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Analysen Eishockey

Gute Perspektiven für den neuen SCB

Andy

Das erste Bully rückt näher: Am 15. September startet die National League in ihre neue Saison. Der SC Bern, der EV Zug und die Rapperswil-Jona Lakers sind drei Teams, die mit den Top 6 und der direkten Playoff-Qualifikation liebäugeln. Das wird aber nicht allen von ihnen gelingen.

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In den letzten Jahren hatte der SCB nicht viel Grund zum Jubeln – nun soll das besser werden. © IMAGO / STEINSIEK.CH

Es fehlte nur wenig, und den Rapperswil-Jona Lakers wäre in der letzten Saison die grosse Sensation gelungen. Im Viertelfinal waren sie drauf und dran, Gottéron zu eliminieren – und scheiterten im entscheidenden siebten Spiel in der Overtime. Wer weiss, wohin die Reise der St. Galler noch geführt hätte. Doch Tatsache ist: Gottéron zog den Kopf aus der Schlinge und stürmte danach zum ersten Meistertitel in der Klubgeschichte.

Rapperswiler Leistungskultur

Für Rappi war es eine weitere Erfolgsmeldung. Seit der Rückkehr in die National League 2018 überraschen die Ostschweizer immer wieder. Viermal haben sie es seither in die Playoffs geschafft, wobei ihnen vor der Saison jeweils nicht viel zugetraut worden war. Doch die Unterschätzten gingen unbeirrt ihren Weg und überzeugten immer wieder. Auch in der neuen Saison ist es schwierig, das Team von Johan Lundskog einzuschätzen. Der Schwede lässt intensives Hockey spielen und fordert damit jeden Gegner. Es gelingt ihm, das Potenzial seiner Spieler bis zu einem bemerkenswerten Mass auszuschöpfen und sein Team mit einer implementierten Leistungskultur besser zu machen. Und doch würde es niemanden erstaunen, wenn die St. Galler plötzlich mal die Play-Ins verpassen sollten.

Im Gegenzug ist aber auch ein Platz in den Top 6 nicht ausgeschlossen. Und zumindest die Playoff-Qualifikation via Play-In ist durchaus realistisch. Im Tor zeigt Melvin Nyffeler seit Jahren solide Leistungen. Dazu kommt Ivars Punnenovs, der sich mit ihm auf Augenhöhe bewegt. Zwei Goalies dieser Qualität und mit Schweizer Lizenz bilden damit ein Fundament, auf dem sich bauen lässt. In der Defensive ragt der schwedische Verteidiger Jacob Larsson heraus. Der NHL-Erstrundendraft von 2015 ist einer der besten Verteidiger auf Schweizer Eis und würde auch manchem Top-Klub gut anstehen. Für die St. Galler ist er zentral. Auch sein Landsmann Lawrence Pilut verfügt über immenses Potenzial, hatte aber zuletzt immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Wenn er fit ist, gehört auch er in seinem Bereich zur Elite der Liga.

Ein spannender Zuzug ist Daniil Ustinkov. Er sorgte vor dreieinhalb Jahren für Schlagzeilen, als er als 16-Jähriger für die ZSC Lions in der National League debütierte. Nun will er bei den Rapperswil-Jona Lakers seine Karriere neu lancieren, nachdem sie in Zürich ins Stocken geraten war und er sich nicht final durchsetzen konnte. Er hat erkannt, dass Talent allein nicht reicht und dass es auch harte Arbeit braucht, und will nun am Obersee Verantwortung übernehmen. Es würde kaum jemanden überraschen, wenn sich Rapperswil als perfekter Ort für diesen Neustart entpuppen sollte. 

In der Offensive ging mit Malte Strömwall (zu den ZSC Lions) und Jonas Taibel (zu Gottéron) Qualität verloren. Dafür ist es gelungen, Tyler Moy zu halten – es ist ein bemerkenswertes Signal, dass sich der Nationalstürmer für die St. Galler und gegen namhaftere und finanziell potentere Konkurrenten aus der National League entschieden hat. Wenn Moy weiterhin trifft und Zuzüge wie Kevin Labanc (542 NHL-Spiele) oder Fabrice Herzog einschlagen und Leistungsträger wie Gian-Marco Wetter oder Captain Nico Dünner performen, erleben die St. Galler wohl eine weitere erfolgreiche Saison.

SCB mit neuer Führung und neuer Philosophie

Ruhm, Erfolg und Ehre sind beim SC Bern dagegen schon weit weg. Seit 2019 haben die Mutzen keine Playoff-Serie mehr gewonnen – es ist eine desaströse Bilanz für einen Klub dieser Klasse. Nun peilen die Berner die Rückkehr zum Erfolg an, mit einer neuen Führung und einer neuen Philosophie. Marc Lüthi, während einer gefühlten Ewigkeit das Gesicht des SCB, hat den Klub verlassen und seine Anteile verkauft. Stattdessen ist nun Jürg Fuhrer als CEO im Amt. Pascal Signer ist neu Chief Hockey Officer und hat sportlich die übergeordnete Führung übernommen. Das Ziel ist es, dass die National League, der Nachwuchs und die Frauen eine gemeinsame sportliche Philosophie verfolgen, Spielerinnen und Spieler nachhaltig entwickelt und geformt werden sowie der regionale Bezug gestärkt wird.

Es ist eine schwierige Aufgabe. Doch Coach Serge Aubin ist es zuzutrauen, auf diesem Weg die ersten Etappen zu gehen und Hindernisse zu überwinden. Der smarte Kanadier hat in der DEL in den letzten Jahren eindrückliche Arbeit geleistet und ist mit den Eisbären Berlin fünfmal Meister geworden. «Wir haben ein junges Team. Wir wollen viele junge Spieler integrieren, frisches Blut hineinbringen. Natürlich wird es auch schwierige Phasen geben. Aber junge Spieler gemeinsam wachsen zu sehen und etwas Langfristiges aufzubauen, reizt mich sehr. Dieser Prozess erinnert mich an Berlin vor sieben Jahren. Damals hatte ich ebenfalls viele junge Spieler. Wir haben uns dann gemeinsam auf ein neues Level entwickelt», erklärte er, als er im Sommer erstmals in Bern war, um seinen neuen Arbeitsort zu besichtigen, zu seiner Motivation.

Auf dem Weg in die Zukunft hat der SCB auch sein spielerisches Personal angepasst. Die Routiniers Ramon Untersander, Joël Vermin und Hardy Häman Aktell wurden aussortiert. Und auf der Goalieposition gelang es, Connor Hughes aus Lausanne im Tausch mit Romain Loeffel nach Bern zu lotsen. Damit hat der SCB nun endlich im Tor eine Schweizer Lösung und setzt auf das Trio Hughes, Christof von Burg und Sandro Zurkirchen.

In der Verteidigung wurden Loeffel, Häman Aktell, Untersander und Alexandr Iakovenko abgegeben, gefragt sind nun die Zuzüge Ian Mitchell, Davyd Barandun und Rodwin Dionicio sowie die Jungen Louis Füllemann und Nils Rhyn. Spannend ist vor allem die Personalie Dionicio. Der einstige SCB-Junior ist aus Biel gekommen und wird von hinten die SCB-Offensive ankurbeln. Die Frage ist, ob und wie es ihm gelingt, den offensiven Sturm und Drang mit der defensiven Sicherheit zu kombinieren.

Im Sturm soll der von den SCL Tigers zu den Mutzen gekommene Dario Rohrbach für Schweizer Tore sorgen. Entscheidend ist zudem, dass Benjamin Baumgartner und Marco Lehmann gesund bleiben und produktiv sind, dass Miro Aaltonen zu alter Stärke zurückfindet und natürlich, dass Sonny Milano einschlägt. Der Amerikaner ist ein Erstrundenpick aus dem Jahr 2014, hat 344 NHL-Spiele auf dem Buckel und 145 Skorerpunkte auf seinem Konto. Er ist ein Künstlertyp, der in der PostFinance Arena für Unterhaltung sorgen soll. Biedere Hausmannskost bekamen die SCB-Fans in der Vergangenheit ja viel zu oft serviert. Summa summarum lässt sich sagen: Der erneuerte SCB hat Potenzial und mit ein wenig Wettkampfglück ist das direkte Playoff-Ticket durchaus realistisch.

Turbulenter Sommer in Zug

Von Erfolgen träumt auch der EV Zug, der Meister von 2021 und 2022, der in den letzten beiden Jahren aber jeweils schon im Viertelfinal scheiterte. Das sorgte dafür, dass plötzlich die Nerven blank lagen. Der Verwaltungsrat trennte sich im Sommer quasi Hals über Kopf von Patrick Lengwiler und Reto Kläy, die den Klub an die nationale Spitze geführt hatten. Zweifel am Leistungszentrum OYM sind ganz offensichtlich nicht nur unerwünscht, sondern werden auch radikal bestraft. Und so kommen die Zuger nun aus einem turbulenten Sommer, haben mit Paolo Duca einen neuen CEO, mit Ted Suihkonen einen neuen Sportchef und mit Lauri Marjamäki einen neuen Headcoach. Es sind ein bisschen gar viele Neuerungen, und so stellt sich die Frage: Wie schwer wiegt der Erfahrungs- und Know-how-Verlust nach dem Abgang der alten Führung? Und wie schnell spielen die neuen Zahnräder ineinander? Bekanntermassen ist gerade im Profisport Zeit ein sehr, sehr seltenes Gut.

Immerhin kann Trainer Marjamäki weiterhin auf Goalie Leonardo Genoni bauen – der Vertrag des 39-Jährigen wurde bis 2030 verlängert. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie Marjamäki in Zug funktioniert, zumal ihm der Ruf anhängt, ein schwieriger Charakter zu sein. In der Defensive bilden die Imports Lukas Bengtsson, Jacob Moverare und David Sklenicka das Fundament, während die Schweizer Verteidiger für die Ergänzung sorgen werden. In der Offensive muss aber aus dem lauen Lüftchen der letzten Regular Season – nur 126 Tore und Platz 11 im Liga-Ranking – wieder ein Sturm werden. Doch finden Jan Kovar, Dominik Kubalik und auch Grégory Hofmann zu ihrer Topform zurück? Und wie integriert sich Vinzenz Rohrer, der mit einem unmoralischen Angebot aus Zürich weggelockt wurde in Zug, nachdem er letzte Saison auch bei den Lions nicht überzeugen konnte? «Zug hat alles, was es braucht, um erfolgreich zu sein», sagt CEO Paolo Duca vor der neuen Saison. Das ist durchaus möglich. Aber auch ein Platz nur knapp in den Top Ten ist nicht ausgeschlossen.

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