. Vor allem aber schmerzt auch der Verlust von Nationalstürmer Ken Jäger, der mit einem Siebenjahresvertrag nach Davos heimgekehrt ist. Jäger kam letzte Saison zwar nur zu neun Skorerpunkten, aber gerade auch in der Nati zeigte er, wie wertvoll er für ein Team sein kann. Mit dem Amerikaner Austin Czarnik, dem Kanadier Drake Caggiula und den Finnen Ahti Oksanen und Antti Suomela verfügen die Lausanner auch in der Offensive über starke Imports, die den Unterschied ausmachen können.

Hochkarätige Imports

Auf einem guten Weg befindet sich auch der HC Lugano. Der letzte Meistertitel datiert aus dem Jahr 2006, die letzte Final-Qualifikation und die letzte gewonnene Playoff-Serie gab es 2018 zu feiern. Seither warten die Tifosi auf ein Erfolgserlebnis – die Durststrecke steht in keinem Verhältnis zu den getätigten Investitionen.

Doch nun herrscht Morgenröte am Tessiner Himmel. Das Führungstrio mit Sportchef Janick Steinmann, Headcoach Tomas Mitell und Associate Coach Stefan Hedlund leistet im Tessin ganze Arbeit. Vom Hockey unter Palmen und ohne Leistungskultur spricht niemand mehr. Am Ende der Regular Season 2025/26 stand Lugano auf Rang 5, nur zwei Zähler hinter Servette und den ZSC Lions auf den Plätzen 3 und 4. Im Playoff-Viertelfinal schieden die Bianconeri zwar gegen die Lions mit 0:4 aus, doch der Weg stimmt.

Im Tor setzt Lugano mit Niklas Schlegel und Joren van Pottelberghe auf zwei Schweizer Keeper. Es ist eine solide Lösung, aber kein Luxus. Die Fans träumen von der Rückkehr von Elvis Merzlikins, der das Team 2016 und 2018 in den Final geführt hat, aber noch in der NHL bei Columbus unter Vertrag steht. Irgendwann wird aber Präsidentin Vicky Mantegazza wohl alles unternehmen, damit der Lette nach Lugano zurückkehrt.

In der Verteidigung stehen die Tessiner solide. In der vergangenen Regular Season liessen einzig die ZSC Lions weniger Gegentreffer zu. Da es keine substanziellen Abgänge in der Verteidigung gab, lebt die Hoffnung, dass auch in dieser Saison die defensive Basis stimmt. Mit dem Finnen Lassi Thomson wurde zudem ein Verteidiger mit offensiven Fähigkeiten verpflichtet. Der 25-Jährige war 2019 im Draft in der ersten Runde von Ottawa gezogen worden, konnte sich aber in Nordamerika nicht durchsetzen und nimmt nun einen neuen Anlauf.

Und auch in der Offensive stehen ein paar interessante Spieler im Kader. Die bewährten Schweizer Calvin Thürkauf, Luca Fazzini oder auch Dario Simon etwa. Aber dann vor allem die Imports. Zach Sanford zeigte seine Qualitäten letzte Saison mit 44 Skorerpunkten. Der Finne Rasmus Kupari ist ein Erstrundendraft von 2018, bestritt aber aufgrund einer Gehirnerschütterung letzte Saison in der Regular Season und den Playoffs nur gerade elf Spiele (zwei Tore, drei Assists), sollte aber über die nötige Qualität verfügen. Mit dem Finnen Jere Innala, dem Schweden Ole Lycksell und dem Amerikaner Nick Shore wurden zudem drei vielversprechende Imports nach Lugano gelotst. Innala erzielte letzte Saison für Frölunda in der Meisterschaft in 54 Spielen 24 Tore und 19 Assists und kam in der Champions Hockey League in 13 Spielen auf zwölf Skorerpunkte. Lycksell konnte sich zwar in der NHL nicht durchsetzen (52 Spiele, 13 Punkte), totalisierte aber in der AHL in 194 Spielen 70 Tore und 102 Assists. Es ist eine Bilanz, die für grosse Erwartungen sorgt. Und zu guter Letzt ist da noch Nick Shore. Der Zwei-Weg-Center gehörte 2021 zur Meistermannschaft des EV Zug und überzeugte die letzten drei Jahre mit guten Leistungen in Schweden. Er wurde nicht geholt, um zu glänzen, sondern soll für Stabilität sorgen und als Import Nummer 7 bereitstehen, wenn Not am Mann ist.

Der HC Lugano leistet sich auch in dieser Saison wieder ein starkes Kader – und es würde wohl kaum jemanden erstaunen, wenn die Tifosi eine souveräne Qualifikation spielen und die Regular Season in den Top 5 beenden würden.  

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